Erst gegen 16.30 Uhr trat am Mittwoch Karin Wurm in den U-Ausschuss. Die hielt sich nicht lange mit Freundlichkeiten auf.
Wien. Der gesamte Ausschusstag am Mittwoch war Anna P. gewidmet gewesen: Die frühere Mitarbeiterin von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka war die wohl letzte Person gewesen, die Christian Pilnacek im Oktober 2023 gesehen und gesprochen hatte - bevor der Justizsektionschef in der Früh in einem Donau-Seitenarm nahe Rossatz (NÖ) tot aufgefunden wurde.
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Erst am späten Mittwochnachmittag war dann Karin Wurm zur Befragung geladen - und die hielt sich vor den Abgeordneten nicht lange mit Höflichkeiten auf. Wurm - die delikaterweise Pilz-Anwalt Volkert Sackmann als Vertrauensperson mit dabei hatte - attackierte den ÖVP-Fraktionsführer im U-Ausschuss, Andreas Hanger, frontal. Ja, sie habe Anzeige gegen die ermittelnden Polizisten erstattet, gab Wurm zu und sagte dann in Richtung Hanger: "Das ist doch lächerlich, Sie müssen sich hier nicht vor den Polizisten stellen und den Helden spielen."
Hanger rief die Verfahrensrichterin zu Hilfe, das verlief aber im Sand. Der ÖVP-Mann hatte in den letzten Tagen schon für Aufsehen gesorgt, weil er Wurm indirekt mit einer Schadenersatzklage durch die Finanzprokuratur gedroht hatte. Was bei Wurm nicht gut angekommen war.
Wurm schilderte dann, dass sie Pilnaceks Handy der Polizei "in einem Gefrierbeutel" übergeben habe.
Täglich mit Kurz in Kontakt - es gab auch Treffen
Und auch die Vorbereitungen von Sebastian Kurz für seinen Falschaussage-Prozess kamen zur Sprache. Wurm sagte aus, dass Pilnacek mit Kurz geradezu täglich Kontakt gehabt habe. Es gab auch Treffen mit Kurz, bestätigte Wurm, die mit dem damaligen Sektionschef in dem Haus im niederösterreichischen Rossatz - "unserem Kleinod" - zusammengewohnt hatte. Dabei sei es wohl um Beratung des damals wegen Falschaussage im U-Ausschuss Angeklagten vor der Gerichtsverhandlung gegangen, vermutet sie.