Nach Eklat: Frank greift ORF an

Wildes Duell mit Wolf

Nach Eklat: Frank greift ORF an

Neo-Politiker Frank Stronach sorgte mit seinem ZiB2-Auftritt für Aufsehen.

Er brüllte, ging nicht richtig auf Fragen ein und wollte sein Manuskript einfach vorlesen. Ex-Magna-Boss und Neo-Politiker Frank Stronach leistete sich Donnerstagabend im ZiB 2-Studio einen Auftritt mit Seltenheitswert – vor mehr als einer halben Million Live-Zusehern.

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Gleich zu Beginn eskalierte das Interview. Wolf stellte eine Frage zu Magnas Gegengeschäften, Stronach wollte seine U-Ausschuss-Protokolle vorlesen – das ließ Wolf nicht zu. „Der ORF hat die Vereinbarung nicht eingehalten“, ärgert sich Stronach.

Wolf: „Natürlich haben wir das nicht vereinbart, auch nicht mit Herrn Stronach. Er war vor und nach dem Interview durchaus freundlich, aber während des Interviews offenbar sehr irritiert, dass er sein Protokoll nicht vorlesen durfte.“

Der Wortlaut des Schrei-Duells 1/69
Armin Wolf: Herr Stronach, ich möchte mit einer ganz simplen Frage beginnen, damit wiruns auskennen: Hat der Magna-Konzern in Zusammenhang mit der Eurofighter-Beschaffungirgendwelche Gegengeschäfte gemacht?Frank Stronach: Ich möchte das einmal vorlesen, was ich im Ausschuss gesagt habe. Das wurde recorded. 

13 Minuten Duell, Wolf sagte 58-mal „Herr Stronach“
Mehr als 13 Minuten lang zog sich das verbale Hickhack. Wolf sagte 58-mal „Herr Stronach“, um den Studiogast zu beruhigen, drohte sogar, das Interview abzubrechen. Stronach attackierte den Moderator frontal: „Von der Wirtschaft verstehst du nichts …“

„Es hat mich jedenfalls noch nie ein Studiogast zehn Minuten am Stück angebrüllt“, sagt Wolf. Die Zuseher fanden das Rededuell jedenfalls spannend: 562.000 sahen zu, eine Quote klar über dem Durchschnitt. Und: Der Marktanteil lag bei 27 %.

Für Politologe Peter Filzmaier habe die Showeinlage Stronach allerdings nicht geschadet: „Natürlich ist der Auftritt für die Mehrheit bizarr und lächerlich. Aber jene, die ihn wählen, glauben ihm jede Verschwörungstheorie.“
Ähnlich sieht das Politologe Thomas Hofer: „Eine solche Wutrede hilft bei all jenen, die generell das System satthaben – das sind nicht wenige. Aber: Bei seinen Fans muss ihm das nicht schaden. Stronach wandelt auf Jörg Haiders Spuren: Er verbreitet Verschwörungstheorien.“

Diashow: Alle Fotos: So war Stronachs Auftritt in der ZiB

Stronach: "Der ORF wollte die Wahrheit nicht hören"

ÖSTERREICH: Wie haben Sie Ihren ORF-Auftritt selbst erlebt?
Frank Stronach: Ich bin enttäuscht, weil der ORF die Vereinbarung nicht eingehalten hat. Ich bin nur unter der Voraussetzung hingegangen, dass ich eingangs über die Frage der Eurofighter vier Minuten eine Erklärung abgeben darf. Armin Wolf wollte mich nicht sprechen lassen. Schade.
ÖSTERREICH: Fühlen Sie sich ausgetrickst?
Stronach: Das ist keine Frage von Austricksen. Man sollte konstruktiv sein. Es ist nur fair, dass die Zuseher die Wahrheit vermittelt bekommen. Das wollte Armin Wolf offenbar verhindern.
ÖSTERREICH: Haben Sie sich von Herrn Wolf provoziert gefühlt?
Stronach: Ein Wolf kann mich nie provozieren, er tut mir leid. Er ist ein guter Reporter, aber er versteht von der Wirtschaft nichts. Ich habe ein Problem damit, wenn man verhindern will, dass die Bevölkerung die Wahrheit erfährt. (unw)



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