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Video-Clique wollte BKA ''ruhig stellen''

Das geheime Chat-Protokoll der Ibiza-Bande

ÖSTERREICH hat die geheimen Handy-Chats des Detektivs H. und eines mutmaßlichen Komplizen im Ibiza-Video-Krimi.

„Überleg wie BKA (Anm.: das Bundeskriminalamt) ruhig zu stellen ist“, tippte der untergetauchte und per Haftbefehl gesuchte Hauptverdächtige H. am 4. Juni 2019 um 21.56 Uhr via Instant-Messaging-Dienst Threema in sein Handy.

Sein mutmaßlicher Komplize im Video-Krimi K. schrieb sofort um 21.57 Uhr zurück: „Mache ich.“ Der gebürtige Bosnier K. sitzt seit November des Vorjahres in Untersuchungshaft. Bei der Hausdurchsuchung während der Festnahme des Arbeitslosen in Salzburg wurden in seinem Haus eine abgesägte Schrotflinte, ein Unterhebel-Repetierer („Winchester“), 139 Schuss Munition, Sparbücher und Kuverts mit 113.000 Euro sowie auch Kokain sichergestellt.

Der Detektiv dachte wohl, dass die Kommunikation mit seinem Bekannten K. „safe“ sei: Immerhin verspricht Threema eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Die Spezialisten der Soko Ibiza des Bundeskriminalamts haben allerdings dennoch einen stundenlangen Chat-Verlauf sichergestellt. Und das sind die wichtigsten Passagen:

Gab es Vorab-Infos über
 Hausdurchsuchungen?

Brisant. So schreibt K. am 5. Juni 2019 um 13.13 Uhr an Detektiv H.: „Ich habe Info, dass ich und E. Hausdurchsuchungsbefehl.“ Ein ziemlich brisantes Detail: Immerhin stellt sich mit dieser Threema-Mitteilung die Frage, ob ein Insider der Exekutive einen der Tatverdächtigen im Ibiza-Krimi vorab vor Hausdurchsuchungen gewarnt hat. Und K. dürfte sich generell sehr sicher gefühlt haben: Bei seiner Festnahme im November hatte er noch immer Waffen, Munition und Drogen bei sich im Haus gelagert.

Detektiv H.: "Kenne
 Ermittlungsverfahren"

Und schon einen Tag zuvor schreibt Detektiv H. um 21.34 an K. auf Threema: „Kenne Ermittlungsverfahren.“ Der Satz irritiert: Gibt’s bei der Exekutive einen Maulwurf, der die Ibiza-Täter mit Infos versorgt? Auch diesen Verdacht sollte das Innenministerium klären.

Wenige Tage später empört sich der mutmaßliche Haupttäter H. am 10. Juni 2019 um 15.40 Uhr erneut via Threema über die Soko-Ermittler: „BKA spielt deppat. Macht Stress auf allen Seiten. Dieser Chef von OK (Anm.: Abteilung gegen Organisierte Kriminalität) leitet.“ Und H. weiß offenbar viel über den Soko-Chef, dessen Namen er auch nennt: „Superstar. Bei FBI gelernt. Aber weiß nicht was will OK von uns?“ Die interessante Antwort von K. um 15.41 Uhr: „Frage bei Amerikana.“ Darauf H.: „Schau mal, ob du hörst, was BKA will.“

 

Täter sammelten Infos 
über Leiter der Soko Ibiza

Auch Stunden später geht’s wieder um den Leiter der Soko. Ibiza-Detektiv H. fragt K., wie gut ein gewisser V. den Chefermittler kenne: „Was will er mit diese Blödsinn?“ Sein Freund K. antwortet: „Er sitzt oben wo G. früher gesessen ist.“

Die beiden Verdächtigen chatten aber auch über Interessenten, die das Ibiza-Video kaufen wollen. Sie erwähnen nicht nur einen M. und einen Anwalt, sondern auch einen Prominenten. So meldet K. in etwas sehr seltsamen Deutsch am 8. Juni 2019 um 18.10 Uhr an Detektiv H.: „Eine inwestor habe zufelig nahme erfährt ist. Diese von All gesprungen hat.“ Die Antwort des untergetauchten Detektivs H.: „Felix Baumgartner ist der Investor? Und warum interessiert ein Typ was von All springt das Video?“ K. meint: „Frage kann er über Anwalt das abwickeln?“

Drohungen gegen den
 mutmaßlichen Mittäter 

Aus dem Deal wurde nichts, gegen mehrere Personen ermittelt deshalb die Justiz auch wegen Nötigung und versuchter Erpressung. Im Threema-Chat liefert der Detektiv auch eine Kostprobe von seinem Drohpotenzial. Er schreibt am 12. Juni 2019 um 20.10 Uhr an den Mittäter K.: „Kannst erinnern was dir gesagt habe in Wald in Deutschland . . . Wennst meine Familie rein nimmst. War mein Ernst.“

 

Für die im Bericht genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

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