Welche Ernährungsweise ist die beste für unsere Erde? Ist die pflanzliche Ernährung tatsächlich umweltfreundlicher? Mehr denn je wird über dieses Thema gestritten.
Während Fleischliebhaber die Schuld bei vegan lebenden Leuten suchen, zeigen diese mit dem Finger auf die Nutztierhaltung. Viele Behauptungen stehen dabei im Raum:
Produktion von tierischen Produkten zerstört den Planeten. Veganismus verursacht die massenweise Produktion von Soja.
Wo liegt die Wahrheit und was sagen die Zahlen und Fakten?
Flächenverbrauch
Der Flächenbedarf für unsere Ernährung unterscheidet sich stark. Wer sich rein pflanzlich ernährt, verbraucht mehr Ackerfläche für Gemüse, oder? Was im ersten Moment logisch erscheint, entpuppt sich als Mythos.
Eine Studie der University of Edinburgh zeigt, dass Länder mit besonders fleischreicher Ernährung bis zu vierzehnmal so viel landwirtschaftliche Fläche benötigen wie Länder mit fleischarmer Ernährung. Würde sich die gesamte Welt so tierproduktreich ernähren wie die Bevölkerung der USA, wäre dafür beinahe doppelt so viel landwirtschaftliche Fläche nötig wie heute vorhanden ist – was physikalisch schlicht unmöglich wäre. Würde hingegen weltweit so pflanzenreich gegessen wie in Indien, bräuchte man weniger als die Hälfte der aktuell genutzten landwirtschaftlichen Fläche.
Ähnliche Ergebnisse gibt es auch für Österreich. Eine Studie der Universität für Bodenkultur zeigt, dass sich der Flächenbedarf für die Ernährung um etwa zwei Drittel reduzieren würde, wenn von einer omnivoren Mischkost auf eine vegane Ernährung umgestellt wird. Aber wie kann das sein, wenn doch Tiere ohnehin auf engem Raum in Masthallen gehalten werden? Tiere brauchen viel Futter. Dafür werden große Ackerflächen und Wiesen benötigt. Leider wird dafür auch viel Soja als Kraftfutter für Tiere importiert. Die weltweite Reduktion des Fleischkonsums um rund ein Fünftel könnte die derzeitigen Importe von etwa 500.000 Tonnen Futtersoja überflüssig machen.
Der Flächenverbrauch würde sich also bei pflanzlicher Ernährung massiv reduzieren.
Was würde mit den frei werdenden Flächen passieren?
Die übrigen Flächen könnten für Wohnraum oder Naturflächen genutzt werden. Schätzungen zufolge könnten die weltweit genutzten Agrarflächen um etwa 75 Prozent reduziert werden – von vier Milliarden auf etwa eine Milliarde Hektar. Damit würde eine Fläche frei, die ungefähr so groß ist wie Nordamerika und Brasilien zusammen. Auf diesen Flächen könnten sich geschädigte Ökosysteme wie Regenwälder, Savannen und Feuchtgebiete wieder erholen, ebenso wie viele bedrohte Wildtierpopulationen. Für bedrohte Arten, die stark unter Lebensraumverlust leiden wäre das eine enorme Erleichterung.
Wie sieht die Ernährung im Bezug auf den Ressourcenverbrauch aus?
Die Zahlen zum Ressourcenverbrauch lassen die Nutztierhaltung nicht glänzen. Weltweit landet rund ein Drittel aller angebauten Feldfrüchte nicht direkt auf den Tellern von Menschen, sondern in den Futtertrögen von Tieren. In Europa ist dieser Anteil sogar noch höher: Hier werden etwas mehr als 60 Prozent des Getreides an Rinder, Schweine und Hühner verfüttert. Dabei stellt sich eine grundlegende Frage: Wäre es nicht nachhaltiger, diese Pflanzen direkt zu verzehren, anstatt zu verfüttern?
Dazu muss man prüfen, wie viele Kilogramm Futtermittel tatsächlich benötigt werden, um ein Kilogramm tierisches Produkt zu erzeugen. Im globalen Durchschnitt werden für ein Kilogramm Hühnerfleisch etwa 3,3 Kg Futter benötigt. Bei Schweinen sind es rund 6,4 Kilogramm und für 1 Kg Rindfleisch werden bis zu 25 Kilogramm Futter benötigt. Ja, Tiere fressen auch Gras und Heu, die wir Menschen nicht verzehren könnten, doch hier der massenhafte Sojaanbau ins Spiel.
Soja
Während immer noch der Mythos besteht, Soja werde hauptsächlich für vegane Produkte angebaut, ist genau das Gegenteil der Fall: Der geringste Anteil an Sojabohnen wird in der Industrie verwendet, etwa zur Herstellung von Biodiesel. Rund 20 Prozent werden tatsächlich für den direkten menschlichen Verzehr verarbeitet – vor allem für Pflanzenöl, das beispielsweise in Margarine verwendet wird. Rund 76 Prozent des weltweit produzierten Sojas landen jedoch im Tierfutter. Nur ein kleiner Teil wird zu klassischen veganen Produkten weiterverarbeitet: etwa 2,6 Prozent zu Tofu, 2,1 Prozent zu Sojamilch und rund 2,2 Prozent zu anderen veganen Produkten.
Aber würde sich bei einer veganen Ernährung das Problem nicht einfach nur verlagern?
Nein, denn von all den Bodenfrüchten, die an Tiere verfüttert werden, landet nur ein kleiner Teil dieser Energie in Form von Fleisch, Milch oder Eiern. Ein Großteil der Energie, die Tiere über Pflanzen aufnehmen, wird für ihren eigenen Stoffwechsel benötigt – also für Bewegung, Körperfunktionen und Wachstum. Das heißt eine bestimmte Menge Soja oder Getreide wird in eine wesentlich geringere Menge Fleisch umgewandelt. Ein beachtlicher Teil dieser Lebensmittel geht also verloren. Das heißt anstatt einem Tier Getreide oder Soja zu verfüttern und dafür einen kleinen Teil Fleisch zu bekommen, könnten diese Lebensmittel direkt gegessen werden und viel mehr Energie liefern oder mehr Menschen ernähren.
So zeigen wissenschaftliche Berechnungen, dass von 100 Kalorien, die an Geflügel verfüttert werden, am Ende nur etwa 13 Prozent im Fleisch übrig bleiben. Bei Schweinefleisch sind es rund neun Prozent. Bei Rindern liefern diese 100 Kalorien Futter sogar nur zwei Kalorien. Ähnlich sieht es beim Protein aus: Von 100 Gramm verfüttertem Eiweiß gelangen beim Geflügel rund 19 Gramm zurück in das Fleisch, beim Schwein etwa neun Gramm und Rind sind es sogar weniger als vier Gramm. Im Durchschnitt gehen bei tierischen Produkten also 89 Prozent Energie verloren. Der Proteinverlust liegt bei etwa 86 Prozent.
Aber was ist eigentlich das Problem an dem vielen Soja, das importiert wird und warum wird es überhaupt benötigt?
Der Grund für die große Bedeutung von Soja als Futtermittel liegt im hohen Proteingehalt der Bohne. Eiweißreiches Futter sorgt dafür, dass Tiere schnell wachsen und rasch ihr Schlachtgewicht erreichen. Für die industrielle Tierhaltung ist Soja deshalb besonders attraktiv. In Europa wächst zwar auch Soja, aber nicht in den erforderlichen Mengen. Diese werden aus Süd- und Mittelamerika importiert.
Das war jedoch nicht immer so. Vor hunderten Jahren sah Landwirtschaft ganz anders aus. Kühe lebten überwiegend auf Weiden und fraßen Gras, an Schweine und Hühner wurden häufig Küchenabfälle verfüttert. Heute sieht die Landwirtschaft anders aus. Riesige Mengen an Futtermittel werden angebaut, um den weltweit stark gestiegenen Fleischkonsum zu bedienen. Fleisch soll möglichst billig sein und möglichst schnell produziert werden – und Sojaschrot ermöglicht genau das.
Ein großer Teil dieses Sojas stammt aus Brasilien oder Argentinien. Die tropischen Regionen eignen sich besonders gute für den Sojaanbau. Allein in Brasilien betrug die Sojaanbaufläche im Jahr 2022 rund 41 Tausend Quadratkilometer – eine Fläche in etwa so groß wie Deutschland und die Niederlande zusammen. Da sich der Anbau wirtschaftlich vor allem im großen Stil lohnt, entstehen riesige Monokulturen – häufig dort, wo zuvor artenreicher Regenwald stand. So verschwinden immer mehr tropische Wälder für den wachsenden Sojaanbau, der zum Großteil an Tiere verfüttert wird. Eine Studie zeigt, dass mit pflanzlicher Ernährung der Verlust von Wildtierpopulationen um bis zu 66 Prozent reduziert werden könnte.
Getreide
Auch beim Getreideverbrauch in der Europäischen Union zeigt sich ein ähnliches Bild. Nur etwa 22 Prozent des Getreides werden direkt für die menschliche Ernährung verwendet. Der mit Abstand größte Anteil – rund 62 Prozent – wird wieder an Tiere verfüttert.
Gleichzeitig verursacht die Tierhaltung große Mengen an Treibhausgasen wie Kohlendioxid, Methan und Lachgas. Besonders Rind- und Schaffleisch sowie Milchprodukte haben einen großen Einfluss auf das Klima. Pflanzliche Lebensmittel benötigen dagegen deutlich weniger Land und verursachen wesentlich geringere Emissionen.
Eine britische Studie aus dem Jahr 2023 zeigt, dass eine vegane Ernährung rund 75 Prozent weniger Treibhausgasemissionen verursacht als eine fleischreiche Ernährung.
Wasserverbrauch
Auch beim Wasserverbrauch zeigen sich deutliche Unterschiede. Eine Studie der Wissenschaftler Joseph Poore und Thomas Nemecek aus dem Jahr 2018 zeigt, dass eine vegane Ernährung rund 54 Prozent weniger Wasser benötigt als eine fleischreiche Ernährung.
Auch gesundheitlich könnte eine pflanzenreichere Ernährung Vorteile bringen. Österreich gehört zu den Ländern mit besonders hohem Fleischkonsum. Seit dem wirtschaftlichen Aufschwung der 1960er Jahre ist der Fleischverbrauch stark gestiegen. Der Sonntagsbraten von früher, der tatsächlich nur sonntags auf den Tisch kam, ist heute für viele zum „Alltagsbraten“ geworden. Der durchschnittliche Fleischkonsum liegt derzeit bei etwa 60 Kilogramm pro Person und Jahr. Gleichzeitig sind rund 40 Prozent der Menschen in Österreich zwischen 18 und 64 Jahren übergewichtig, etwa zwölf Prozent gelten als fettleibig. Mehr Obst und Gemüse und weniger kalorienreiche tierische Produkte könnten daher auch gesundheitliche Vorteile mit sich bringen.
Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 15.03.2026, hier in voller Länge sehen. Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 22.03.2026, 18:30 Uhr
Zahlreiche Studien und Untersuchungen sind sich also einig. Die Pflanzliche Ernährung ist eindeutig umweltfreundlicher. Natürlich ist hier zu beachten, dass regionale Produkte bevorzugt werden sollten. Weniger Avocados, mehr heimische Nüsse oder Kürbis.
Eine rein pflanzliche Ernährung wird nicht alle Probleme lösen – aber sie kann bereits enorme Verbesserungen bewirken. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung ist es umso wichtiger, landwirtschaftliche Flächen und Ressourcen möglichst effizient zu nutzen. Mit der richtigen Einstellung und einem zukunftsorientierten Ansatz könnten viele Tierhaltungsbetriebe Schritt für Schritt zu Gemüse- oder Pflanzenbaubetrieben werden.