Rundumschlag

"Wapplertruppe in Wien" – Kickl attackiert die Regierung

FPÖ-Chef Herbert Kickl teilte in seiner Rede am Klagenfurter Messegelände heftig gegen die Bundesregierung aus.

Klagenfurt. FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl hat am Samstag beim Neujahrstreffen seiner Partei in Klagenfurt mit einer Ansage in Richtung "Volkskanzlerschaft" gestartet. "2026 wird unser Jahr, es wird ein freiheitliches Jahr", sagte Kickl vor mehreren tausend Besuchern in der Klagenfurter Messehalle. Es brauche Neuwahlen, um der Bundesregierung, die "niemand gewählt" hätte, möglichst bald "die Lichter ausgehen" zu lassen.

"Da ist die Zukunft Österreichs daheim", begann Kickl seine Rede, nachdem er mit "Herbert, Herbert!"-Sprechchören auf die Bühne geklatscht worden war. Alle politischen Augen und Ohren Österreichs seien auf Klagenfurt gerichtet: "Und deswegen sage ich es: 2026 wird unser Jahr, es wird ein freiheitliches Jahr. Egal, was sie gegen uns aushecken werden, wir ziehen das durch, Volkskanzlerschaft ist das Motto!"

Immer wieder Jörg

Die FPÖ wird heuer 70 Jahre alt: "Das werden wir feiern Seite an Seite mit der österreichischen Bevölkerung." Außerdem: "40 Jahre ist es heuer her, dass Jörg Haider die Partei übernommen hat. Dann ist es rund gegangen in Österreich, und gut war es und richtig war es", sprach Kickl den ehemaligen Bundesparteichef und Kärntner Landeshauptmann an, dessen Name an diesem Vormittag gleich mehrmals fallen sollte - etwa als Kickl unter Jubel forderte, der Koralmtunnel sollte in "Jörg-Haider-Tunnel" umbenannt werden. Und: "Wer weiß, was die Österreicher ohne Jörg Haider alles mitmachen hätten müssen. Der Jörg war ein Schutzpatron der Österreicher. Danke Jörg, dass du das alles für uns getan hast."

Nun trete er an, "um dieses falsche System zu überwinden und hinter uns zu lassen. Das ist die Volkskanzlerschaft - die Grenze zwischen Politik und Bevölkerung zu überwinden", sagte Kickl. Dazu gelte es, der "Verliererampel die Lichter ausgehen zu lassen". Den Wählern sei "die Stimme gestohlen worden": "Denn niemand wollte diese Regierung haben." Nun würde die Regierung der Bevölkerung "das Geld und die Zukunft" stehlen: "Es kann nur Neuwahlen geben." Bei dieser Gelegenheit stellte er "Geheimverhandlungen" mit der ÖVP strikt in Abrede: "Mit mir gibt es keine miesen Deals - es gibt nur eines, und zwar klare Verhältnisse."

"Ich habe Sehnsucht nach meinem Kärntner Land", meinte Kickl - aber zerstreute gleich darauf Gerüchte, er könnte als Spitzenkandidat in die Kärntner Landespolitik einsteigen. Er werde "die Kärntner mit allem, was mir zur Verfügung steht, unterstützen", vor allem vor den bevorstehenden Gemeinderatswahlen und auch später, auf Landesebene: "Die freiheitlichen Jahre waren die besten Jahre für Kärnten." Das brauche es auch auf Bundesebene: "Wir müssen alles in Bewegung setzen, damit es den Österreichern wieder besser geht. Uns wird es gelingen, dieses Land wieder zu einem Land der Sicherheit, der Chancen, der Geborgenheit und, ganz wichtig, zu einem Land des Friedens zu machen."

"Nicht in Konflikte hineinziehen lassen"

In Bezug auf den Ukraine-Krieg meinte Kickl: "Diejenigen schreien am lautesten, die am Wettrüsten verdienen." Es gehe nicht, dass man erst die "Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt", um sich danach als "großer Beschützer" aufzuspielen. "Danke lieber Herrgott, dass ich die Brutalität des Krieges nicht erleben habe müssen. Und bitte, lieber Herrgott, sorg dafür, dass das auch unsere Kinder und Enkelkinder nicht müssen."

Zwar müsse man sich nicht für den Frieden alles gefallen lassen, "wir waren immer für ein starkes Bundesheer. Wir müssen uns schützen und verteidigen können. Aber wir dürfen uns niemals in Konflikte und Kriege hineinziehen lassen. Unsere Söhne und Töchter geben wir nicht." Eine freiheitliche Friedenspolitik sei "Neutralitätspolitik" - man dürfe nicht "Beitragstäter zu einer Eskalation sein. Mit allen gut auszukommen, das müssen wir machen, wir sind keine Großmacht mehr."

Regierung als "Wapplertruppe"

Die aktuellen Pläne der Bundesregierung, für Kickl, eine "Wapplertruppe", wurden ebenfalls gegeißelt: Die geplante Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel bezeichnete Kickl als "ein paar mickrige Cent Entlastung. Und nicht einmal die gibt es jetzt, sondern erst Mitte des Jahres, weil sie keine Ahnung haben, wie sie das finanzieren sollen." Komme eine "Plastikabgabe", dann "kratzt man die paar Cent zusammen, und dann sind die wieder weg, wenn man einen Joghurtbecher kauft". Die Präsentation der Steuersenkung sei eine "Panikattacke vor laufenden Kameras" gewesen.

"Liebe Gegner", leitete er über: "Die Zeit der Freiheitlichen ist nicht vorbei, ihr habt euch zu früh gefreut vor einem Jahr, darüber, was diese Regierung zusammengeschustert hat. Unsere Zeit kommt erst, eine Zeit mit einer Regierung, wo endlich die Österreicher anschaffen und wo alles für Österreich getan wird und nicht nur von Österreich gezahlt wird. Das wird ein neuer Sonnenaufgang für Österreich."

FPÖ ohne Kompromisse

Im Stakkato folgten schließlich Begriffe wie "Russlandsanktionen, Klimakommunismus, Kriegstreiberei, innere Einmischung in Länder, die der EU nicht zu Gesicht stehen, digitaler Euro, Zensur und Überwachung": "Da entwickelt sich mein österreichischer Beschützerinstinkt, mein Selbsterhaltungstrieb und mein Österreich-Patriotismus." Auch den von Bundespräsident Alexander Van der Bellen beschworenen Kompromissen erteilte Kickl eine Abrede: Solche könne es weder zwischen Krieg und Neutralität noch zwischen "importierten Mördern, Vergewaltigern und Terroristen und österreichischen Bürgern" geben. Kickls Lösung: "Festung Österreich, Zuwanderungsstopp und Remigration".

Nach 70 Minuten Redezeit wurde Kickls Rede mit Standing Ovations beendet - und mit "Immer vorwärts FPÖ", dem neuen Lied der John-Otti-Band.

"Freiheitskampf für Österreich"

"Ihr alle seid unsere Ehrengäste, ihr alle seid die freiheitliche Familie", hatte zu Beginn der Veranstaltung Stadtparteiobmann Gernot Darmann das Publikum begrüßt. "Wo Mannesmut und Frauentreu die Heimat sich erstritt aufs Neu'", zitierte er daraufhin das Kärntner Heimatlied: Nun gehe es um den "Freiheitskampf für Österreich". Landesparteiobmann Angerer schoss hatte sich danach auf die Regierungen im Land Kärnten und im Bund eingeschossen: "In Kärnten regieren seit 11. November die Narren, wenn man nach Wien schaut, könnte man denken, das ist der Normalzustand." Deshalb brauche es eine "politische Zeitenwende": "Und die wird es nur geben mit einem Herbert Kickl als Bundeskanzler."

Die Veranstaltung, für die auf Plakaten mit "Kickl kommt heim" geworben wurde, bildet auch den Rahmen für den Auftakt des parteieigenen Online-Radiosenders "Austria First", der am Samstag den Sendebetrieb aufnimmt. Versprochen wird seitens der Partei ein "Sendebetrieb rund um die Uhr", live moderierte Sendestrecken in der Früh, zu Mittag und am späten Nachmittag sowie "umfassende, für Österreich relevante Nachrichten zur vollen Stunde". Der Sendestart war vor allem dem Neujahrstreffen gewidmet.

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