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Antrag

Kommt die 12er-Liga?

Bundesliga erhält im Namen von Salzburg, Ried, Altach & Co Antrag auf Aufstockung.

Der österreichischen Fußball-Bundesliga steht eine Diskussion über die Veränderung ihrer Liga-Formate bevor. Rechtsanwalt Wolfgang Rebernig wollte noch im Laufe des Dienstags einen Antrag auf eine außerordentliche Hauptversammlung einbringen, er handelt damit nach eigenen Angaben im Interesse der Bundesligisten Red Bull Salzburg, SV Ried und SCR Altach sowie der Erstliga-Clubs Magna Wiener Neustadt, Trenkwalder Admira und Gratkorn.

Zweidrittel-Mehrheit benötigt
Inhalt des Ansuchens ist eine Aufstockung der höchsten Spielklasse von zehn auf zwölf Vereine und eine Erweiterung der zweithöchsten Liga von 12 auf 16 Teilnehmer. Um zur Umsetzung zu gelangen, benötigt der Vorschlag eine Zweidrittel-Mehrheit. "Ich will keine Prognose abgeben, ob sich das ausgeht. Eine Zweidrittel-Mehrheit ist eine hohe Hürde, aber ich habe in der Bundesliga schon einiges erlebt", sagte der Steirer.

Jeder Bundesligist verfügt in der Hauptversammlung, die bei einem Antrag von zumindest zwei Vereinen einberufen werden und spätestens drei Wochen nach ihrer Beantragung stattfinden muss, über fünf, die zehn Erstliga-Vertreter (die Austria Amateure und Salzburg Juniors zählen nicht als eigene Clubs) über drei Stimmen.

Angedachter Modus
Nach den Vorstellungen von Rebernig und seinen Klienten sollen die zwölf Bundesligisten künftig in der Hinrunde in je einem Heim- und Auswärtsspiel gegeneinander antreten, ehe es nach 22 Runden zum "Cut" kommt. Dann spielen die Top-6 in einem Meister-Play-off in weiteren zehn Runden um Titel und Europacup-Plätze und das zweite Sextett gegen den einzigen Abstiegsplatz, womit pro Saison und Verein 32 Partien (derzeit 36) zu absolvieren wären.

Die zweithöchste Klasse könnte laut Rebernig als eine Art "semiprofessionelle Liga" geführt werden. Teilnehmen sollen daran 16 Clubs - auch Amateur-Teams von Bundesligisten, was laut aktueller Rechtslage ab der Saison 2010/11 nicht mehr möglich wäre. Dies wiederum ist Salzburg-Sportdirektor Heinz Hochhauser ein Dorn im Auge, auch Rapid-Sportdirektor Alfred Hörtnagl würde ein Erstliga-Engagement der grün-weißen Amateure begrüßen.

Mehr Jobs für junge Österreicher
Im Zusammenhang mit der Ersten Liga würde sich Rebernig eine Aufweichung der Lizenzkriterien wünschen, weil viele Vereine nach dem Aufstieg aus den Regionalligen vor großen Investitionen in Mannschaft und Infrastruktur stehen und deshalb in finanzielle Turbulenzen geraten. "Die zweithöchste Liga sollte als Talente-Pool dienen und die Bundesliga im wirtschaftlichen und sportlichen Bereich gestärkt werden", forderte Rebernig, für den der größte Vorteil seines Ansinnens in der "Verbreiterung der Arbeitsplätze im österreichischen Profi-Fußball" liegt.

Außerdem könnten die Vereine laut Rebernig von einer Format-Änderung auch wirtschaftlich profitieren. "Möglicherweise wird für Jeden in einer Zwölferliga mehr übrig bleiben als jetzt in einer Zehnerliga. Und seit Bestehen der Zehnerliga hat es außer Pasching, Ried und Mattersburg noch keinen Club ohne finanzielle Probleme gegeben", meinte der Anwalt.

Änderungen ab 2010/11
Einige seiner Klienten streben schon in der kommenden Saison eine Zwölferliga im Oberhaus an, was nach Meinung von Rebernig allerdings unrealistisch ist. "Es wäre theoretisch möglich, aber was vor allem dagegen spricht ist der bestehende TV-Vertrag, der auf eine Zehnerliga ausgerichtet ist." In der Ersten Liga sei eine Reform allein schon deshalb erst ab 2010/11 möglich, weil dabei im Gegensatz zu einer Änderung im Oberhaus der ÖFB einbezogen werden müsse.

Viel hängt am TV-Vertrag
Im Rahmen der ÖFB-Zukunftswerkstatt beschäftigt sich derzeit die Untergruppe Sport unter Vorsitz von Bundesliga-Präsident Martin Pucher und mit Mitgliedern wie Herbert Prohaska, Andreas Herzog oder Willi Ruttensteiner mit den wirtschaftlichen Erfolgschancen von erweiterten Ligen, bis Ende April sollen Erkenntnisse vorliegen. Entscheidende Bedeutung wird in diesem Zusammenhang auch dem neuen TV-Vertrag zukommen (der alte läuft mit Ende kommender Saison aus).

Die diesbezüglichen Verhandlungen dürften im Sommer starten, informelle Gespräche gibt es laut Bundesliga-Vorstand Georg Pangl aber bereits. "Und dabei ist die Übertragbarkeit der möglichen neuen Formate infrage gestellt worden", meinte der Burgenländer.

Pangl will sich den Reform-Diskussionen jedoch nicht verschließen. "Ich bin kein Blockierer, sondern versuche im Rahmen meiner administrativen Tätigkeit, alle Pro und Kontra aufzuzeigen. Wenn die nötige Mehrheit dafür ist, werde ich es umsetzen", sagte der Vorstand.

Gewisse Vorbehalte gegen die Ideen sind allerdings vorhanden. "Jeder Präsident muss für sich selbst wissen, ob das wirtschaftlich Sinn macht. Die Frage bei einer Aufstockung ist, ob man den Sponsorenkuchen um so viel erhöhen kann. Und wenn man mir sagt, dass es in der Zwölferliga weniger Druck im Abstiegskampf gibt, dann hätte ich gerne die Garantie, dass keiner der Clubs im Abstiegs-Play-off im Winter viele Ausländer holt", gab Pangl zu bedenken.

Der frühere UEFA-Eventmanager sprach sich gegen die Lockerung der Lizenzkriterien in der Ersten Liga aus. "Wenn wir aufweichen, besteht die Gefahr, dass wir noch mehr Konkurse haben." Auch dem Gedanken einer "semiprofessionellen" Liga kann Pangl wenig abgewinnen. "Die Clubchefs der Ersten Liga sagen mir klipp und klar, ein Halb-Profitum ist nicht möglich."

Pangl wies zudem auf das Zustandekommen der aktuellen Beschlusslage hin. Am 7. Dezember 2007 votierten alle Chefs der beiden Profi-Ligen für die Redimensionierung der zweiten Spielklasse in eine Zehnerliga ab dem Spieljahr 2009/10, bei der Hauptversammlung am 12. Juni des Vorjahres wurde dies gegen die Stimmen von Salzburg, Austria, Gratkorn und FC Lustenau, die sich gegen den Ausschluss der Amateur-Teams aussprachen, abgesegnet. Das ÖFB-Präsidium war zwölf Tage später mit 11:3-Stimmen dafür, auch der nunmehrige ÖFB-Präsident Leo Windtner sagte damals Ja.