Platter ging sieben Mal auf Gratisjagd

"Kontakt-Pflege"

Platter ging sieben Mal auf Gratisjagd

ÖVP-Chef Spindelegger verteidigt Platter: "Kein Problem".

Tirol. „Von einem Spitzenpolitiker wird verlangt, dass er gute Verbindungen hat“, sagt Landeschef Günther Platter (VP) am Montag zu ÖSTERREICH und macht klar: „Diese Kontakte werde ich als Landeshauptmann auch in Zukunft pflegen.“ Trotzdem, „das ganze Jagdfieber“ gehe Platter „dermaßen auf die Nerven, dass vorerst keine weiteren Jagdausflüge geplant“ wären.

Unternehmer und Politiker zahlten
Von sieben nachweisbaren Gratisjagden schreibt Publizist Markus Wilhelm auf seinem Portal www.dietiwag.org. Jagden, die ausnahmslos nicht von Platter selbst, sondern von Tiroler Unternehmern oder Politikern bezahlt worden seien.

3.000 Euro
Treffen mit Freunden, notwendige Kontaktpflege mit Entscheidungsträgern oder Freunderlwirtschaft? „Vor allem als Privatmann mit langjährigen und guten Freunden“ sei Platter unterwegs gewesen, Gratis-Abschüsse im Wert von über 3.000 Euro und freie Unterkunft inklusive – unter Freunden selbstverständlich.

Aber auch „mit der einen oder anderen Persönlichkeit, die für unser Land wichtig ist“, war Platter auf der Pirsch. Problematisch: Auch die Geschäftsbesprechungen waren gesponsert. „Wer immer hier was Unanständiges ortet, soll konkrete Beweise auf den Tisch legen“, meint Platter und verteidigt damit jene politische Praxis, die schon ÖVP-Landesrat Christian Switak zum Verhängnis geworden war.

Opposition fordert Neuwahlen
Der Obmann der größten Oppositionspartei im Landtag, LAbg. Fritz Dinkhauser, hat nun Neuwahlen gefordert. "Das, was helfen würde, wäre ein Ehrensalut und der politische Abgang", sagte der Chef des Bürgerforum Tirol - Liste Fritz am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck: "Neuwahlen wären der einzige und anständige Weg der ÖVP."

Dinkhausers Meinung nach sei die ÖVP politisch und personell am Ende, bei der Partei brenne es hinten und vorne. "Die ÖVP macht niemand mehr katholisch, außer der Wähler", fügte er hinzu. Der Liste Fritz-Chef sei von den Vorgängen persönlich betroffen: "Wenn jemand zwischen Joggen und Jagen keinen Unterschied mehr kennt, braucht er keine Büchse, sondern die Bibel." Er selbst wolle sich nicht an der Treibjagd beteiligen.

Rückendeckung von Spindelegger
Unterdessen erhält Platter Rückendeckung von ÖVP-Chef Spindelegger. Er sieht darin überhaupt kein Problem. Es gehe um die Frage, "ob es etwas Kriminelles gegeben hat", er habe nichts davon gehört. Im Übrigen arbeite die ÖVP an einem Verhaltenskodex, der diese Fragen genau kläre, so der VP-Chef.



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