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Brutaler Mob

Schon 167 Anzeigen nach Sex-Attacken

Nur langsam kommt Licht ins Dunkel der Vorfälle in Köln.

Fast eine Woche nach den massiven Übergriffen auf Dutzende Frauen in Köln und Hamburg wird das ganze Ausmaß der dramatischen Silvesternacht bekannt: Inzwischen wurden in Köln mehr als 100 Anzeigen erstattet, in Hamburg über 50. Im gesamten deutschen Bundesgebiet ist die Zahl der Anzeigen damit schon auf 167 gestiegen. Dutzende Frauen sollen ausgeraubt oder belästigt, zwei vergewaltigt worden sein. Die Kölner Polizei hat zwar eine erste Spur, festgenommen wurde allerdings noch niemand.

Kritik an Polizei
Vor allem die Polizei sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt, weil sie zu spät auf die aggressive Menschenmenge vor dem Kölner Hauptbahnhof reagiert haben soll und erst zwei Tagen nach den Übergriffen über die Vorfälle informierte. Dabei waren nach ihren Angaben am Silvesterabend auf dem Platz vor dem Bahnhof in Köln zahlreiche Frauen im Getümmel sexuell bedrängt und bestohlen worden. Zuvor hatten sich etwa 1.000 Männer, dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft, auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt und mit Feuerwerkskörpern um sich geworfen.

Wegen des Ausmaßes lässt Justizminister Heiko Maas (SPD) prüfen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen den Taten in Köln und ähnlichen Attacken in Hamburg. "Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein," sagte Maas im ZDF-"Morgenmagazin". "Es wäre schön, wenn das keine Organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren." So etwas geschehe nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken.

Sexueller Hintergrund
Drei Viertel der insgesamt mehr als 150 Anzeigen in Köln und Hamburg haben nach Polizeiangaben einen sexuellen Hintergrund. "Viele Frauen geben in den Gesprächen an, dass sie auch angefasst wurden", sagte eine Kölner Polizeisprecherin.

Augenzeugen und Opfer hatten nach den Übergriffen am Dom ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft. Die Polizei spricht trotz der ermittelten Verdächtigen von einer sehr schwierigen Beweisführung. Das liege vor allem an der "Gemengelage" in der Silvesternacht. "Manchmal braucht der Rechtsstaat Zeit. Diese Zeit müssen wir ihm geben", sagte Innenminister Jäger dazu.

Kritik an Polizei
Vor allem Polizei und Kölner Stadtspitze standen auch am Mittwoch in der Kritik. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) bemängelte in den ARD-"Tagesthemen" den Einsatz der Kölner Beamten: "Da wird der Platz geräumt - und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten." NRW-Innenminister Ralf Jäger entgegnete, auch im Bereich der Bundespolizei habe es Übergriffe gegeben. "Es eine Frage des Stils, ob man ohne Detailkenntnisse, bei eigener Verantwortung, Polizeieinsätze in anderer Zuständigkeit beurteilt." Die Bundespolizei untersteht dem Innenminister.

Die Kölner Polizeiführung räumte zwar ein, am Neujahrsmorgen falsch über die Ereignisse der Nacht berichtet zu haben. In einer Erklärung hatte sie die Lage zunächst als recht entspannt beschrieben und sich selbst gelobt. Kritik am Einsatz wies sie allerdings zurück. "Wir waren nicht überfordert", sagte Polizeipräsident Wolfgang Albers. Das ganze Ausmaß der Vorfälle sei erst später klar geworden. Einen Rücktritt schloss Albers aus. "Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt", sagte er auf WDR 5. Dagegen verlangte FDP-Chef Christian Lindner personelle Konsequenzen an der Spitze der Polizei.

Kritik an Reker
Auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) muss sich gegen Vorwürfe wehren. Sie zog mit einer Verhaltensempfehlung an Frauen Spott im Internet auf sich. "Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft", hatte sie vor Journalisten auf die Frage geantwortet, wie man sich als Frau besser schützen könne.

 

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