ÖVP mobilisierte am besten die Wähler

Die Analyse

ÖVP mobilisierte am besten die Wähler

Am meisten blieben FPÖ-Wähler zu Hause. Auch SPÖler gingen nicht zur Urne.

Die ÖVP schaffte es bei der Bundesheer-Volksbefragung heute, Sonntag, am besten, ihre Wähler zu mobilisieren und von ihrer Linie pro Wehrpflicht zu überzeugen. 86 Prozent ihrer Wähler des Jahres 2008 gaben heute ihre Stimme ab und 80 Prozent von ihnen votierten für die Wehrpflicht. Von den SPÖ-Wählern blieben hingegen 32 Prozent zu Hause - von den FPÖ-Wählern sogar 57 Prozent, ergab eine Wählerstromanalyse von SORA im Auftrag des ORF.

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»Ein Armutszeugnis für die Politik, die unfähig ist, grundsätzliche Dinge zu entscheiden. Ich war immer gegen Volksbefragungen, wozu haben wir eine Regierung – das überdenke ich jetzt. Was ich nicht verstehe: Minister Darabos sagt, er werde sich nun für das ,zweitbeste System‘ einsetzen. In der Wirtschaft muss ein Manager, der seine Ziele nicht umsetzen kann, abtreten.«

»Ich habe ein solches Ergebnis befürchtet. In der Kürze der Zeit war es nicht möglich, die emotionalen Nebelgranaten abzuwenden. Gut ist, dass das Thema jetzt im politischen Diskurs ist – bei der Nationalratswahl sehen wir uns wieder! Die Zwentendorf-Abstimmung hat die SPÖ auch knapp verloren – und die Wahl danach deutlich gewonnen.«

»Ich freue mich sehr über das Ergebnis. Und ich bin der festen Überzeugung, dass die Beibehaltung der Wehrpflicht tatsächlich der richtige Weg für das Bundesheer ist. Nun werden wir mit voller Kraft die notwendigen Optimierungsarbeiten beim Heer angehen. Dafür können wir jetzt den Schwung dieses tollen Ergebnisses nutzen.«

»Das Votum war viel eindeutiger als gedacht. Damit steigt der Druck auf Minister Darabos.«

»Das ist gut, damit die jungen Burschen auch künftig etwas für das Land tun werden.«

»Bemerkenswert ist, dass nicht-militärische Motive (Zivildienst) mit Abstand dominierend waren.«

»Ich habe diese klare Entscheidung erwartet: für den Zivildienst und eine Reform.«

»Sehr schade. Die wohl letzte Chance für eine sinnvolle Reform ist verloren gegangen.«

»Ich habe mir etwas anderes erhofft, aber das Ergebnis ist zu akzeptieren. Nachdem der -Zivildienst flächendeckend das wesentliche Argument war, um für die Wehrpflicht zu stimmen, ist jetzt endlich eine Gleichstellung von Zivil- und Wehrdienern angebracht, also die Verkürzung des Zivildiensts auf 6 Monate.«

»Das habe ich nicht erwartet. Aber wie das Volk entscheidet, muss akzeptiert werden.«

»Damit müssen jetzt weiterhin Tausende junge Männer sinnlos Zeit verschwenden.«

»Das ist ein großartiger Tag für Österreich. Die hohe Wahlbeteiligung zeigt, dass es ein großes Interesse an dem Thema gibt. Jetzt muss aber das Heer reformiert werden. Denn das Ergebnis macht deutlich, dass die Österreicher das Heer reformieren, nicht demontieren wollen. Und fix ist: Darabos muss jetzt gehen!«



 Das Votum der SPÖ-Wähler der Nationalratswahl 2008 fiel auch weniger klar aus als jenes der VP-Wähler: Denn 63 Prozent der roten Wähler entschieden sich für das von der Partei propagierte Berufsheer und 37 Prozent für die Wehrpflicht. Von den ÖVP-Wählern scherten nur 20 Prozent ins Lager der Berufsheer-Befürworter aus.

FPÖ
Nicht wirklich überzeugen konnte offenbar FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache seine Parteianhänger von der Pro-Wehrpflicht-Linie. Nur 43 Prozent der blauen Wähler des Jahres 2008 gingen zur Volksbefragung. 70 Prozent von ihnen stimmten für die Wehrpflicht und immerhin 30 Prozent für das Berufsheer. Aber auch BZÖ-Chef Josef Bucher setzte sich bei seinen Wählern nicht ganz durch - im umgekehrten Sinn. Er hatte einen Boykott empfohlen, aber die knappe Mehrheit der orangen Wähler (52 Prozent) nahm an der Befragung teil und entschied sich zu vier Fünftel für die Wehrpflicht. Von den Grün-Wählern blieb ein gutes Drittel (34 Prozent) zu Hause, von den Abstimmenden votierten 69 Prozent für das Berufsheer.

Grüne
Die Grünen stellen damit den zweitgrößten Anteil - 18 Prozent - der Berufsheer-Befürworter. Von SPÖ-Wählern kamen 47 Prozent der Stimmen, von ÖVP-Wählern 16 Prozent und neun Prozent von FPÖ-Wählern des Jahres 2008. Zum Wehrpflicht-Ja lieferten die ÖVP-Wähler mit 45 Prozent den größten Anteil, gefolgt von den SPÖ- (18 Prozent), den FPÖ- (13 Prozent) und den BZÖ-Wählern (11 Prozent).

Prinzipientreu zeigten sich die Nichtwähler des Jahres 2008. Sie interessierten sich auch nicht für die "direkte Demokratie" und blieben bei der Volksbefragung nahezu geschlossen zu Hause.



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