Die Stadt Wien gewährt erstmals tiefe Einblicke in die Finanzen ihrer Kindergärten und legt eine detaillierte Kostenrechnung vor. Das Zahlenwerk dient als Fundament für eine weitreichende Reform.
Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) hat die Karten auf den Tisch gelegt und am Montag erstmals eine detaillierte Kostenrechnung für die städtischen Kindergärten präsentiert. Jahrelang wurde an der Datenqualität der zuständigen MA 10 gefeilt, bis eine externe Wirtschaftsprüfung das Zahlenwerk für das Jahr 2023 nun endlich als valide bestätigt hat. Daten waren grundsätzlich vorhanden, die Qualität dieser musste allerdings verbessert und erweitert werden.
Vizebürgermeisterin Emmerling gibt Einblicke in die geplante Reform des Fördersystems.
Kindergartenplatz kostet 13.767 Euro pro Jahr
Ein Betreuungsplatz in einem städtischen Kindergarten kostete demnach im Jahr 2023 durchschnittlich rund 13.767 Euro pro Jahr. Der Großteil dieser Summe entfällt mit 80 Prozent auf das Personal, während Sachkosten (19%) und Overheadkosten (1%) den Rest ausmachen. Im Gegensatz dazu erhält ein privater Kindergarten pro Kind im Schnitt nur Förderungen in der Höhe von 9.088 Euro. Dieser deutliche Unterschied lässt sich allerdings nicht durch Ineffizienz erklären, sondern liegt in der völlig unterschiedlichen Aufgabenverteilung begründet.
Harte Realität in städtischen Gruppen
Die Stadt Wien übernimmt nämlich die schwierigsten sozialen Aufgaben fast im Alleingang. Ganze neunzig Prozent des Bedarfs an Integrations- und heilpädagogischen Plätzen werden von den städtischen Häusern abgedeckt. Ein Blick auf die Statistik zeigt die enorme Herausforderung, da 64 bis 68 Prozent der Kinder eine andere Erstsprache als Deutsch sprechen. Zudem gilt ein Drittel der Kinder als armutsgefährdet, während bis zu 16 Prozent bereits Flucht- oder Krisenerfahrungen verarbeiten müssen. Etwa 8 Prozent der Kinder in städtischen Gruppen weisen zudem eine Behinderung oder einen erhöhten Förderbedarf auf.
Diese Faktoren treiben die Kosten nach oben, da etwa ein einzelner heilpädagogischer Platz jährlich rund 35.000 Euro kostet. Dazu kommen finanzielle Unterschiede beim Personal, da die Angestellten der Stadt nach dem hauseigenen Gehaltsschema bezahlt werden. Das bedeutet im Vergleich zum privaten SWÖ-Kollektivvertrag rund 300 Euro brutto mehr pro Monat bei vergleichbarer Einstufung. Während städtische Häuser zudem komplett beitragsfrei bleiben, dürfen private Träger von den Eltern zusätzlich zum Essen bis zu 274 Euro monatlich einheben.
Harte Regeln für die Förder-Millionen
"Im Rahmen der Reform 'Kindergarten neu denken' werden drei große Schwerpunkte auf den pädagogischen Rahmen, die Verwaltung und das Fördersystem gelegt. Es ist das Ziel, das System zukunftsfit, gerecht und qualitativ hochwertig weiterzuentwickeln", betont Emmerling. Es soll dafür sorgen, dass alle Kindergärten - sei es städtisch oder privat- diese Herausforderungen gemeinsam stemmen. "Wir müssen hin zu einer echten Partnerschaft zwischen Stadt und privaten Trägern. Dafür braucht es eine komplette Neuaufstellung. Ein transparentes, faires, tragfähiges und steuerbares System", so die Vizebürgermeisterin.
Damit das System in Zukunft fairer wird, hat sich die Stadt die professionelle Hilfe der Organisationsberatung Malthus geholt. Das Ziel ist eine neue Finanzierungslogik, die klare Mindeststandards definiert und Schwerpunkte wie Sprachförderung gezielt steuert. Wer in Zukunft Förderungen vom Rathaus beziehen möchte, muss seinen Verpflichtungen nachkommen. Träger, die den Auftrag zur Sprachförderung in keiner Weise erfüllen, sollen künftig den Anspruch auf finanzielle Unterstützung verlieren.