Kundgebung eskaliert
Krawalle & Festnahmen bei Corona-Demo in Berlin
Deutschlandweit haben am Samstag tausende Menschen gegen die wegen der Corona-Pandemie verhängten Beschränkungen demonstriert. In Berlin, München und Stuttgart fanden Großkundgebungen statt. Weitere Versammlungen wurden unter anderem aus Bremen, Köln, Dortmund und mehreren Orten in Sachsen gemeldet.
Auf dem Alexanderplatz in Berlin kam es nach Polizeiangaben zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Beamten. Die Beamten hätten Platzverweise ausgesprochen, teilte die Berliner Polizei im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Einige Demonstranten hätten ihre Personalien für eine Anzeige angeben müssen oder seien in Gewahrsam genommen worden. Da manche Demonstranten Widerstand geleistet hätten, hätten die Beamten "einfache körperliche Gewalt" eingesetzt, hieß es weiter.
In Bremen beteiligten sich nach Polizeiangaben insgesamt rund 700 Menschen an verschiedenen Demonstrationen. Die Beamten leiteten mehrere Ermittlungsverfahren gegen Teilnehmer wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz ein.
In Dortmund löste die Polizei zwei nicht genehmigte Kundgebungen mit Lautsprecherdurchsagen auf. Unter die Teilnehmer hatten sich nach Erkenntnissen der Polizei Mitglieder der rechtsextremen Szene gemischt. Einer von ihnen schlug demnach gegen die Kamera eines Medienteams und verletzten einen Menschen leicht. Der 23-jährige Verdächtige, der schon zuvor einen Medienvertreter beleidigt habe, sei in Gewahrsam genommen worden.
Die Stadt Dortmund hatte die für den Samstagnachmittag angemeldete Demonstration gegen Corona-Einschränkungen aus infektionsschutzrechtlichen Gründen verboten. Dennoch erschienen der Polizei zufolge bis zu 150 Menschen, unter ihnen eine Gruppe polizeibekannter Rechtsextremer. Für welches Medium die Journalisten unterwegs waren, teilte die Polizei nicht mit. In Berlin waren innerhalb weniger Tage am Rande von Corona-Protesten Vertreter von ARD und ZDF attackiert worden.
In Köln zogen laut Polizei mehrere hundert Menschen, darunter auch Kinder, bei einer nicht angemeldeten Demonstrationen durch das Stadtzentrum. Ein Großteil der Teilnehmer habe Unbeteiligte aufgefordert, ohne Mundschutz in Geschäfte zu gehen. Auch in sächsischen Orten fanden Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen statt.
Bund und Länder hatten am Mittwoch weitreichende Lockerungen der Corona-Auflagen angekündigt, die je nach Bundesland unterschiedlich umfangreich und schnell in Kraft treten. Das Robert-Koch-Institut meldete am Samstag, dass die Reproduktionszahl bei Corona-Infizierten in Deutschland mittlerweile wieder über eins liegt. Zehn Infizierte stecken demnach im Schnitt elf Menschen an.
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