"Emotionale Affäre"

ORF-Schlammschlacht: Jetzt kontert Roland Weißmann

Roland Weißmann weist über seinen Anwalt die Vorwürfe zurück.

Vergangenes Wochenende trat ORF-Generaldirektor Roland Weißmann wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung zurück. Über seinen Anwalt Oliver Scherbaum äußert sich der 57-Jährige nun zu den Vorwürfen und weist diese entschieden zurück.

Weißmann spricht von einer "emotionalen Affäre" mit der beteiligten Mitarbeiterin, die schon Ende 2019 und somit vor seiner Zeit als ORF-General begonnen habe. "Es kam in beidseitigem Interesse und Initiative zu gemeinsamen Essen, Laufausflügen, Besuchen zu Hause und immer wieder zu regem Austausch per Telefon und Chats", so Weißmann über seinen Anwalt. Dabei wurden auch "intime und höchstpersönliche Nachrichten ausgetauscht."

Romantisches Abendessen und Laufausflug

2022 sei es dann zu einem "romantischen Abendessen" und "einvernehmlichem physischen Kontakt" gekommen. Kurz danach zog sich die Mitarbeiterin wieder zurück, es sei aber noch 2023 zu privaten Besuchen und einem gemeinsamen Laufausflug gekommen.

Weißmann habe diese private Beziehung niemals mit seiner Stellung als Generaldirektor in Verbindung gebracht. "Die Tätigkeit der Mitarbeiterin beim ORF war während der gesamten Zeit niemals Thema zwischen ihr und ihm. Es gab auch niemals irgendeine Form der Druckausübung oder eines Machtmissbrauchs", so Weißmann-Anwalt Scherbaum.

Weißmann spricht weiter von einem erzwungenen Rücktritt und unklaren Motivlagen innerhalb des ORF.  Das Stiftungsratspräsidium habe Druck auf ihn ausgeübt, den ORF-Chefposten abzugeben - egal, ob die Vorwürfe zutreffend seien oder nicht - und den ORF mit einer Veröffentlichung der unbewiesenen Vorwürfe "ins Chaos gestürzt" sowie Weißmann "massiver Rufschädigung ausgesetzt", meint der Anwalt. ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer hat wiederholt zurückgewiesen, dass Weißmann zum Rücktritt gedrängt worden sei. Weißmann sei lediglich dazu angehalten worden, möglichst rasch "die Fakten zu klären" - also die Echtheit der Chats, Bilder und Co. zu überprüfen. Daraufhin habe er mit etwas zeitlichem Abstand seinen Rücktritt erklärt.

Weißmanns Anwalt bestätigt in der Aussendung die bereits kolportierten Forderungen der Frau: den Rücktritt von Weißmann als Generaldirektor, einen Verzicht auf eine weitere Kandidatur, eine Geldspende an eine karitative Organisation und die Übernahme des Rechtsanwaltshonorars. Dabei sei eine Frist für ursprünglich 10. März und später 9. März gesetzt worden. Die Drohung habe gelautet, ansonsten den Journalismus, das Unternehmen oder die Öffentlichkeit in die Causa einzubeziehen. 

Pensionsansprüche Strobls "nicht zu Recht"

Auch zu den Streitigkeiten rund um den Pensionsvertrag eines hochrangigen ORF-Managers, der ein "besonderes Naheverhältnis" zur betroffenen Frau pflegen solle - gemeint ist wohl Pius Strobl, der sich schon selbst in der Angelegenheit äußerte -, geht Weißmanns Anwalt in der Aussendung ein: Die vom ORF-Manager für sich reklamierten Ansprüche aus Pensionszusagen seien Weißmann Ende 2021 erstmals mitgeteilt worden. "Da hierzu im ORF bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Dokumentation vorgelegen war, hat Mag. Weißmann eine externe rechtliche Überprüfung beauftragt. Diese Prüfung kam zu dem eindeutigen Ergebnis, dass die Ansprüche nicht zu Recht bestünden", heißt es. Das sei dem Manager auch "unmissverständlich" mitgeteilt worden.

Strobl hat am Donnerstag dem "Standard" bestätigt, dass Weißmann eine ihm vom früheren ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zugesicherte Pensionsregelung nicht umsetzten wollte. Er müsse sie nach seinem ORF-Abschied Ende 2026 einklagen, so Strobl. Die Weißmann angelasteten Vorkommnisse würden in keinem Zusammenhang mit Strobls beruflicher Tätigkeit stehen, hielt er fest und dementierte, die Frau zur Erhebung der Vorwürfe motiviert zu haben.

Weißmann sei an der Spitze des ORF immer bemüht gewesen, gemeldete Fälle von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung aufzuklären und abzustellen, betont dessen Anwalt. Die ihm während seiner Amtszeit mitgeteilten Fälle hätten alle aus der Zeit vor seiner Tätigkeit als ORF-Chef gerührt und seien korrekt aufgearbeitet worden.

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