Großer Wirbel um eine Konferenz am Holocaust-Tag in Jerusalem. Mit dem Rassemblement National, Schweden-Demokraten, der spanischen Vox und zwei Bolsonaro-Söhnen.
In Jerusalem hat am Holocaust-Gedenktag am Dienstag eine vom israelischen Diaspora-Minister, Amichai Chikli, organisierte Antisemitismus-Konferenz stattgefunden. Neben mehreren Vertretern aus dem rechtspopulistischen Politspektrum nahm auch Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) teil, berichteten am Mittwoch israelische Medien.
Jordan Bardella, Vorsitzender des rechtsextremischen Rassemblement National (RN) aus Frankreich und Le Pen-Vertrauter, hielt eine Rede.
"Parodie einer antisemitischen Konferenz"
Außerdem seien unter anderen auch Vertreter der Schwedendemokraten, der spanischen Rechtspopulisten von Vox und zwei Söhne des wegen Umsturzversuchs zu 27 Jahren Haft verurteilten brasilianischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro geladen gewesen. Michael Brenner, Professor für jüdische Geschichte in München, sagte dem "Kurier", das Ganze sei für ihn "eine Parodie einer antisemitischen Konferenz".
Hochrangige Führer der jüdischen Gemeinde boykottieren Minister
Minister Chikli gilt als einer der am meisten polarisierenden Minister im rechts-religiösen Kabinett von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Im März des vergangenen Jahres fand die erste von ihm organisierte Konferenz zur Bekämpfung des Antisemitismus statt. Hochrangige Führer der jüdischen Gemeinde, darunter Jonathan Greenblatt, CEO der Anti-Defamation League, und der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis, boykottieren diese wegen der Einladung mehrerer rechtsextremer Politiker.
Muzicant kritisiert israelische Regierung scharf: "Dolchstoß"
Ariel Muzicant, ehemaliger Präsident der israelitischen Kultusgemeinde in Wien und derzeit Interimspräsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, nannte die Einladung von Persönlichkeiten wie Bardella gegenüber der "Times of Israel" einen "Dolchstoß" in den Rücken der jüdischen Diaspora-Gemeinden, da sie Parteien mit tiefen ideologischen Wurzeln im Faschismus, Nationalsozialismus und Fremdenhass eine Art "Koscher-Siegel" verleihe. Chikli sprach indes von einer strategischen Entscheidung zur Bekämpfung von Antisemitismus, indem man mit jenen Parteien zusammenarbeite, die am lautesten gegen den radikalen Islam auftreten.
Erst am Sonntag hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu eine Delegation der EU-Fraktion der Patrioten, darunter FPÖ-Delegationsleiter Harald Vilimsky und Vertreter aus Spanien und Frankreich, empfangen. Die Israelitische Kultusgemeinde in Wien (IKG) äußerte sich auf APA-Anfrage kritisch zu dem Empfang durch Netanyahu und bekräftigte den "Cordon Sanitaire gegenüber den Freiheitlichen".