Kreml geschwächt

Austro-Experte: "Trump musste für Putin intervenieren"

Der österreichische Militärexperte Markus Reisner sieht in den jüngsten Äußerungen von Wladimir Putin ein bemerkenswertes Signal.

Neue Töne aus Moskau. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine neigt sich dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zufolge dem Ende zu. Putin brachte am Samstag in Moskau den deutschen Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder als möglichen Vermittler für Gespräche zwischen Russland und der EU ins Gespräch.

Der österreichische Militärexperte Markus Reisner sieht in den jüngsten Äußerungen von Wladimir Putin ein bemerkenswertes Signal: „Putin spricht zum ersten Mal von einem Kriegsende. Das haben wir in dieser Deutlichkeit so noch nicht gehört“, sagte der Oberst des österreichischen Bundesheeres im Gespräch mit ntv. Für Reisner deutet das darauf hin, dass Russland den Druck des mittlerweile mehr als vier Jahre andauernden Krieges zunehmend spürt.

Kopie von Bundesheer-Oberst Markus Reisner.

Bundesheer-Oberst Markus Reisner.

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Zeichen der Schwäche

Besonders auffällig sei dabei, dass Putin die Ukraine offenbar nicht mehr allein zu einer Feuerpause bewegen konnte. „Bemerkenswert finde ich: Putin ist es nicht allein gelungen, die Ukraine von einer Feuerpause zu überzeugen. Dafür musste US-Präsident Donald Trump intervenieren“, erklärte Reisner. Trump habe sich bereits zuvor als möglicher Vermittler zwischen Moskau und Kiew präsentiert.

Putin
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Aus Sicht des Experten zeigt sich die angespannte Lage Russlands vor allem an der zunehmenden Verwundbarkeit im eigenen Hinterland. Die Ukraine sei mittlerweile in der Lage, mit weitreichenden Drohnen und Marschflugkörpern Ziele tief im russischen Staatsgebiet anzugreifen. Gemeinsam mit westlichen Aufklärungsdaten könne Kiew „auch im fünften Kriegsjahr enormen Druck auf Russland ausüben“.

Wie ernst Moskau diese Bedrohung nimmt, habe sich laut Reisner zuletzt rund um die Siegesparade in Moskau gezeigt. Russland habe aus Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen massiv reagiert. „Ein Treffer bei einer so symbolträchtigen Veranstaltung hätte aus russischer Sicht verheerende Folgen gehabt“, sagte Reisner. Denn damit würde das Narrativ erschüttert, der Krieg finde nur weit entfernt von Russland statt. Auch hier sei die Rolle Trumps entscheidend gewesen: „Entsprechend brauchte es nach dem Telefonat Putins mit Trump die Intervention der USA, um Kiew von Angriffen abzuhalten.“

Hohe Verluste

Gleichzeitig betont Reisner, dass Russland militärisch längst nicht mehr so dominant auftrete wie noch in den ersten Kriegsjahren. Die ukrainische Armee habe die russische Frühjahrsoffensive durch massiven Drohneneinsatz stark gebremst. „Die Ukraine hat damit das Momentum, das Russland üblicherweise im Frühjahr aufbaut, deutlich abgeschwächt“, erklärte der Experte. Russische Vormärsche seien vielerorts „stark erschwert oder ganz verhindert“ worden.

Auch die hohen Verluste belasten Moskau zunehmend. Reisner hält Berichte über rund 352.000 gefallene russische Soldaten für „absolut glaubhaft“. Gleichzeitig verweist er darauf, dass auch die ukrainischen Verluste enorm seien. Insgesamt zeige sich aber, dass beide Seiten inzwischen in einem Abnutzungskrieg stecken, in dem technologische Entwicklungen – insbesondere bei Drohnen und elektronischer Kriegsführung – eine immer größere Rolle spielen.

Den von Putin ins Spiel gebrachten Ex-Kanzler Gerhard Schröder als möglichen Vermittler bewertet Reisner vorsichtig. Er schließt nicht aus, dass hinter dem Vorschlag „mehr als eine reine Desinformationskampagne“ steckt, warnt jedoch vor überzogenen Hoffnungen. In der Vergangenheit habe Russland mehrfach Verhandlungsbereitschaft signalisiert, „die sich aber schlussendlich entweder in Luft zerschlagen haben – oder den Hintergrund hatten, Zeit zu gewinnen“.

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