Koalitions-Poker: Immer mehr spricht für Türkis-Rot

Das sagt ÖSTERREICH

Koalitions-Poker: Immer mehr spricht für Türkis-Rot

Ein Kommentar von ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner.

Zwei Optionen. Nach der jüngsten ÖSTERREICH-Umfrage scheint alles klar: Befragt nach ihrer liebsten Koalition entscheidet sich eine klare Mehrheit der ­Österreicher für die Fortführung von Türkis-Blau – so als hätte es „Ibiza“ nie gegeben.

Nur eine Dreier-Koalition ÖVP-Grüne-Neos hätte bei den Wählern vergleichbare Sympathien – scheint aber aufgrund der Gegensätze viel zu riskant, viel zu Crash-anfällig und eine zu starke Kehrtwende zur bisherigen Kurz-Linie.

In Wahrheit bleiben Sebastian Kurz damit wohl nur zwei ernsthafte Koalitions-Optionen, die er beide 50:50 ansteuert:

Option 1: Türkis-blauer Neustart ohne Kickl

In Wahrheit bereiten Kurz und Blümel bereits seit Wochen IHRE Form von „Türkis-Blau 2“ vor. Für Kurz kommt nur eine „Koalition NEU“ ohne Herbert Kickl in Frage. Erstens: Weil dann nicht Kurz, sondern die FPÖ an der Neuwahl schuld war (Kurz hat ihr ja ein Weiterregieren ohne Kickl angeboten). Zweitens: Weil Kurz mit Kickl die Rechtsaußen-Fraktion der FPÖ in der Regierung wegsprengen würde. Und drittens: Weil die ÖVP dann das Innenministerium zurückhaben will und der FPÖ im Gegenzug das Justizressort anbieten würde.

Die FPÖ wäre bei dieser Kurz-Strategie in einer echten Zwickmühle: Entweder sie geht mit dem „Nice Guy“ Hofer in die Regierung (was Hofers definitives Ziel ist) und verzichtet auf Kickl, was sie enorm schwächen würde.Oder sie besteht auf Kickl – dann wird es Türkis-Blau nicht geben und „Option 2“ tritt in Kraft.

Option 2: Das Comeback von Schwarz-Rot

Immer öfter hört man in den letzten Tagen hinter den Polit-Kulissen folgende Prognose: Alles läuft in Wahrheit auf eine Neuauflage von Schwarz-Rot – sprich: auf Türkis-Rot hinaus. Kurz könnte mit einer bei 15 % Rückstand schwer geschlagenen SPÖ eine relativ „billige“ Koalition eingehen. Die ÖVP könnte alle Schlüsselressorts – Finanzen, Außen, Innen, Wirtschaft – behalten. Die SPÖ würde die (vor allem für die Gewerkschaft wichtigen) sozialen Ressorts – Soziales, Arbeit, Bildung – bekommen. Für Rendi-Wagner könnte man als „ideale“ ­Vize-Kanzlerin ein eigenes Gesundheits-Umwelt-Ressort schaffen.

Immer mehr „Granden“ in beiden Parteien – von Ludwig und Doskozil bei der SPÖ bis zu Mikl und Mahrer bei der ÖVP – erwärmen sich für das Comeback von Schwarz-Rot. Für Rendi wäre es nach einer Wahl-Niederlage wohl die einzige Über­lebens-Chance. Und auch für Kurz wäre es die „sicherste“ Regierungsform.

Einziges Problem: Nur mehr 9 % der Österreicher wollen Schwarz-Rot als neue Regierung, bei den ÖVP-Wählern sind es sogar nur mehr 8 %. Kurz und ­Rendi müssten gegen ihre Wähler regieren …  

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