Nach Talk mit Ludwig

Darum gibt Kern gegen Babler auf

Weshalb Kern trotz Mehrheit in der Partei heute seine Kandidatur für den SPÖ-Vorsitz aufgab.

"Ich habe kein Interesse an einer fortgesetzten Führungsdiskussion in der SPÖ und werde auch am Parteitag nicht kandidieren", ließ Christian Kern am Mittwochnachmittag die SPÖ-Funktionäre schriftlich wissen.

Kern: "Kein Interesse an Kandidatur"

SPÖ-Insider und Kern-Kenner hatten bereits nach dem Treffen von Christian Kern mit Wiens Michael Ludwig und Doris Bures sowie Kärntens SPÖ-Chef Daniel Fellner darauf getippt, dass der Ex-SPÖ-Chef nicht gegen Andreas Babler antreten werde.

Der Hintergrund – wie von oe24 im Politik-Insider wiederholt berichtet: Kern wollte die Unterstützung von Ludwig. Dieser blieb aber auch am Dienstag bei seiner Haltung: Er werde ihn nicht verhindern, aber auch nicht unterstützen. Er schätze ihn in der Privatwirtschaft. Dass Unterstützer von Kern das Treffen im Rathaus noch während es im Gang war, lancierten, dürfte keinen der Anwesenden erfreut haben. 

Kern hätte Mehrheit gehabt, aber... 

De facto hätte Kern freilich eine Mehrheit am Parteitag am 7. März gehabt, sind sich selbst seine größten Gegner in der SPÖ sicher: Neben weiten Teilen Niederösterreichs, Burgenland, Steiermark, Salzburg war auch Kärnten sowie größere Teile Oberösterreichs für Kern. Die Gewerkschaft – sie wollte, dass er die Karten auf den Tisch legt – hätte ihn wohl ebenso unterstützt. Und selbst in den Wiener Flächenbezirken hätte so mancher Babler-Kritiker Kern gewählt. Der Rückzug von Kern weil "wir ihm nicht den roten Teppich ausgelegt haben", bestärkt die Kritiker des Ex-Kanzlers in der SPÖ jetzt freilich. "Dann ist er nicht für die Spitzenpolitik geeignet", sagt etwa ein Gewerkschafter.

In seinem Schreiben an die Roten stellt Kern es nun freilich so dar, als sei es eine mediale Darstellung gewesen, dass er antreten wollte. Bei seinem Treffen im Wiener Rathaus hatte er seine Bereitschaft zu kandidieren freilich bekundet. Etwas, das SPÖ-Vorsitzender Andreas Babler selbst nur aus den Medien erfahren hatte. Der rote Vizekanzler hofft jetzt auf die "Disziplin" der Roten beim SPÖ-Parteitag.  

Von der grundsätzlichen Stimmung innerhalb der Roten müsste Babler beim SPÖ-Parteitag am 7. März freilich ein extremes Streichkonzert blühen. "Vielleicht auch nicht. Aber alle in der SPÖ sind sich einig, dass er nicht der nächste Spitzenkandidat sein sollte", sagen einige Rote. Mit dem verpfuschten „Putsch“ gegen Babler und Kerns Rückzug ist freilich die Befürchtung von Bablers Gegnern wahrscheinlicher geworden: dass er jetzt bis zur Wahl 2029 bleiben könne …

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