Kindergarten: Zuwandererkinder profitieren weniger

Überraschende Studie

Kindergarten: Zuwandererkinder profitieren weniger

Am schwächsten fällt der Kompetenzgewinn bei den unteren 40 Prozent aus.

Kinder von Zuwanderern profitieren leistungsmäßig vom Kindergartenbesuch weniger stark als einheimische Kinder. Das zeigt eine am Donnerstag bei einer Tagung in Wien präsentierte Auswertung von Bildungsstandard-Ergebnissen. Am schwächsten fiel der Kompetenzgewinn bei den (gemessen am Berufsprofil der Eltern) unteren 40 Prozent aus.

Geringerer Zuwachs

Im Mai 2013 wurden die Bildungsstandards der Schüler der vierten Volksschulklasse in Mathematik überprüft. Dabei zeigte sich wie zu erwarten, dass jene Kinder, die einen Kindergarten besucht hatten, auch bessere Ergebnisse erzielten - je länger der Kindergartenbesuch, desto höher waren die erreichten Punktwerte. Entgegen den Erwartungen war der Kompetenzgewinn bei Schülern aus zugewanderten Familien aber weniger deutlich als bei den einheimischen Kindern.

Während Schüler mit einheimischen Eltern nach einem Jahr Kindergartenbesuch mit 15 Punkten und nach mehreren Jahren mit 39 Punkten profitierten, waren die Werte bei jenen mit zugewanderten Eltern mit acht und 31 Punkten niedriger. Gerade jene, die aus sozioökonomisch schwachen zugewanderten Familien stammten, wiesen nochmals einen geringeren Zuwachs auf - elf Punkte weniger als bei den Kindern aus der Gesamtgruppe einheimischer Eltern.

Gegensatz zu Studien aus anderen Ländern

Dieser Befund steht im Gegensatz zu Studien aus anderen Ländern, wo Kinder aus Migrantenfamilien eigentlich stärker vom Kindergartenbesuch profitieren als einheimische. Als mögliche Gründe werden in der Studie "unterschiedliche Qualitätsniveaus" der betreffenden Kindergärten genannt, etwa bei Betreuungsschlüssel, Aktivitäten oder beim sprachlichen Verhalten der pädagogischen Fachkräfte.

Auch Unterschiede in der pädagogischen Ausrichtung der Kindergärten in den einzelnen Ländern seien möglich - so könnten etwa Berufsverständnis und rechtliche Rahmenbedingungen "keine kompensatorische Bildung für Kinder aus bildungsfernen Schichten" beinhalten. "Im Gegenteil, es besteht die Befürchtung, dass ein gezieltes Vorgehen, das dem Verständnis des Kindergartens als Bildungsinstitution entsprechen würde (wie etwa der Wortschatzaufbau), aus Angst vor einer Verschulung sogar abgelehnt wird."

Unterschiedliche Besuchsquoten je nach Bundesland

Ebenfalls interessant ist die unterschiedliche Dauer des Kindergartenbesuchs der 2012 in der vierten Klasse AHS bzw. Neue Mittelschule/Hauptschule getesteten Schüler, die in Österreich geboren wurden (unabhängig vom Geburtsland der Eltern). In Vorarlberg besuchten nur 20 Prozent einen Kindergarten drei Jahre oder länger. In Niederösterreich waren es dagegen 55 Prozent, im Burgenland sogar 60 Prozent. Wien liegt in etwa im Österreich-Schnitt von etwas über 40 Prozent.

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind auch innerhalb der Herkunftsgruppen sehr groß: Während im Burgenland mehr als die Hälfte der Kinder türkischer Eltern drei oder mehr Jahre im Kindergarten verbracht haben, waren es in Vorarlberg gerade einmal zehn Prozent. Wien liegt genau im Österreich-Schnitt von 32 Prozent.

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