Natascha Kampusch

U-Ausschuss gefordert

Neues Geld-Rätsel um Natascha

Die FPÖ fordert einen neuen U-Ausschuss zum Fall Natascha.

„Wir wollen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss über die offenen Fragen im Fall Priklopil“, kündigt FPÖ-Abgeordnete Dagmar Belakowitsch-Jenewein im ÖSTERREICH-Gespräch an. Denn auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ortet im Fall Kampusch einen veritablen Justiz-Skandal und fordert eine Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens. Strache attackierte die Staatsanwaltschaft heftig und präsentierte auch eine ganze Reihe von "stümperhaften" Ermittlungsfehlern. Unter anderem sollen wichtige Zeugen nicht befragt und DNA-Spuren nicht gesichert worden sein. Strache wittert dahinter eine "methodische" Vorgangsweise: "Der Fall stinkt an allen Ecken und Enden."

Einzeltäter-Theorie grundfalsch
In seinem Rundumschlag bezeichnete Strache die in den Entführungsfall eingebundenen Staatsanwälte als "unfähige Dilettanten", denen "Seilschaften" wichtiger seien als "Mut zur Aufklärung". So hält der FPÖ-Chef die Einzeltäter-Theorie für grundfalsch. Diesbezüglichen Aussagen einer "glaubwürdigen Tatzeugin", einem zwölfjährigen Mädchen, das zwei Männer im Entführungsauto gesehen haben will, habe man wenig bis keine Beachtung geschenkt.

Die FPÖ hat, laut Eigenangaben, neue Erkenntnisse, die tatsächlich bemerkenswerte Fragen aufwerfen könnten:

  • Für Strache ist es wahrscheinlich, dass Kampusch im Verlies des Hauses ihres Entführers Wolfgang Priklopil in Strasshof an der Nordbahn (NÖ) ein Kind zur Welt gebracht haben könnte. Es gebe "starke Indizien", wie etwa eine Haarlocke oder auch ein Buch über Säuglingspflege, die gefunden worden waren. "Was ist mit diesem Kind? Wenn es lebt, dann stellt sich die Frage: bei wem?", so Belakowitsch-Jenewein. Allerdings hätten im Garten Priklopils auch Leichenhunde angeschlagen. "Angeblich aber wegen modrigem Holz. Doch das ist gar nicht möglich. Diese Hunde können sogar Tier- von Menschenleichen unterscheiden."
  • "Unglaubliche Pannen", "Lügen" und "Vertuschungen" haben laut Strache dazu geführt, dass der Akt "viel zu früh" geschlossen worden ist. So hätte etwa Priklopils Freund Ernst H. zu einem Zeitpunkt seelenruhig Dinge aus dem Haus entfernen können, als bereits die Spurensicherung anwesend war. Als die Verhaftung von H. unmittelbar bevorstand, hätte dies eine Weisung im letzten Moment verhindert.
  • Strache erinnert außerdem an den Chefermittler im Fall Kampusch. Der im Juni 2010 freiwillig aus dem Leben geschiedene Kriminalist soll kurz vor der Klärung des Falles gestanden sein und diesen laut Strache "von den Dimensionen und Verstrickungen her mit dem Fall Lucona" verglichen haben.
  •  Im Haus von Kampusch-Entführer Wolfgang Priklopil habe man etwa einen Safe sichergestellt. Darin befanden sich (Bar-)Schecks und Belege für zwei Girokonten. Laut FPÖ habe Priklopil zudem über ein Wertpapierdepot verfügt.
  •  Ursprünglich habe es geheißen, dass Priklopil das Konto seiner Mutter benützt habe. Dieses könnte ein „Scheinkonto gewesen“ sein, vermutet Belakowitsch.
  •  Zudem habe Priklopil als „Ordnungsfanatiker“ gegolten. Im August 2006, als Kampusch flüchten konnte, habe aber „Chaos im Haus“ geherrscht. Neben Priklopils Schlafzimmer gab es „drei Zimmer mit Einzelbetten. Eines war benutzt und im Papierkorb fand man Taschentücher. Warum wurden keine DNA-Proben genommen?“, fragt nun die FPÖ.
  • Priklopil habe sich im April 1998 – einen Monat nach Kampuschs Entführung – einen neuen Pass ausstellen lassen. War „Kampusch in der ersten Zeit gar nicht bei ihm?“, fragt nun Belakowitsch-Jenewein.

Die FPÖ fordert deshalb die Wiederaufnahme der Ermittlungen, eine Sondersitzung im Parlament, einen runden Tisch, an dem alle Partei-und Klubchefs sitzen sollen sowie eine parlamentarische Befragung der Staatsanwälte "unter Wahrheitspflicht" (Strache). Der Fall wäre, so der FPÖ-Chef, in einem Unterausschuss "schlecht aufgehoben", dies käme "einem Politbegräbnis erster Klasse" gleich, weil dort "ja alles top secret" sei.

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