Günter Haider

Mr. PISA: "Ich stehe als Minister zur Verfügung"

Mr. PISA Günter Haider erklärt im Interview , dass er einer politischen Karriere nicht abgeneigt wäre.

ÖSTERREICH: Welche Reformen braucht das österreichische Bildungssystem am dringendsten?
Günter Haider: Alles was wir jetzt reformieren, muss auf die Verbesserung des Unterrichts abzielen. Ein großes Projekt dabei ist die Verkleinerung der Klassen-Schülerzahlen. Ziel ist es, die Klassengrößen in Schritten von 30 auf etwa 25 herabzusenken.

ÖSTERREICH: Ist das für alle Schultypen nötig?
Haider: Prinzipiell ja, aber jede Schule soll hier selbst über die konkrete Ausführung entscheiden können. Es macht keinen Sinn, dass ein Ministerium, weit weg in Wien, hier strenge Vorgaben macht.

ÖSTERREICH: Was muss im Bereich der Ganztagsschulen getan werden?
Haider: Sowohl die nachmittägliche Betreuung wie auch die Ganztagsschule müssen ausgebaut werden. Derzeit besteht nur für rund 10 Prozent der Schüler ein Angebot. Umfragen zeigen, dass der Bedarf aber bei 30 bis 40 Prozent – und in Städten sogar darüber – liegt.

ÖSTERREICH: Wie kann man die Aufstockung des Betreuungsangebotes finanzieren?
Haider: Hier geht es um notwendige Investitionen, indem wir das Angebot dem enorm gestiegenen Bedarf seitens der Eltern anpassen müssen. Es ist nicht nur eine pädagogische Chance, sondern auch eine soziale Verpflichtung, die der Staat einhalten muss, um Kinder zusätzlich zu fördern, sie beim Lernen zu unterstützen und ihnen kreative Freizeitgestaltung zu ermöglichen. Die Wirtschaft hat ebenfalls an diesen Betreuungsangeboten großes Interesse, weil dadurch vielen qualifizierten Frauen berufliche Chancen eröffnet werden - das ist bisher zu wenig beachtet worden.

ÖSTERREICH: Wie sehen Sie die Bilanz der scheidenden Ministerin Gehrer?
Haider: Ich war am Ende wirklich enttäuscht. Gehrer ist mit viel Schwung gestartet und hat viele Kommissionen eingesetzt. Aber umgesetzt wurde sehr wenig. Für mich war das überraschend. Denn Gehrer war eine Ministerin, die parteiintern eine wesentliche Rolle spielte. Enttäuschend war, dass jemand, der so großen Einfluss in seiner Partei hat, nicht mehr für den wichtigen Bildungsbereich herausholen konnte.

ÖSTERREICH: Möchten Sie Gehrer nachfolgen?
Haider: Wenn es tatsächlich zu einer großen Reform des Bildungssystems kommt, würde es mich freuen, wenn ich mich einbringen könnte.

ÖSTERREICH: Sie stehen also als Minister zur Verfügung?
Haider: Ja. Aber das steht im Augenblick noch nicht zur Debatte – es gibt natürlich eine Reihe von qualifizierten Leuten, die das anstreben. Es gibt im Schulbereich sehr viel zu tun, ich werde gerne einen Beitrag leisten.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten