oe24 hat erste Prognose
ORF-Deal: Grüne stimmen für Weißmann und erhalten 2 Direktoren
Wien. „Es telefoniert und trifft sich jetzt noch jeder mit Stiftungsräten“, erzählen ORF-Insider. Tatsächlich kämpften die Kandidaten für den ORF-Chefjob gestern noch um jede Stiftungsratsstimme. Am Dienstag entscheidet das 35-köpfige politisch besetzte Gremium darüber, wer neuer ORF-Generaldirektor/Direktorin wird.
Wie oe24 erfuhr, hat die Koalition einen türkis-grünen ORF-Deal fixiert: Die Grünen Stimmen für Weissmann und erhalten im Gegenzug für die Wahl von Weißmann zwei von vier ORF-Direktoren - Programm und Finanzen - auf ihre Fahnen heften. Sie plädieren dabei für unabhängige und erfolgreiche ORF-Persönlichkeiten, die bereits gezeigt haben, dass sie Sender kompetent führen können, wie aus dem Stiftungsrat zu hören war. Entsprechende Chancen werden etwa Ö3-Chef Georg Spatt und ORF III-Geschäftsführerin Eva Schindlauer eingeräumt.
Die Wahl-Prognose
- L. Totzauer: 2-5 Stimmen, 2 ÖVP, 2 FPÖ, 1 Betriebsrätin
- R.Weißmann: 19-24 Stimmen, 16-18 ÖVP, 1-3 Grüne, 1-2 FPÖ, 2 Betriebsräte
- A. Wrabetz: 5-10 Stimmen, 5 SPÖ (inkl. Betriebsräte), 1 Neos, 1 Stimme aus Kärnten, 1-2 Grüne, evtl. 1 unabhämgiger Betriebsrat
- T. Prantner: 0-1 Stimme, FPÖ
Eindeutiger Favorit war – Stand gestern Abend – ORF-Finanz-Vizedirektor Roland Weißmann. Der 53-Jährige genießt das Vertrauen der Türkisen. 16 offen deklarierte ÖVP-Stiftungsräte entscheiden am Dienstag mit. Zwei unabhängige haben dazu eindeutige Nähe zur Kanzlerpartei. Ergibt 18 Stimmen und die Mehrheit. Dazu dürften noch zwei Betriebsratsstimmen kommen. Diese Stimmen dürfte Weißmann laut ÖSTERREICH-Recherchen mit ziemlicher Sicherheit haben.
Aber: ORF-1-Senderchefin Lisa Totzauer – sie kandidiert auch für den Top-Job und gilt als Bürgerliche – versuchte gestern noch ÖVPler für sich zu gewinnen. Zwei bis vier Stiftungsräte könne sie „drehen“, kolportieren zumindest ihre Unterstützer. Eigentlich hätte Totzauer jedenfalls die Stimmen der vier FPÖ-Stiftungsräte erhalten sollen. FPÖ-Chef Herbert Kickl versuchte die Seinen auf diese Linie einzuschwören.
FPÖ-Stiftungsräte sind völlig gespalten
ORF-Vize-Technik-Chef Thomas Prantner hätte gestern auf seine Kandidatur verzichten sollen und Totzauer empfehlen sollen. Aber: FPÖ-Stiftungsratsvorsitzender Norbert Steger weigerte sich mitzugehen. Er will Weißmann unterstützen. Das dürfte auch für den blauen Stiftungsrat Georg Watschinger aus Oberösterreich gelten. Die zwei anderen blauen Stiftungsrätinnen dürften eher zu Totzauer oder Prantner tendieren. Kickl gab die Abstimmung gestern frei.
Grüne Stiftungsräte mit geschlossenem Votum
Koalition. Die drei grünen Stiftungsräte – immerhin regiert Türkis-Grün – dürften geschlossen abstimmen. Zumindest zu Redaktionsschluss deutete alles darauf hin, dass Lothar Lockl und seine Kolleginnen im Stiftungsrat für Weißmann stimmen.
Der amtierende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz kämpfte gestern allerdings noch um die grünen Stimmen. Und versuchte auch noch Blaue zu gewinnen. Er erhält jedenfalls die fünf Stimmen der SPÖ samt Betriebsräte und könnte Unterstützung der Neos erhalten, außer Anita Zielina entscheidet sich doch noch für Totzauer.
Sollten alle türkisen Stimmen halten, wäre die Wahl am Dienstag im ersten Wahlgang per offener Abstimmung beschlossen. Wrabetz und Totzauer hoffen hingegen auf einen zweiten Wahlgang.
Sollte Weißmann mit den Stimmen von ÖVP und Grünen gewählt werden, würde das wohl Frieden in der Koalition bedeuten. Andernfalls wäre wohl Feuer am Dach. Eine Spaltung der blauen Stimmen könnte in der FPÖ hingegen beträchtlichen Wirbel auslösen. Weil das Einstimmen in die Kritik der SPÖ – Stichwort „Türkisfärbung“ – damit etwas schwer würde …
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