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Unsere Tiere

Traktoren in der Stadt: Herkunftskennzeichnung gefordert

Am vergangenen Mittwoch, den 1. April, veranstaltete „Bündnis Zukunft Landwirtschaft“ in der Wiener Innenstadt eine Großdemonstration. 

Die Anliegen der Landwirtschaft sind vielfältig. Doch besonders im Fokus steht die Forderung nach einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung aufgrund des unterzeichneten Mercosur-Abkommens. Tierschutzorganisationen waren ebenso vor Ort und unterstützten die verlangte Herkunftskennzeichnung.

Auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig erschien bei den Protesten, wurde jedoch aus unterschiedlichen Gründen teils nicht allzu sehr willkommen geheißen.
Die FPÖ, die auch an den Protesten teilnahm, kritisierte Totschnig und die gesamte ÖVP, da sie mit dem Mercosur-Abkommen erneut zeigen, dass sie zwar hinter der Wirtschaft, aber nicht hinter der Landwirtschaft steht. Die FPÖ meinte: „Die Schwarze Landwirtschaftspolitik fällt den Landwirten seit Jahrzehnten in den Rücken und macht Kundgebungen erst notwendig.“ Tierschützer:innen kritisieren sie wiederum für das Blockieren von besseren Tierschutzstandards in der Landwirtschaft.

Mercosur-Abkommen: Bauern und Tierschutz in Sorge 

Das Mercosur-Abkommen – einer der zentralen Gründe für die Proteste – wird am 1. Mai vorläufig in Kraft treten, was fatale Folgen für die Landwirtschaft und für den Tierschutz haben könnte. Denn jene Haltungskriterien, die jahrelang von NGOs gefordert und Schritt für Schritt erkämpft wurden, verlieren an Wert, wenn nun tierische Produkte aus Ländern mit niedrigen Tierwohlstandards kommen und regionale Landwirt:innen verdrängen.
Tierschutzorganisationen sehen zwar weiter Verbesserungsbedarf bei der europäischen Tierhaltung, doch diese sei immer noch besser als jene in Südamerika. Nun gilt es, die europäische Landwirtschaft am Leben zu erhalten und konkurrenzfähig zu machen. Daher unterstützt auch Greenpeace zentrale Forderungen des Bauern- und Bäuerinnenprotests gegen EU-Mercosur und für Transparenz. Je weniger Produkte aus Südamerika gekauft werden, desto weniger Regenwald wird zerstört, desto weniger wird das Klima belastet und desto weniger Tiere leiden unter Lebensraumverlust. Außerdem sind die Tierhaltungsbedingungen in den Mercosur-Staaten nicht artgerecht.

Einheit für Transparenz: Herkunft klar kennzeichnen 

Auch die FPÖ fordert von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig die verpflichtende Herkunftskennzeichnung. FPÖ, Landwirtschaft und Tierschutzorganisationen ziehen zwar üblicherweise nicht an einem Strang, doch diesmal sind sich alle einig: Konsument:innen sollen die Möglichkeit haben, sich für österreichische oder zumindest europäische Produkte zu entscheiden. Verarbeitete Lebensmittel im Handel und Lebensmittel in der Gastronomie sollen verpflichtend mit ihrer Herkunft gekennzeichnet werden. Dadurch wird es möglich, sich gegen minderwertige Agrarimporte auf Kosten von Klima und Tierwohl abzugrenzen und die heimische Qualität zu sichern. Für vollumfängliche Transparenz fordert Greenpeace zudem auch eine Kennzeichnung der Tierhaltungsbedingungen direkt am Produkt. An einer sogenannten Haltungskennzeichnung wird bereits auf EU-Ebene gearbeitet.

Im Supermarkt muss die Herkunft nur bei unverarbeiteten Lebensmitteln angegeben werden. Woher die Zutaten in der Gastronomie, im Lieferservice oder in verarbeiteten Produkten im Supermarkt kommen, ist derzeit für Konsument:innen nicht klar.
Für Bäuerinnen und Bauern ist Herkunft nicht nur ein Hinweis auf der Verpackung oder in der Speisekarte: Sie ist ein Schutzmechanismus und schafft faire Wettbewerbsbedingungen. Ohne sie wird verschleiert, wo und unter welchen Bedingungen Lebensmittel produziert wurden. Importware aus Ländern mit deutlich niedrigeren Standards landet Seite an Seite mit heimischen Produkten im Regal, der einzige Unterschied ist der Preis. Das verzerrt den Wettbewerb massiv und bestraft jene, die Qualität liefern.

Das zeigt auch eine Studie. Das „Knowledge Centre for Global Food and Nutrition Security“ veröffentlichte im September 2022 Rechercheergebnisse zum Verbraucherverhalten. Geprüft wurde, wie sich eine Herkunftskennzeichnung auf das Konsumverhalten auswirkt. Das Ergebnis zeigt klar, Informationen zur Herkunft haben einen erheblichen Einfluss auf die Auswahl der Lebensmittel. Konsument:innen legen Wert auf qualitativ hochwertige und umweltfreundliche Produkte. Im Durchschnitt unterstützen sie gerne lokale und inländische Landwirtschaften. Weiters geben Verbraucher:innen an, beim eigentlichen Einkauf jedoch oft nicht die Zeit zu haben, Informationen zur Herkunft genau zu lesen. Eine auf den ersten Blick erkennbare Kennzeichnung der Herkunft könnte daher für österreichische Landwirt:innen positive Auswirkungen haben.

Die Herkunftskennzeichnung wird schon lange gefordert. Doch woran hat es in der Vergangenheit gescheitert? Bisher blockierte die Wirtschaftskammer. Die WKÖ vertritt vor allem die Interessen der Industrie, Handels- und Lebensmittelbetriebe. Viele ihrer Mitglieder fürchten Mehraufwand.

Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 05.04.2026, hier in voller Länge sehen. Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 12.04.2026, 18:30 Uhr 

Alois Rainer, Gastronomie-Obmann der WKO, zeigte sich jedoch in einem Gespräch Ende März mit dem Verein Land schafft Leben nicht völlig abgeneigt gegenüber einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie und meinte: „Regionale Versorgung funktioniert nur, wenn Landwirtschaft, Produzenten, Handel und Gastronomie enger zusammenarbeiten.“ Hoffnung besteht also.

Der Verein hat gemeinsam mit den XXXLutz-Restaurants den ersten Schritt gesetzt und eine Herkunftskennzeichnung bereits im Mai 2025 eingeführt. Gründer des Vereins Land schafft Leben, Hannes Royer, meint dazu: „Jahrelang hieß es, Herkunftskennzeichnung sei nur in der Kleingastronomie umsetzbar. Land schafft Leben hat jedoch mit den XXXLutz-Restaurants bewiesen: Es ist möglich. Alle Zutaten sind sowohl auf der Speisekarte als auch auf der Website klar ersichtlich. Das ist ein Best-Practice-Beispiel – allen Gegnern der Herkunftskennzeichnung geht damit die letzte Ausrede aus. Es zeigt: Transparenz funktioniert.“
Land schafft Leben bietet außerdem Gastronomen praxisnahe Expertise rund um die Herkunftskennzeichnung an.

Die Demonstration am 1. April zeigt, dass der Druck steigt und Norbert Totschnig jetzt handeln muss. Konsument:innen verlangen mehr Transparenz, wodurch die Landwirtschaft und die Tiere profitieren könnten.

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