Diashow Hochegger packt seine Liste aus

U-Ausschuss

Hochegger packt seine Liste aus

Erstmals sprach der Lobbyist. Er nannte viele Politiker als "Komplizen".

Vor dieser Aussage fürchtete sich ein beträchtlicher Teil der heimischen Politiker: Fast vier Stunden lang stand Peter Hochegger (62) am Donnerstag im Kreuzverhör der fünf Abgeordneten im U-Ausschuss. Als der Lobbyist um 8.52 Uhr den Gang vor dem Lokal VI des Parlaments betrat, kam es zu tumultartigen Szenen. Kameras umzingelten Hochegger, Journalisten kamen zu Fall. Hochegger, der als zentrale Figur in den Korruptionsaffären gilt, blieb unbeeindruckt, lächelte gelassen – und schwieg.

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Diashow: Hochegger nennt seine Politkontakte

Hochegger nennt seine Politkontakte

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    Dann packte er richtig aus: Nannte 23 Politikernamen
    Dafür packte er dann vor dem U-Ausschuss richtig aus: Welche Politiker denn für Hochegger gearbeitet hatten, wollte BZÖ-Fraktionsführer Stefan Petzner wissen. Erster Knalleffekt: Der Lobbyist nennt 23 Namen prominenter Politiker, die er beschäftigt haben will. Auszug: Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) , Ernst Strasser (ÖVP) oder Hubert Gorbach. Petzner: „Die Politiker können dementieren, was sie wollen, wir werden alle vorladen.“



    Eine kleine Bombe ließ der grüne Fraktionsführer Peter Pilz platzen, als er auch den ehemaligen Bauernbund-Präsidenten Fritz Grillitsch ins Spiel brachte. Er soll für das „Forum Land“ von der Telekom 20.000 Euro dafür bekommen haben, dass er sich für den Ausbau des Breitbandes im ländlichen Raum starkmachte. „Ist er mit einem Megafon auf Traktoren durch die Lande gezogen?“, fragte Pilz Hochegger. Der kann das nicht bestätigen. ÖVP-Mann Werner Amon berichtet allerdings von einer entsprechenden Informationsveranstaltung im steirischen Fohnsdorf.

    Zur Börsenkurs-Manipulation der Telekom wurde Hochegger, der einen ruhigen Eindruck machte, ebenfalls befragt. Seine Version: Er habe von der Telekom Scheinrechnungen in der Höhe von 1,1 Millionen Euro erhalten. 500.000 gingen wieder an die Telekom zurück. Mit dem Geld soll Broker Johann Wanovits 2004 für die Manipulation bezahlt worden sein, Hochegger will davon allerdings nichts wissen: „Ich war von der Telekom nicht eingeweiht.“ Er habe Wanovits erst 2008 kennengelernt.

    Auch die im U-Ausschuss schon oft genannte Universaldienst-Verordnung unter Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach (BZÖ) war Thema der Hochegger-Befragung. Schmiergeldzahlungen in der Höhe von 240.000 Euro an Gorbach über seine Firma Valora und die Gorbach-Sekretärin Gabriele Maier-Kröll bestritt er. Gorbachs Gegenleistung: „Wir sind Firmen, die als Kunden infrage kommen, durchgegangen.“ Außerdem habe Gorbach Kontakte in osteuropäische Länder gehabt.

    Ebenso wortlos, wie er gekommen war, verschwand Hochegger um 12.35 Uhr durch eine Seitentüre des Parlaments.

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