Gerhard DÖRFLER

ÖSTERREICH-Interview

Dörfler: "Freue mich, unwichtig zu sein"

Kärntens Ex-Landeskaiser Gerhard Dörfler über Wahl-Flop und seine neue Zukunft.

Seit einer Woche liegt die Karriere von Gerhard Dörfler in Trümmern: Er fuhr die historische Niederlage bei den Kärntner Landtagswahlen ein (minus 27,7 Prozent). Jetzt will ihn die Partei loswerden. Dörfler möchte Landtagsabgeordneter (neuer Verdienst 2.220 Euro netto) werden, der neue FPK-Parteichef Christian Ragger will ihn verhindern.

Machtkampf
Trotz des Machtkampfs strahlt Dörfler buddhistische Gelassenheit aus. „Ich bin kein Versorgungsfall. Aber ich bin den Menschen in Kärnten verpflichtet. Und ich bekomme täglich viele Anrufe, dass ich in der Politik bleiben soll. Ich werde kämpfen“, so Dörfler.

Neues Leben
Wie auch immer das Gerangel ausgeht, eines ist sicher: Dörfler freut sich auf den neuen Lebensabschnitt. „Ich möchte die Zeit des Hastens nicht missen, aber die neue Ruhe werde ich genießen.“
 

"Möchte mit Frau und Dalai Lama Geburtstag feiern"

ÖSTERREICH: Herr Dörfler, haben Sie die Niederlage schon verarbeitet?
Gerhard Dörfler: Ich bin ein philosophischer Mensch und die Niederlage am Sonntag war ein klares Signal, dass jetzt ein neues Lebensabenteuer beginnt. Es wird schön sein, unwichtig zu sein. Ich freue mich darauf, eine neue Lebensgeschwindigkeit zu erleben. Politik ist doch wie Formel-1-Fahren, nur ohne Bremsen. Bei dieser Geschwindigkeit fährt man oft durch die Landschaft und kann gewisse Strömungen nicht mehr deuten.

ÖSTERREICH: Meinen Sie damit, dass Sie die Signale für die Niederlage nicht erkannt haben?
Dörfler: Es war ein Sammelsurium an Entwicklungen, die ich nicht erkannt habe. Ich dachte, dass der Hypo-Skandal mich nichts angeht, weil ich in keiner Weise darin verwickelt war. Aber der Wähler hat das anders gesehen, damit habe ich nicht gerechnet. Auch ist es nicht populär, wenn man ein Sparpaket schnüren muss. Die Kärntner hatten offenbar das Gefühl, beim Jörg ist alles gegangen, bei mir mussten sie zurückstecken.

ÖSTERREICH: Wie wird die neue Lebensgeschwindigkeit des Gerhard Dörfler ausschauen?
Dörfler: Ich halte es da mit einer Weisheit von meinem Freund Dalai Lama: Die Zufriedenheit stattet dich mit weniger Sorgen, weniger Feinden, weniger Problemen und mit einem sehr guten Schlaf aus. Seit 12 Jahren werde ich wieder bewusst den Frühling erleben. Ich werde Bäume fällen können und für meine Enkelkindern Würstel grillen.

ÖSTERREICH: Apropos Dalai Lama. War sein Besuch im Vorjahr einer der Höhepunkte in Ihrer Zeit als Landeshauptmann?
Dörfler: Wir haben vier Tage wie Brüder verbracht. Der Dalai Lama ist eine faszinierende Persönlichkeit, weil er ganz anders als der Papst nicht als das Oberhaupt einer Religion, sondern als Mensch kommt und kein Papamobil braucht. Er geht ohne Scheu auf die Menschen zu und bringt sie vor Rührung zum ­Weinen.

ÖSTERREICH: Werden Sie den Dalai Lama wiedertreffen?
Dörfler: Am 6. Juli 2015 wird der Dalai-Lama 80, meine Frau 60 und meine Tochter 30. Mein Traum ist es, nach Indien zu reisen und gemeinsam mit dem Dalai Lama zu feiern.



OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten