Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP, vormals Plakolm) will sich für mehr Kinderfreundlichkeit und ein positives Bild vom Elternsein einsetzen.
"Es braucht in der Gesellschaft ein Umdenken", sagte sie am Mittwoch bei einem "familienpolitischen Gespräch". Mit den anwesenden Expertinnen und Experten diskutierte die Ministerin über Erwartungen, Realitäten und politische Rahmenbedingungen. Sie möchte jungen Menschen "Mut machen", sich für Kinder zu entscheiden, so Bauer.
Der Termin aus einer Veranstaltungsreihe des Bundeskanzleramts fand in einem Café in der Wiener Innenstadt statt. Thema des Nachmittags war "Gute Eltern, schlechte Eltern? - Warum Perfektion Kinder verhindert". Eine Ende Dezember veröffentlichte Studie hatte gezeigt, dass die Zahl der Geburten in Österreich weiter abgenommen hat. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau sank auf 1,31.
Kinderkriegen als "Kopfsache"
"Es beginnt damit, dass wir ein realistisches Bild schaffen", sagte Bauer. Die Familienplanung dürfe sich nicht nur mit möglichen Herausforderungen und Problemen beschäftigen. Stattdessen solle mehr darüber geredet werden, dass Kinderkriegen etwas "Schönes, Sinnvolles, Wertvolles" ist. Mehr denn je sei es heute eine bewusste Entscheidung bzw. eine "totale Kopfsache geworden", ob Menschen Kinder wollen. Sie wünsche sich, dass es wieder mehr "Bauchentscheidungen" gebe, so die Familienministerin.
Hohe Erwartungen an werdende Eltern könnten abschrecken, so Bauer. Das klassische Bild einer Familie würde heute nicht mehr immer zutreffen. Es sei Realität, dass man Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Wahlfreiheit voranstellen müsse. Für die Politik sei wichtig, "dass wir niemals bewerten", es gehe darum, gute Rahmenbedingungen bereitzustellen.
Soziale Erwartungen bleiben lange bestehen
Eva-Maria Schmidt vom Österreichischen Institut für Familienforschung betonte, Kinder würden zunehmend als zeit- und ressourcenintensiv bewertet. Andererseits: "Noch nie haben Kinder so viel Zeit mit ihren Eltern verbringen können wie heute." Erwartungen zeigten sich vor allem auch in den Köpfen potenzieller Eltern, soziale Normen blieben oft lange bestehen. So gebe es weiterhin unterschiedliche Ansprüche an Mütter und Väter, langsam allerdings Überlagerungen.
Männer würden sich oft erst dann für Kinder entscheiden, "wenn alles passt", sagte Erich Lehner, Psychoanalytiker und Obmann von DMÖ - Dachverband für Männer-, Burschen-, und Väterarbeit. Das könne auch sehr spät sein, vorher würden viele nicht daran denken. Die Zugewandtheit von Vätern zu ihren Kindern sei stark gestiegen, aber: "Die Verfügbarkeit endet bei beruflicher Verfügbarkeit." Dementsprechend müsse man in der Arbeitswelt ansetzen.
Die Geschäftsführerin der St. Elisabeth-Stiftung, Nicole Meissner, rief die Einelternhaushalte in Erinnerung. Bei ihnen gebe es multiple Problemlagen: "Alle Last trägt ein einzelner Mensch." Die Frage nach Aufteilung stelle sich hier nicht. Sie appellierte daran, sich Hilfe zu suchen, wenn sie gebraucht wird.