Franco Foda

Teamchef im "Sportbild"-Interview

Foda: "Wir wollen ins Achtelfinale"

Ein Deutscher sorgt in Österreich für Furore - Teamchef ­Foda spricht Klartext.

Harte Arbeit zieht sich durch Franco Fodas ­Leben. Mit extremem Ehrgeiz wurde aus dem kleinen Mainzer ein deutscher Nationalspieler, Pokalsieger mit Kaiserslautern und Leverkusen und nicht zuletzt ein preisgekrönter Trainer in Österreich.

Seit 24 Jahren lebt der heute 55-Jährige in der Alpenrepublik. Er kennt die Abläufe und die Mentalität in diesem Land, singt vor den Spielen die Bundeshymne mit und lehnt es ab, auf sozialen Netzwerken präsent zu sein, die er als Energieräuber bezeichnet. Als Foda vor dreieinhalb Jahren Teamchef der ÖFB-Nationalmannschaft wurde, setzte er sich hohe Ziele. Alle hat er erreicht. Die EM-Qualifikation, im zweiten Anlauf den Gruppensieg samt Aufstieg in der Nations League. Und nun, den ersten Sieg einer ÖFB-Elf bei einer EM.

Statistik spricht gegen die anhaltende Kritik

Doch nicht immer stößt Foda in Österreich auf Gegenliebe. Zu unattraktiv sei die Spielweise, die er spielen lässt, zu wenig mache er aus den Möglichkeiten der pressingfußballgeschulten Stars. Den Teamchef lässt das kalt. Mit einem Punkteschnitt von 1,97 ist er der ­erfolgreichste Trainer, den Rot-Weiß-Rot je hatte.

Und auch auf Klubebene setzte sich Foda mit seiner Philosophie durch. Als Trainer wurde er mit Sturm Graz sowohl Meister als auch Cupsieger. Doch trotz aller Sturheit hinterfragt sich der Deutsche sehr wohl auch selbst. „Selbstzufriedenheit ist Stillstand“, weiß er.

Foda in Sportbild über...

… die Ziele bei der EURO: In den vergangenen 60 Jahren hat sich Österreich nur zweimal sportlich für eine EM qualifiziert – 2016 und aktuell, damit haben wir ein großes Ziel erreicht. Jetzt muss man sich neue setzen. Wir wollen ins Achtelfinale!

… die Bundeshymne: Ich bin Nationaltrainer Österreichs. Wenn man so ein Amt übernimmt, dann musst du dich mit allen Themen beschäftigen und identifizieren, darum singe ich gern mit. Die österreichische Hymne gibt mir vor einem Spiel Kraft und Energie, pusht mich noch mal richtig. Ich brauche das einfach, wenn das Adrenalin noch mal hochgeht. Außerdem lebe ich seit 25 Jahren in Österreich, da hat man noch einen anderen Zugang.

… über die Zeit als Spieler unter Bundestrainer Franz Beckenbauer: Er hat eine Mannschaft immer inspiriert, trotz des großen Erfolgsdrucks nie die Lockerheit verloren. Im Training war er immer sehr fokussiert, aber Spaß und Freude sind nie abhandengekommen. Er hat sich dazu mit allen Spielern beschäftigt. Egal, ob einer Ergänzungsspieler ist oder Stammspieler. Jeder muss das Gefühl haben, dass er in der Mannschaft eine wichtige Rolle einnimmt – das habe ich von ihm gelernt.

… über „Enfant terrible“ Marko Arnautovic: Generell gibt es keine schwierigen Spieler. Man muss sie nur verstehen und einen Zugang finden, weil jeder seinen eigenen Charakter hat. Marko ist ein wunderbarer Mensch, der nicht nur wegen seiner Spielweise sehr wichtig für die Mannschaft ist. Er hat diese Lockerheit, die strahlt er auf seine Mitspieler aus. Es ist wichtig, dass man auf dem Platz einen Anker hat, an dem sich die anderen Spieler festhalten können. Marko ist einer dieser Anker.

… über den Arnautovic-Ausbruch beim Spiel gegen Nordmazedonien: Er ist auch ein sehr emotionaler Spieler, aber ein herzensguter Mensch, der wie viele Spieler auf der Welt auch einmal einen Gefühlsausbruch im Spiel hat. Dafür hat er sich öffentlich entschuldigt.
… über David Alaba und seine Rolle in der Mannschaft: David ist für uns unersetzbar. Weil er auf zwei, drei Positionen Weltklasse spielen kann. Er ist dazu als Persönlichkeit gereift, Führungsspieler geworden. Man sieht, seitdem er Vater ist, dass er noch mehr Verantwortung übernimmt.

… über den Alaba-Wechsel zu Real Madrid: David hat mit Bayern alles erreicht, was man erreichen kann, und hat für sich die Entscheidung getroffen, eine neue Herausforderung in Angriff zu nehmen. Real Madrid ist ein Top-Verein, wo er sich noch mal per­sönlich weiterentwickeln kann. Er wollte aus seiner Komfortzone raus, deshalb bin ich überzeugt, dass der finanzielle Aspekt keine Rolle gespielt hat. Ich kenne David Alaba gut, und er hat einen tollen Charakter.

… über eine Deutschland-Rückkehr: Ich habe noch einen Vertrag beim ÖFB, der bis Dezember läuft. Sollten wir uns für die WM in Katar qualifizieren, dann verlängert er sich automatisch bis 2022.