Ex-Generaldirektor

Paukenschlag: ORF feuert Ex-Chef Weißmann trotz "Freispruchs"

Sexuelle Belästigung im rechtlichen Sinn liegt nicht vor, Compliance- und ethische Standards wurden aber verletzt. Der ORF hat das Dienstverhältnis mit Roland Weißmann deshalb beendet. 

Die Affäre ORF-Weißmann geht in die nächste Runde. Der ORF hat am Donnerstag endgültig das Dienstverhältnis mit seinem einstigen Generaldirektor Roland Weißmann beendet. Weißmann war am 8. März von seinem Chef-Posten zurückgetreten, nachdem eine Mitarbeiterin Vorwürfe gegen ihn erhoben hatte, sein Dienstverhältnis als langjähriger ORF-Redakteur blieb aber aufrecht. Dieses Dienstverhältnis wurde jetzt aber aufgelöst.

Die von Weißmanns interimistischer Nachfolgerin Ingrid Thurnher angestoßene Untersuchung der ORF-Compliance-Stelle habe nun zwar ergeben, dass eine sexuelle Belästigung weder im straf- noch im zivilrechtlichen Sinn vorgelegen habe. Trotzdem wird Weißmann gefeuert, denn: Es gelte, jeden Anschein eines unangemessenen Verhaltens durch eine Führungskraft zu vermeiden. Daher werde das Angestelltendienstverhältnis aufgelöst - unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und kollektivvertraglichen Kündigungsfrist.

Chance auf Millionen-Abfertigung

Da Weißmann offenbar kein Rechtsverstoß nachgewiesen werden kann, hat er jetzt Chancen auf seine Abfertigung. Wie von oe24 bereits berichtet, soll es um rund drei Millionen Euro Abfindung gehen, quasi ein „Golden Handshake“.  

Stellvertreter Gregor Schütze, ORF-Chefin Ingrid Thurnher und Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer am Donnerstag, 12. März 2026, anl. einer Plenarsitzung des ORF-Stiftungsrats im ORF-Zentrum in Wien.  

Stellvertreter Gregor Schütze, ORF-Chefin Ingrid Thurnher und Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer am Donnerstag, 12. März 2026, anl. einer Plenarsitzung des ORF-Stiftungsrats im ORF-Zentrum in Wien.  

© APA/HELMUT FOHRINGER

Ohrfeige für Stiftungsratschefs

Fazit: Von der "sexuellen Belästigung", die die beiden Stiftungsrats-Chefs Heinz Lederer und Gregor Schütze als Weißmanns Rücktrittsgrund genannt hatten, blieb zumindest nach einer internen ORF-Untersuchung rechtlich nichts übrig - das kann man schon als Ohrfeige für die beiden Stiftungsräte sehen.

Auch Mitarbeiterin wurde befragt

Laut ORF sei auch jene Mitarbeiterin, die sich von Weißmann jahrelang bedrängt gefühlt hat, von der Compliance-Stelle befragt worden. Außerdem hätten beide Seiten Unterlagen vorgelegt, um ihren jeweiligen Standpunkt zu untermauern.

Thurnher dankte Weißmann zwar für "seinen Einsatz und seine langjährigen Leistungen für den ORF. Aber um das Vertrauen der Österreicherinnen und Österreicher in die Programme des ORF abzusichern, ist eine rasche und konsequente Aufarbeitung der offenen Compliance- und Governance-Themen von großer Bedeutung. Die ORF-Geschäftsführung wird dies gemeinsam mit den Expertinnen und Experten des Hauses sowie des ORF-Transparenz-Beirats zügig umsetzen."

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