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Kanzlerfrage: Babler von Meinl überholt - Kickl klar voran

Die aktuelle oe24-Kanzlerfrage stellt alles auf den Kopf: Der Amtsinhaber ist nur Nummer 2 - der Vizekanzler wird von der Chefin einer Kleinpartei überholt.

Die Kanzlerfrage, die die Lazarsfeld Gesellschaft jede Woche für oe24 erhebt, ist fiktiv - in Österreich wird der Bundeskanzler ja nicht gewählt -, sondern vom Bundespräsidenten ernannt. Und trotzdem ist diese Umfrage nicht sinnlos - sie zeigt vielmehr perfekt, welche Zugkraft die jeweiligen Parteiobleute derzeit haben (1.000 Befragte vom 18. bis 19. Mai).#

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Nun, um seine Zugkraft braucht sich Herbert Kickl derzeit keine Gedanken zu machen. Unbelastet von jeder Verantwortung kann der FPÖ-Chef auch jede Maßnahme der Regierung - Kickl nennt sie beharrlich "Verlierer-Ampel" - in Grund und Boden verdammen und den Wählerinnen und Wählern das Blaue vom Himmel versprechen. Das funktioniert prächtig: Kickl führt die Kanzlerfrage mindestens so souverän an wie seine Partei die Sonntagsfrage. 35 % würden den Kärntner direkt ins Kanzleramt wählen.

Es ist kaum zu glauben, aber der amtierende Regierungschef schafft nicht einmal die Hälfte des Kickl-Wertes. Christian Stocker (ÖVP) ist allenfalls vorzuwerfen, dass er die Regierung zu ruhig führt - die Wähler interessiert das wenig. Sparkurs, Inflation und (mehr oder weniger unverschuldete) Dauerkrisen sorgen dafür, dass ihn nur 13 % wählen würden. Blamabel für einen Regierungschef.

SPÖ muss sich Babler-Frage stellen 

Noch schlechter geht’s allerdings SPÖ-Chef Andreas Babler. Wer geglaubt hat, dass ein Ergebnis jenseits der 80 % beim Parteitag und einige lautstark getrommelte "Erfolge" wie Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel oder Spritpreisbremse das Image des Traiskirchners aufpolieren, hat sich geirrt. Aktuell wird der SPÖ-Chef sogar von NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger überholt: Babler - seine SPÖ hatte bei der letzten Wahl beinahe dreimal so viele Stimmen wie die NEOS - würden nur noch 7 % direkt ins Kanzleramt wählen, im Fall von Meinl sind es immerhin 8 % - was in etwa der Stärke ihrer Partei entspricht. Schlechter als Babler ist nur noch Grünen-Chefin Leonore Gewessler mit 6 %.

Die SPÖ wird sich also überlegen müssen, ob sie mit Babler noch einmal eine Wahl schlagen kann - derzeit deutet in diesem Fall alles auf einen roten Totalabsturz hin.

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Wen die Werte der Ampel-Partei-Chefs wundern - immerhin ziehen die drei das größte Budgetsanierungsprogramm der Geschichte durch -, dem sei ein Blick auf die Zufriedenheitsfrage der Lazarsfeld Gesellschaft zurück. Aktuell sind nur noch 21 % mit der Regierung zufrieden - gleich 52 % hingegen nicht. 37 % sehen die Arbeit der Ampel sogar als "sehr schlecht" an.

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