Pensionsdebatte

Ältere im Job? Gerstorfer fordert Bonus-Malus-System für Betriebe

Während in Wirtschaftskreisen längst über eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters spekuliert wird, hält die neue Präsidentin des Pensionistenverbands dagegen. Birgit Gerstorfer spricht in der ZiB2 über gerechte Lösungen und Verantwortung der Unternehmen 

Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbands, hat sich in der ZiB2 deutlich gegen eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters ausgesprochen. Im Gespräch mit Margit Laufer machte sie klar, dass die bereits beschlossenen Reformen im Pensionssystem wirken sollen, bevor über weitere Eingriffe nachgedacht wird. Sie sprach sich für eine sachliche Diskussion und gegen Panikmache aus.

Pensionsbashing statt Fakten

"Es wird sehr stark jetzt ein Pensionsbashing betrieben", sagte Birgit Gerstorfer. Sie kritisierte, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehe, Pensionen müssten das Budget retten. Das entspreche nicht den Fakten. Sie verwies auf aktuelle Daten der Pensionsversicherung, die unter anderem einen Rückgang bei Neupensionierungen und steigende Einnahmen durch mehr Pflichtversicherte zeigen.

Reformen müssen greifen 

Nach Einschätzung von Gerstorfer wurden bereits tiefgreifende Maßnahmen beschlossen. Dazu zählt für sie die Einführung der Teilpension, die stufenweise Anhebung des Frauenpensionsantrittsalters und die Verschiebung der Korridorpension auf das 63. Lebensjahr. Auch der beschlossene Nachhaltigkeitsmechanismus, der bis 2030 beobachtet wird, sei ein Teil dieser Reformen. "Jetzt muss man diesen Maßnahmen auch wirklich Zeit lassen", forderte Gerstorfer.

Vertrauen statt Verunsicherung

"Wenn wir kein Vertrauen und keine Zuversicht in die Finanzierbarkeit der Pensionen schaffen, dann ist es für die junge Generation oft auch eine Diskussion, ob es sich überhaupt auszahlt, arbeiten zu gehen", sagte Gerstorfer. Sie betonte, dass das Umlagesystem auf Solidarität beruhe und nur funktioniere, wenn Beiträge geleistet und passende Arbeitsplätze geschaffen werden.

Staatliche Pension als Fundament

"Sehr viele Menschen müssen sich auf diese staatliche Pension verlassen, weil sie gar nicht in der Lage sind, eine private, persönliche Pension einzuzahlen", erklärte Gerstorfer. Sie unterstrich, dass das gesetzliche Pensionssystem vor Altersarmut schützen müsse. Private oder betriebliche Vorsorge könnten zwar sinnvoll sein, würden aber das staatliche System nicht ersetzen.

Teilpension ohne Rechtsanspruch bleibt schwach

Die neue Teilpension sieht Gerstorfer als positiven Schritt, kritisierte aber die fehlende Verbindlichkeit. „Wenn man keine Zustimmung des Arbeitgebers bekommt, dann kann man nichts ändern“, sagte sie. Viele würden sich daher für die Vollpension entscheiden, obwohl sie eigentlich gerne weiterarbeiten würden. Auch steuerliche Unklarheiten bezeichnete sie als Problem: Wenn Nachzahlungen erst Monate später kommen, fehle die nötige Transparenz.

Arbeitgeber in der Pflicht

Gerstorfer betonte, dass Unternehmen Verantwortung für ältere Beschäftigte übernehmen müssten. Sie verwies auf den niedrigen Beschäftigungsanteil von über 60-Jährigen. "Wenn wir wollen, dass die Menschen länger arbeiten, dann wird diese Zahl steigen. Das geht aber nur, wenn auch die Unternehmen ihrer Sorgfaltspflicht gerecht werden", sagte sie. Altersgerechte Arbeitsbedingungen seien notwendig, um einen längeren Verbleib im Berufsleben zu ermöglichen.

Mehr Kontrolle und gezielte Anreize

"Dann wird natürlich auch ein Bonus-Malus-System zu diskutieren sein", sagte Gerstorfer. Sie sprach sich für ein Monitoring aus, das zeigt, wie viele ältere Beschäftigte in Unternehmen tatsächlich tätig sind. Wenn sich dabei große Unterschiede zeigten, müsse man darüber nachdenken, mit Anreizen oder Sanktionen zu reagieren.

Birgit Gerstorfer stellte im ZiB2-Interview klar, dass sie für ein starkes staatliches Pensionssystem eintritt. Sie lehnt eine Erhöhung des gesetzlichen Antrittsalters ab, plädiert für faire Bedingungen am Arbeitsmarkt und fordert, dass bereits beschlossene Maßnahmen nun umgesetzt und ernsthaft evaluiert werden.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten