Grosz gesagt: Der kritische Blick
"Gut, dass Lagerfeld das nicht mehr erleben muss"
© OE24
Österreich hat nun auch offiziell einen neuen Gesundheitsminister. Wolfgang Mückstein, zärtlich auch Minister Mücke genannt, wurde vom Bundespräsidenten angelobt. Und angesichts des modischen Statements des neuen Ministers, weiße Sneakers und ein Anzug in adipöser Übergröße, bleibt nur Gott zu danken, dass Karl Lagerfeld diese Segnungen grünen Modebewusstseins nicht mehr miterleben musste. Die Gnade des frühen Todes bewahrte ihn, im Gegensatz zu uns visuell gefolterten Österreichern, vor einem folgenschweren Augentinnitus.
Mehr gibt’s auch schon nicht mehr zu sagen, denn Herr Minister beliebt sich über modische Äußerlichkeiten und stoffliche Kleinigkeiten zu definieren. Antworten zur Gesundheits-, Sozial- und Pflegepolitik blieb uns der Herr Doktor – zumindest gegenwärtig – noch schuldig. Aber wie es sich für einen Alternativmediziner gehört, werden wir diese in kleinen Dosen verabreicht kommen. Ähnlich unschlüssig sind auch seine neuen Kollegen auf der Regierungsbank, wie man der dieswöchigen Regierungsklausur entnehmen durfte.
Fast zwei Tage sperrten sich die Damen und Herren Minister in ein virenfreies Konklave. Abstand, Trennscheiben und Masken erzeugten hierbei ein neues leidenschaftliches Harmoniegefühl. Und dieser neuen Leidenschaft ist es offenbar geschuldet, dass die Koalitionsparteien die neue Normalität die sie meinen für Mitte Mai in Aussicht stellen. Man wisse zwar noch nicht wie und exakt welche Bereiche in welchen konkreten Schritten und unter welchen widersinnigen Auflagen wieder gnadenhalber ihre Pforten öffnen dürfen, aber es sei das Aufflackern von Licht am Ende des Dunkels zu sehen. Und weil alles so ungewiss, vernebelt und frei nach Fred Sinowatz so kompliziert ist, erfolgt die langersehnte Freiheit für die seit 7 Monaten fest verschlossenen Branchen trotz seit Tagen sinkender Infektionszahlen auch nicht nächste oder übernächste Woche, auch nicht Ende des Monates sondern planungs- und zielsicher irgendwann „Mitte Mai“.
Aber nur, wenn es die Zahlen – welche auch immer – hergeben würden. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wär Kuhdreck Butter, sagte so treffend meine Urgroßmutter bereits zur vorvorigen Jahrhundertwende. Ohne zu wissen, dass dieses „Wenn“ einmal offizielle Regierungspolitik Österreichs wird. Für einen unfallfreien und regelkonformen Restaurantbesuch empfiehlt sich übrigens bereits jetzt schon die Absolvierung eines eigenen WIFI-Kurses. Denn, wie schon zuvor gesagt, es wird sehr kompliziert. Warum auch einfach, wenn es schwierig geht. Da ist Österreich ganz im Gleichschritt mit Deutschland. Während uns Bilder von feiernden, masken- und abstandslosen Jugendlichen aus London erreichen oder Fotos von vollen Fußballplätzen aus Kroatien, scheinen wir mit den Piefkes kongeniale Partner im Virenkrieg gefunden zu haben. Wenn das nur gut geht. Apropos Deutschland: Unsere Nachbarn haben offensichtlich eine neue Kanzlerin. Nach Langzeitregentin Mutti Merkel ist die bis dato weitgehend unbekannte Annalena Baerbock, das ist keine neue Gattung eines Borkenkäfers, neue Regierungschefin.
Zumindest wenn man den euphorisierten Medien Glauben schenken darf, die noch vor der Bundestagswahl im September, die Spitzenkandidatin der GrünInnen vorab inthronisierten. Eine Horrorvorstellung für die beiden Unionsparteien der bürgerlichen Mitte, CDU und CSU. Deren Kanzlerkandidat wurde auch diese Woche gekürt. Schwerer als jede Drillingsgeburt erblickte mit Armin Laschet der präsumtive Nachfolger von Merkel das Licht der Welt. Armin Laschet, der Herr Rossi der deutschen Innenpolitik, der nun nicht das Glück aber zumindest das Kanzleramt sucht. Wenn er sich dabei nicht verrennt, der Gute. Bayerns Ministerpräsident Söder übrigens bleibt in München. Wochenlang schlief er bei offenem Fenster, um den Ruf aus Berlin nicht zu überhören. Sein Pech: Kein Schwein rief ihn an, keine Sau interessiert sich für ihn.
Gesteigertes Interesse hat hingegen die Justiz an Burgenlands mächtigem Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Auch ein einmaliger Vorgang in der Republik. Das Handy des Landeshauptmannes wurde beschlagnahmt. Offiziell geht es um die Pleite der Commerzialbank Mattersburg. Inwieweit die breite Öffentlichkeit nun mit den sozialistischen WhatsApps, analog zu den Bussi-Bussi-SMS des Kanzlers, bedacht wird, bleibt hoffnungsfroh abzuwarten. Zumindest dürften die Nachrichten zwischen den Roten Österreichs nicht mit Bussis sondern stilecht mit Hammer und Sichel verziert sein. Und mit einer anderen Mär wird damit aufgeräumt, die Justiz wäre nur rot. Rot geärgert haben sich die Blauen diese Woche.
Ein flammender Streit soll in der FPÖ ausgebrochen sein. Jeder gegen Jeden lautete die Devise und alle gegen den schwachen Hofer. Und tatsächlich, es ist ein armseliges Bild, das die FPÖ als Oppositionspartei abgibt. Das Momentum der Schwäche der Regierung blieb ungenutzt, denn was macht es auch für einen Sinn, dass Scharfmacher Herbert Kickl und seine Parlamentarier wie die Duracellhasen gegen die ÖVP und die Grünen trommeln, während Norbert Hofer dann doch eher wieder gerne am warmen und bequemen Schoß von Kurz Platz nehmen dürfen will. Platz vor dem Richter nimmt übrigens HC Strache, gestrauchelter Parteichef der Blauen, oberster Partyboy von Ibiza, schmachtender Verehrer falscher Oligarchennichten, Wodka-Red-Bull Role Model und Experte für dreckige Zehennägel. Angeklagt wird er, wegen Bestechlichkeit.
Es soll sich um den ersten von einer langen Reihe von Prozessen handeln, mit denen Strache die nächsten Jahre eine aufregende Beschäftigungstherapie genießt. Für ihn, wie für mittlerweile alle Politiker des Landes am Abschluss dieses Wochenrückblicks, gilt die Unschuldsvermutung.
Für mich gilt: Bleiben Sie mir treu, wenn es nächste Woche wieder heißt: Grosz gesagt!
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden