In Gumpoldskirchen will Babler bei Klausur die Loyalitätsfrage stellen. Und Kern endgültig ausbremsen
Das Hotel „Turmhof“ liegt nur knapp fünf Kilometer von Andreas Bablers Heimatort Traiskirchen entfernt. Inmitten von Weinbergen in Gumpoldskirchen trifft sich – wie in dieser Kolumne angekündigt – das erweiterte SPÖ-Präsidium am Samstag zu einer Klausur. So weit, so ungewöhnlich.
- Mit Kern hätte die Regierung Chance auf Neustart
- Ludwig zu SPÖ-Machtkampf: "Doskozil ist für Babler verantwortlich"
Wäre da nicht das kleine Fakt, dass sehr viele Rote seit geraumer Zeit die Messer gegen den „Gastgeber“, SPÖ-Vorsitzenden Babler, wetzen. Kommt es an diesem Samstag, den 10. Jänner also zur großen Abrechnung?
Babler will bei Mittagessen „Loyalität“ einfordern
Wohl kaum. Bis zu 30 Präsidiumsmitglieder werden erwartet. Fix dabei laut oe24-Recherchen sind Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, ÖGB-Boss Wolfgang Katzian, Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner, Finanzminister Markus Marterbauer, Seniorenchefin Gerstorfer, SJ-Chefin Larissa Zivkovic und Co. Von all denen hat Babler keinen Aufstand zu erwarten. Im Gegenteil. Just Marterbauer – der neben Christian Kern als möglicher Nachfolger von Babler gilt – könnte dort „Solidaritätsadressen für Andi abgeben“, glauben mehrere Präsidiumsmitglieder.
Babler selbst könnte dort – die Präsidiumsklausur startet um 11.30 mit einem gemeinsamen Mittagessen und geht ab 12.30 mit „Inhalten“ formal los – selbst für klare Verhältnisse sorgen wollen. Immerhin dürfte ihm nicht entgangen sein, dass Ex-Kanzler Christian Kern derzeit vor allem von der Wiener SPÖ an einem Comeback gehindert werde.
Daher erwartet ein Babler-Kenner, dass der einstige Traiskirchner Bürgermeister – er hatte ja auch Kern im Dezember angerufen und nach dessen Ambitionen gefragt – im Präsidium fragen könnte, ob „es nun den Wunsch nach weiteren Kandidaten für den Parteitag geben würde“. Diese müssten dann bei einem bereits avisierten SPÖ-Parteivorstand am 14. Februar nominiert werden. Aber: „Ich denke nicht, dass sich da irgendwer melden wird“, sagen mehrere Rote zu oe24.
Ludwig warnt vor Streichorgien
Kern würde es nur „machen wenn man ihn bittet und die Wiener SPÖ das unterstützt“, sagen Kern-Vertraute. Wiens Ludwig hat bereits klargestellt, dass er beim SPÖ-Parteitag am 7. März „Babler wählen werde“. Im oe24.TV-Interview warnt Ludwig zudem vor großen Streichorgien am SPÖ-Parteitag am 7. März gegen Babler. Verantwortlich dafür, dass er bliebe, fühle er sich aber nicht. „Für Babler ist Doskozil verantwortlich“, sagt Ludwig mit sanfter Ironie.
Damit gebe es keine Alternative und Babler „werde ziemlich sicher der einzige Kandidat bleiben, auch wenn eine Mehrheit ihn nicht mehr“ wolle.
Burgenlands Hans Peter Doskozil und sein steirischer Unterstützer Max Lercher werden übrigens nicht zur SPÖ-Präsidiumsklausur – zu dieser sind alle Landesobleute eingeladen – reisen. Lercher gilt als Unterstützer von Kern, während sich Doskozil – so zumindest die rote Erzählung – wünsche, dass „Babler möglichst lang bleibt, weil die SPÖ dann so runterkrachen wird, dass am Ende alle sehen, dass er – Doskozil – der bessere SPÖ-Chef“ gewesen wäre. Wie auch immer.
Bures an Babler: „Loyalität nicht Einbahnstraße“
Doch warum traut sich keiner von den SPÖ-Kritikern von Babler es ihm offen ins Gesicht zu sagen? Es könnte sein, dass Nationalratspräsidentin Doris Bures – sie will auch am Präsidium teilnehmen– in der Sitzung oder zumindest beim für 18 Uhr angesetzten Abendessen des roten Präsidiums Babler erneut sage: „Loyalität ist keine Einbahnstraße“. Das habe die langjährige Rote Babler bereits mehrmals gesagt, als dieser in der Vergangenheit „Loyalität“ eingemahnt hatte. Ob die Babler-Gegner vor dem SPÖ-Vorstand am 14. Februar noch einmal eine Volte versuchen?