Kurz Nehammer

Schallenberg nur 56 Tage im Amt

Bei uns sogar mehr Kanzlerwechsel als in Italien

Sechs neue Regierungschefs in zehn Jahren - Schallenberg bleibt Zweimonatskanzler - Nehammer übernimmt nach nur 56 Tagen  

Mit der für Montag erwarteten Angelobung Karl Nehammers bleibt Alexander Schallenberg (ÖVP) der Bundeskanzler mit der bisher kürzesten Amtsdauer der Zweiten Republik. Damit hat Österreich in zehn Jahren sechs Mal den Regierungschef gewechselt - öfter als das bei solchen Gelegenheiten oft beschworene Negativvorbild Italien, das seit Dezember 2011 nur auf fünf Wechsel kommt. Die beiden Interimskanzler Reinhold Mitterlehner und Hartwig Löger sind hier noch gar nicht mitgezählt.

Grundsätzlich ist Bundeskanzler in Österreich kein Langzeitjob: mehr als zwei volle Legislaturperioden haben die wenigsten der bisher 16 Regierungschefs durchgedient. Am längsten im Amt gehalten hat sich Bruno Kreisky, der von 1970 bis 1983 4.781 Tage bzw. mehr als 13 Jahre an der Spitze einer SPÖ-Alleinregierung stand. Dahinter folgt Franz Vranitzky (1986 bis 1997) mit 3.879 Tagen gemeinsamer Regierung mit der ÖVP. Bei der Volkspartei stechen Julius Raab (2.931 Tage von 1953 bis 1961) und Leopold Figl (2.660 Tage von 1945 bis 1953) als Langzeitkanzler hervor.

Im neuen Jahrtausend schrumpfte die Amtszeit der Bundeskanzler dramatisch zusammen - und das, obwohl SPÖ und ÖVP im Jahr 2007 die Abstände zwischen den regulären Wahlen von vier auf fünf Jahre erhöhten. Wolfgang Schüssel von der ÖVP wirkte von 2000 bis 2007 noch 2.533 Tage am Ballhausplatz. Sein Nachfolger Alfred Gusenbauer (SPÖ) hielt sich nur knapp zwei Jahre (691 Tage) im Kanzlersessel, ehe er Ende 2008 seinem Parteifreund Werner Faymann weichen musste. Der von Gegnern gerne belächelte Faymann war mit 2.715 Tagen (fast siebeneinhalb Jahren) der letzte Langzeitkanzler.

Nachfolger Christian Kern von der SPÖ schaffte nur 580 Tage, ehe ihn die von Sebastian Kurz (ÖVP) ausgerufene Neuwahl aus dem Amt beförderte. Kurz selbst wirkte insgesamt 1.169 Tage im Kanzleramt - unterbrochen von 218 Tagen Übergangskanzlerschaft der parteifreien Ex-Höchstrichterin Brigitte Bierlein nach der Ibiza-Affäre. Nach Kurz' Rücktritt wegen schwerer Korruptionsvorwürfe hievte die ÖVP am 11. Oktober den bisherigen Außenminister Alexander Schallenberg ins Amt. Seine Kanzlerschaft bleibt mit nur 56 Tagen eine besonders kurze Episode. Voraussichtlich am Montag wird der designierte neue ÖVP-Obmann Karl Nehammer auch den Vorsitz in der Regierung übernehmen und vom Innenministerium in der Herrengasse an den nahen Ballhausplatz wechseln.
 



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