Aufstand in Ägypten

Kairo: Plünderer greifen Krankenhäuser an

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Die Krankenhäuser und Leichenhallen der Stadt sind zum Bersten voll.

Bei den Unruhen in Ägypten greifen Plünderer auch Krankenhäuser an. Eine Kinderkrebsklinik sei überfallen und ausgeraubt worden, berichteten Ärzte am Samstag. In einem Krankenhaus im Kairoer Bezirk Abbasiya hätten Ärzte Molotowcocktails hergestellt, um das Spital verteidigen zu können. Das ägyptische Staatsfernsehen zeigte am Abend erstmals Bilder von Dutzenden von Männern, bei denen es sich um festgenommene Plünderer handeln soll.

Krankenhäuser voll
Die Leichenhalle des Krankenhauses im Bezirk Abbasiya sei voll, ebenso die Intensivstation, sagte eine Ärztin. "Wir haben kein einziges Bett mehr frei." Zahlreiche Verletzte gab es nach Angaben von Augenzeugen, als sich Demonstranten vor dem Innenministerium versammelt hatten. Drei Menschen sollen getötet worden sein, als aus dem Gebäude auf sie geschossen wurde.

Plünderungen

Einwohner der Wohnanlage Kattamiya-Residence in Kairo riefen am Samstag die Armee zur Hilfe, nachdem es in der Nachbarschaft zu Plünderungen gekommen war. Am Abend sei die Armee mit einem Panzer und mehreren Fahrzeugen angerückt, berichtete eine deutsche Bewohnerin.

Am internationalen Flughafen Kairo hieß es, am Samstag seien 19 Privatmaschinen mit Geschäftsleuten und ihren Angehörigen gestartet. Unter ihnen seien der christliche Unternehmer Naguib Sawiris (Telekom) gewesen sowie Hussein Salam, ein persönlicher Freund von Präsident Hosni Mubarak, der an Gasexporten nach Israel beteiligt war.

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Trotz Krise nach Ägypten

Lisa Cancola (22) lächelt noch vor dem Abflug, aber sie gibt zu: „Ich habe schon Bedenken wegen dieser Reise. Aber es sind ja keine Terroristen, sondern die Bevölkerung, die um ihre Rechte kämpft.“

Keine Spur von Angst – Florian Tschabuschnig lächelt vor dem Abfertigungsschalter. Er freut sich auf den Urlaub und „hat ein gutes Gefühl“.

Martin (46) und Natascha (24) Gorjanc: „Angst spielt für uns keine Rolle. Das ist alles nur Politik. Präsident Mubarak ist gescheit, der weiß, dass das ganze Land das Geld der Touristen braucht. Uns wird nichts passieren.“

Franz Demuth (50) aus Preding fliegt mit der Familie: „Wir haben entschieden: Es fliegen alle oder keiner – die Familie hält zusammen. Nur die Schwiegermutter hat ein mulmiges Gefühl.“

Doris Schnessl (39), Alexander Wonisch (35): „Wir haben den Flug über Deutschland gebucht, wir wissen nicht, ob wir stornieren können.“

Helga, Marlies: „Als wir von der Reisewarnung erfahren haben, stornierten wir. Aber wir setzen uns jetzt auf einen Kaffee und beraten über eine Alternative: Strand oder Ski.“

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