Für Außenministerin Ursula Plassnik ist die große Koalition noch keine ausgemachte Sache. "Ein Zeitplan ist noch kein Regierungsprogramm", sagte die ÖVP-Verhandlerin in der ORF-"Pressestunde" mit Blick auf den geplanten Angelobungstermin 11. Jänner.
Einige "große Brocken" habe man bei den Verhandlungen noch nicht angesprochen, sagte Plassnik. Außerdem betonte sie, dass es "numerisch und vielleicht auch politisch andere Mehrheiten" als die große Koalition gibt.
Letzteres wollte Plassnik allerdings nicht auf die ÖVP bezogen wissen, sondern auf die Haltung der Grünen zu einer SP-Minderheitsregierung. Auf eine mögliche schwarz-blau-orange Zusammenarbeit angesprochen meinte sie, dass man derzeit "ernsthaft" an der großen Koalition arbeite. Man müsse nun die "großen Projekte" diskutieren und "bewusst Klimaverbesserung betreiben" damit man nicht das Gefühl habe, "dass die Demolierer die Baumeister überholen", so die Außenministerin.
Eurofighter
Nicht vorstellen kann sich Plassnik, die Eurofighter
aus dem Regierungsprogramm auszuklammern. Wiens Bürgermeister Michael Häupl
(S) hatte zuletzt vorgeschlagen, die Entscheidung über den Abfangjägerkauf
für die Dauer des U-Ausschusses aufzuschieben. Plassnik lehnt das ab:
"Darüber muss man sich einigen." Abgelehnt wird von Plassnik auch die
Abschaffung der Studiengebühren. Allerdings könne man bei den Stipendien
"nachschärfen", so die Ministerin.
Im Bereich der Steuerpolitik gilt für Plassnik: "'Wünsch dir was' wird nicht gespielt." Dass mit dem Eurofighter-Storno Initiativen in anderen Bereichen finanziert werden könnten, glaubt sie nicht: "Die Vorstellung 'Sozialfighter statt Eurofighter', diese Wahlkampfslogans sollten wirklich verräumt werden in den Truhen der Unsinnigkeiten."
„Schüssel soll bleiben“
Einmal mehr sprach sich
Plassnik für den Verbleib von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) in der
Politik aus. Das Außenministerium würde sie ihm "mit Vergnügen" überlassen,
so die Ressortchefin: "Das ist eine der Möglichkeiten, die im Raum stehen
und bei Gott nicht eine, mit der Sie mich schrecken können." Zum
rot-schwarzen Streit um den Finanzminister wollte sie sich nicht äußern: "Es
gibt verschiedene sehr gut geeignete Kandidaten. Es werden auch noch einige
erfunden werden."
„Stabilität ist nicht alles“
Die bisherige Rolle
von Bundespräsident Heinz Fischer beurteilt Plassnik positiv und äußerte
Verständnis für dessen Wunsch nach einer großen Koalition. Eine stabile
Partnerschaft zwischen ÖVP und SPÖ biete "gute Möglichkeiten, aber:
"Stabilität ist bei Gott nicht alles. Stabilität ist immer in Gefahr, in
Stillstand zu münden."
Die bisherige Politik der ÖVP verteidigte Plassnik gegen innerparteiliche Kritik: "Ich glaube, dass wir eine richtige Politik gemacht haben. Was ich versucht habe zu erklären ist, dass sie sicher nicht optimal rübergekommen ist." Ob Finanzminister Karl-Heinz Grasser Parteichef werden könnte, will sie nicht beurteilen: "Die Diskussion gibt es nicht und sie stellt sich auch nicht."