Stevens: "Wissen, was auf uns zukommt"

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Stevens: "Wissen, was auf uns zukommt"

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Salzburgs Meistercoach spricht im Interview über Bullen-Situation.

Erst hieß es, Huub Stevens wird nicht nach Wien zur „Bruno“-Gala kommen. Dann war er aber plötzlich doch da. Auch und vor allem zur Überraschung der Macher von der Fußballer-Gewerkschaft VdF. Also saß der Niederländer doch erste Reihe fußfrei im Hotel Savoyen. An einem Tisch mit Thomas Linke, dem Assistent von Red-Bull-Fußballchef Didi Beiersdorfer, Austria-Trainer Karl Daxbacher und Ried-Coach Paul Gludovatz.

Zwei Trophäen für Stevens
Gegen Ende der großen Preisverleihung – geehrt wurden unter anderem die Spieler der Saison von Bundesliga, Erster Liga und Frauen-Fußball, der Pechvogel oder auch der Kunstschütze – durfte Stevens dann auch zwei Mal auf die Bühne.

Dort gab es Glastrophäen mit dem Konterfei von Bruno Pezzey („Ein großartiger Verteidiger mit Ausstrahlung. Aber ich kannte ihn nicht persönlich!“) für Mannschaft und Trainer des Jahres – gewählt von den Spielern der beiden höchsten Spielklassen.

Im Interview spricht der 56-jährige Erfolgs-Trainer über den Stellenwert von Preisen, wenig Meisterliches vom Meister und die Rückkehr von Spirit und Liebe nach Salzburg.

Frage: Herzlichen Glückwunsch, Herr Stevens. Sie haben ja bei der diesjährigen „Bruno“-Gala groß abgeräumt.
Huub Stevens: Das kann man so sagen. Wir sind Mannschaft des Jahres, ich wurde zum Trainer des Jahres gewählt und Eddie Gustafsson zum Pechvogel. Aber das sind alles Preise für die letzte Saison, das ist Vergangenheit.

Frage: An die man angesichts der momentanen Situation, Salzburg liegt ja nur auf Rang 7, acht Punkte hinter Spitzenreiter Innsbruck, sicher gerne zurückdenkt?
Stevens (lacht): Auch wenn es im Moment nicht danach aussieht: Wir wollen auch in dieser Saison wieder Preise gewinnen.

Frage: Aber helfen solche Preise und Auszeichnungen in schwierigeren Zeiten, wie man sie zur Zeit erlebt, zusätzliche Motivation zu schöpfen?
Stevens: Wir wissen schon, was in den nächsten Wochen auf uns zukommt. In der Bundesliga warten zwei schwere Spiele gegen Wacker Innsbruck auf uns, in der Europa League haben wir Juventus Turin zu Gast. Da brauche ich keine Preise, um mich oder die Mannschaft zu motivieren.

Frage: Woran liegt es, dass der Meister in dieser Saison erst wenig Meisterliches gezeigt hat?
Stevens: Im Fußball ist es oft so, dass Spieler nach einer erfolgreichen Saison Schwierigkeiten haben, oben zu bleiben. Das spielt sich im Unterbewusstsein ab, ist aber ganz normal. Nur können wir nicht mehr allzu lange darauf warten, dass sich etwas ändert.

Frage: Was stimmt Sie zuversichtlich, dass der Knoten bereits gelockert ist und demnächst platzt?
Stevens: Wir sind wieder auf einem guten Weg, in den letzten Spielen war ein Aufwärtstrend erkennbar. Jetzt müssen wir schauen, dass wir uns so stabilisieren und es hinbekommen, dass wir wieder ganz oben mitspielen.

Frage: Eddie Gustafsson wurde zum Pechvogel gewählt, war aber auch als Spieler der Saison nominiert. Wie sehr fehlt er Ihnen und Red Bull Salzburg in Zeiten wie diesen?
Stevens: Man hat es schon zum Ende der letzten Saison gesehen, als er sich verletzt hat, dass er uns fehlt. Nicht nur als guter Tormann, sondern auch als Kapitän und außerhalb des Platzes. Für mich war Eddie der Spieler der Saison.

Frage: Wie sehr passt Ihnen die Länderspiel-Pause ins Konzept, nachdem es zuletzt im Innviertel den dritten Sieg im achten Spiel gegeben hat?
Stevens: Zuerst hoffe ich, dass die Jungs, die bei ihren Nationalteams sind, gesund nach Salzburg zurück kommen. Dann wollen wir dort weitermachen, wo wir in Ried aufgehört haben. Genau diesen Spirit und diese Liebe für den Fußball brauchen wir auch am Samstag gegen Kapfenberg.

Frage: Apropos Spirit und Liebe: Es hat den Anschein, als würden die österreichischen Fans beides zum Nationalteam wieder entdecken?
Stevens: Ich habe mir das Spiel gegen Aserbaidschan teilweise angeschaut, aber auch Deutschland gegen die Türkei und Mazedonien gegen die Niederlande. Für Österreich war es wichtig, dass man gewonnen hat. Am Dienstag in Brüssel braucht es zumindest eine gleiche Leistung, denn gegen Belgien wird es noch einmal schwieriger. Aber ich denke schon, dass es auch da Möglichkeiten geben wird.

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