Gerhard Berger

ÖSTERREICH-Interview

DTM-Boss Berger: 'Endlich wieder g'scheite Formel 1'

Mit einer Radikalreform rettete Gerhard Berger die DTM - seine Zwischenbilanz.

ÖSTERREICH: Herr Berger, Gratulation zu dem, was Sie heuer aus der DTM gemacht haben. Ihre Bilanz drei Stationen vor Schluss?

GERHARD BERGER: Ich hab eine Riesen-Gaudi, dass das Feld so international und so stark ist. Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden. Wir erleben gerade die vielleicht beste DTM, die wir jemals hatten. Unterschiedliche Marken, unterschiedliche Fahrzeugkonzepte. Eine spannende Mischung und Emotionen. Drei Rennen vor Schluss kämpfen vier Marken um den Titel.

ÖSTERREICH: Leider ist Lucas Auer nicht dabei ...

BERGER: So ist der Sport. Luggi muss einmal schauen, dass er ein Rennen gewinnt. Mit dem Deutschen Maximilian Götz mischt aber ein Mercedes vorn mit.

ÖSTERREICH: Ist Spielberg-Sieger Liam Lawson die Entdeckung des Jahres?

BERGER: Der Bursche ist ein absoluter Glücksfall für uns und auch für die Zukunft von Red Bull als einer dieser Nachwuchsfahrer, der eine Chance in der Formel 1 verdient. Toll, dass wir diese Rolle für Red Bull übernehmen können. So hat auch Albon in der DTM gezeigt, was er kann, und jetzt ist er zurück in der F1.

ÖSTERREICH: Wäre es nicht naheliegend, dass der Red-Bull-Sender ServusTV die komplette DTM-Saison 2022 live überträgt?

BERGER: Am Red Bull Ring hat ServusTV die Rennen zeitversetzt gebracht und 12 Prozent Marktanteil. Das sind Super-Werte. Wir werden das wachsen lassen.

ÖSTERREICH: Können Sie sich vorstellen, dass Sebastian Vettel, mit dem Sie sehr gut sind, seine Karriere in der DTM ausklingen lässt?

BERGER: Ich würde ihn nach seiner Formel-1-Karriere eher in der Bienenzucht sehen. Sebastian ist derzeit im Bienen-Fieber, beziehungsweise will er grüne Ideen umsetzen.

ÖSTERREICH: Wäre er dann nicht ein Thema für den Elektro-Prototyp in der DTM?

BERGER: Wäre er. Aber momentan sollten wir ihn in Ruhe lassen. Und jetzt bleibt er ja eh weiter bei Aston Martin.

ÖSTERREICH: Und wie wär's ist mit Valentino Rossi? Der hat doch Ambitionen, es mit vier Rädern zu probieren ...

BERGER: Der wäre super, den würde das auch interessieren, und wir würden ihm den roten Teppich ausrollen. Aber lassen wir ihn seine letzte MotoGP-Saison zu Ende fahren. Und dann baut er ja noch sein eigenes Motorrad-Team auf. Aber über jeden dieser Überflieger würden wir uns natürlich freuen.

ÖSTERREICH: Wie gefällt Ihnen eigentlich die aktuelle Formel-1-Saison?

BERGER: Wir haben endlich wieder eine Formel 1, die sich g'scheit präsentiert. Top-Niveau, ein spannendes Duell, das an Senna gegen Prost erinnert. Das färbt auch auf den anderen Motorsport ab.