Sex-Attacken: Abgeordnete klagen an

#metoo: Sexismus im Parlament

Sex-Attacken: Abgeordnete klagen an

Im Gespräch: Ex-ÖVP-Frauenministerin Rauch-Kallat

„Endlich wird über dieses Tabuthema gesprochen“, sagt die frühere ÖVP-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat zur aktuellen #metoo-Bewegung. Unter diesem Hashtag posten ­Frauen seit Wochen ihre teils schockierenden Erlebnisse mit sexueller Belästigung.

»Natürlich hat mich das
Überwindung gekostet«

Jetzt hat die Bewegung auch das österreichische Parlament erreicht. In ÖSTERREICH erzählen Abgeordnete offen, was ihnen im Hohen Haus widerfahren ist.

Rauch-Kallat wurde mehrmals sexuell belästigt. Als junge Abgeordnete hatte ihr ein viel älterer ÖVP-Kollege mehrmals an die Brust gefasst – bis sie sich gewehrt hat. „Natürlich hat mich das Überwindung gekostet“, schildert sie im Interview. Rauch-Kallat hatte ihren „Parteifreund“ laut aufgefordert, die Hände von ihrem ­Busen zu nehmen. Daraufhin wurde sie sogar noch beim Parteichef angeschwärzt.

Die Ex-SPÖ-Mandatarin Elisabeth Hakel erzählt im ORF, dass ihr „unter das Dirndl gegriffen“ wurde, als sie in ihrem Wahlkreis in der Steiermark unterwegs war. Dort war für viele interessanter, dass Hakel möglichst freizügig gekleidet war, als ihre Reden.

„In den Mund und fest daran lutschen“, wurde die Grüne Terezija Stoisits 1993 aufgefordert, als ihr Mikrofon nicht funktionierte. „Schockierend war, dass sich niemand im Raum empört hat“, sagt Stoisits heute zu ÖSTERREICH. Nur der damalige Nationalratspräsident Heinz Fischer habe sich bei ihr entschuldigt.

Rauch-Kallat rät allen Betroffenen: „Wehrt euch, seid laut, macht darauf aufmerksam.“ Dann ändere sich auch endlich etwas.

Ex-ÖVP-Frauenministerin Rauch-Kallat: »Ich rief: Nimm sofort die Hand von meinem Busen«

ÖSTERREICH: Wie erklären Sie sich das lange Schweigen über das Thema?

Rauch-Kallat: Die Betroffenen haben aus Scham ­geschwiegen, für die es ­keinen Grund gibt. Es ist natürlich unangenehm zu sagen: „Mit hat jemand auf den Busen gegriffen.“ Endlich wird jetzt über dieses Tabuthema gesprochen.

ÖSTERREICH: Sie haben genau diese Erfahrung gemacht …

Rauch-Kallat: Mir hat als junge Abgeordnete ein älterer Kollege aus meiner Partei mehrmals an den Busen gegriffen. Beim ersten Mal war ich starr vor Schreck, beim zweiten Mal habe ich noch immer nichts gesagt, aber beim dritten Mal habe ich lächelnd, aber laut und deutlich gerufen: „Nimm deine Hand von meinem Busen.“

ÖSTERREICH: War das schwierig für Sie?

Rauch-Kallat: Das hat mich natürlich Überwindung gekostet. Er war auch furchtbar böse auf mich. Er hat sich dann auch beim Parteiobmann über mich beschwert: „Die Kollegin behauptet ich greif ihr auf den Busen.“ Ich war Gott sei Dank dabei und habe gesagt: „Ja mein Lieber, weil du es getan hast.“ Damit war die Sache erledigt. Er hat’s dann bei mir auch nie wieder probiert. Bei vielen anderen bedauerlicherweise schon.     



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