Kurz und Anschober bei pressekonferenz

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Konflikte im Corona-Einsatzstab

Insider berichten, dass es schon längere Zeit Dissonanzen geben würde.

Wien. Am Samstagabend liefen die Leitungen zwischen Kanzleramt und Gesundheitsministerium heiß. Der „Oster-Erlass“, wonach Menschen fünf Leute zu sich einladen dürften, sorgte für große Verstimmung im Kanzleramt. Er müsse das zurücknehmen, soll Sebastian Kurz Rudolf Anschober gesagt haben. Was dieser nach öffentlichem Ärger über den Erlass auch prompt machte.

Insider berichten, dass es schon längere Zeit Dissonanzen geben würde. Die einen, die im Kanzleramt sitzen, seien für harte Maßnahmen und brutale öffentliche Kommunikation – „es wird viel Leid und Tote geben“ (Kanzler Kurz) – in der Öffentlichkeit. Die anderen, so die Erzählung, im Gesundheitsministerium seien mehr für eine sanftere Vorgangsweise und eine optimistischere Sprache. Allerdings dürfte das bei Anschober – der aufrichtig Sorge vor Zuständen wie in Italien haben soll – schwanken.

Wiener SPÖ und die Linie von Ex-SP-Kanzler Kern

Dass jetzt ein Großteil der Geschäfte bereits am 14. April aufsperren soll, dürfte ein Sieg von Wirtschaft und Industrie, aber auch der SPÖ Wien sein, die das forciert hatten. Die Experten des Corona-Einsatzstabes sollen erst eine klare Absenkung unter 100 Neuinfizierten pro Tag gefordert haben, bevor man Richtung Normalisierung gehen könne. Richtige Spannungen gibt es jedenfalls zwischen Gesundheitsstadtrat Peter Hacker und Anschober. Aber ­natürlich auch zwischen Hacker und Kurz.

Teile der Wiener SPÖ dürften, ähnlich wie Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern, mit dem schwedischen Modell sympathisieren. Was wiederum Kurz und Anschober und fast alle Epidemiologen für falsch halten. Im Zweifelsfall würden Kurz und Anschober dann doch zusammenhalten. 

Isabelle Daniel