Politik-Insider

Die Akte ORF: Belästigung, Intrigen & Anzeigen

Jetzt schlägt Weißmann gegen die Frau zurück, die ihn beschuldigt. Sie könnte jetzt Fotos veröffentlichen. 

"Desaströs", nennt selbst die neue interimistische ORF-Generaldirektorin das Bild, das der ORF seit Tagen abgibt. "Desaströs", könnte es auch noch eine Zeit lang bleiben. Und auf Ingrid Thurnher kommt nach dem unfreiwilligen Rücktritt von Roland Weißmann als Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Rundfunks tatsächlich eine "Herkulesaufgabe" (Copyright: Thurnher) zu. 

Rivalisierende ORF_Männer-Cliquen 

Die Akte ORF liest sich schließlich wie eine Telenovela aus den 1990er Jahren: Rivalisierende Männer-Cliquen, machoide Verhaltensweisen, nicht Jugendfreie Fotos, sexuelle Belästigungen und Vorwürfe derselben, Indiskretionen, Intrigen, Fehden, Mobbing und sehr viele politische Verstrickungen und explosiv hohe Geldsummen und Sonderverträge. 

Der Start der jüngsten Staffel der ORF-Telenovela begann bereits 2022. Damals soll der zu diesem Zeitpunkt erst frisch gewählte ORF-Chef Roland Weißmann einer rund zwanzig Jahre jüngeren Mitarbeiterin unangemessene Nachrichten, Fotos und Worte übermittelt haben, sagt sie. Er dementiert die Vorwürfe. Der Anwalt der ORF-Angestellten legte das Material allerdings Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer und dessen Stellvertreter Gregor Schütze vor. Diese stellten Weißmann ein Ultimatum, der dann drei Tage später zurücktrat. Laut einem seiner Anwälte nicht freiwillig. 

Die Sicht des ORF-Opfers

In der ORF-Stiftungsratssitzung am Donnerstag wurden dann die Sicht der jungen Frau dargestellt – via Brief und teilweise durch Schilderung was sich in den Chats und auf den Fotos befunden habe. Sie schilderte – oe24 berichtete -, dass sie nicht früher über die Vorwürfe geredet hatte, weil sie "Angst gehabt" hatte, weil in vergleichbarer Fällen Frauen im ORF vermeintlich oder tatsächlich ihre Jobs verloren hatten nachdem sie die Vorwürfe gemeldet hatten. Sie habe den Rücktritt von Weißmann gefordert, damit so etwas "nie wieder" passieren könne. 

Nach der Sitzung meinte auch FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler, dass der Rücktritt Weißmanns nötig gewesen sei. Auch wenn er durchaus auch Intrigen wittert (siehe auch Story über Pius Strobl).  

Weißmann ging wiederum erst nach dem Stiftungsrat – er wird mittlerweile von drei Anwälten vertreten – via Aussendung an die Öffentlichkeit um der Frau zu kontern. Er behauptet er habe eine "emotionale Affäre" mit der Frau gehabt und schildert öffentlich "freundschaftliche Laufrunden" und angebliche "romantische Abendessen". Er gibt aber zu, dass sich das Verhältnis 2021 stark abgekühlt habe. Meint aber, er habe das akzeptiert.

Zeigt Weißmann junge Frau und Strobl jetzt an? 

Laut oe24 Informationen überlegte das Lager von Weißmann „Strafanzeigen“ gegen Stiftungsratschef Lederer, ORF-Manager Pius Strobl und die Frau, die die Vorwürfe erhoben hatte. Offenbar wurde das aber noch mit den neuen Anwälten beraten.

Zeitgleich dürfte auch die ORF-Mitarbeiterin mit ihrem Anwalt beraten haben, ob sie nach der öffentlichen "Darstellung" von Weißmann ihres angeblichen Verhältnissen jetzt auch offensiver an die Öffentlichkeit gehen solle. Respektive, ob genauer geschildert werden solle, was dem Stiftungsrat vorgelegt wurde.Fortsetzung folgt.

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