Rebellen erobern Gaddafis Geburtsstadt

Libyen

Rebellen erobern Gaddafis Geburtsstadt

Die Aufständischen rücken immer weiter nach Westen vor.

Die Aufständischen in Libyen sind weiter auf dem Vormarsch in Richtung Westen des Landes und der Hauptstadt Tripolis. Nachdem die Geburtsstadt von Machthaber Muammar al-Gaddafi Ziel von Luftangriffen der internationalen Koalition geworden war, haben die Aufständischen Sirte nach eigenen Angaben eingenommen. Die USA wollen den Druck auf Gaddafi erhöhen, die Macht abzugeben, indem sie in den kommenden Tagen einen Sondergesandten mit "einer sehr klaren Botschaft" nach Tripolis entsenden, wie Außenministerin Hillary Clinton am Sonntag dem TV-Sender NBC sagte.

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    Die Rebellen seien in der Nacht auf Montag in Sirte eingerückt. Sie seien auf keinen nennenswerten Widerstand getroffen, berichtete die Korrespondentin des arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera am Montagmorgen unter Berufung auf einen Sprecher des Nationalen Übergangsrats aus Benghazi (Bengasi), der Rebellenhochburg im Osten Libyens. Die Gaddafi-treuen Truppen hätte die Stadt zuvor in Richtung Tripolis verlassen. Überprüfbar sind die Angaben bisher jedoch nicht.

    Starke Explosionen
    Eine Serie starker Explosionen hat die Stadt erschüttert. Flugzeuge überflogen nach Korrespondentenberichten die Küstenstadt, was auf einen Luftangriff der westlichen Militärallianz schließen ließ. Mehr als eine Stunde nach den neun Explosionen konnte ein AFP-Reporter, der sich zusammen mit anderen Journalisten auf Einladung der libyschen Regierung in Sirte aufhielt, nicht feststellen, ob die Luftangriffe Schäden angerichtet haben.

    Mehrere Etappensiege
    Die Aufständischen hatten zuletzt - auch dank der militärischen Unterstützung des Westens - gleich mehrere Etappensiege erzielt. Nach der Rückeroberung der strategisch wichtigen Stadt Ajdabiya und des Ölhafen Ras Lanuf setzen die Aufständischen ihren Vormarsch nach Westen fort. Die Koalition zur Durchsetzung des UNO-Flugverbots des Weltsicherheitsrates hatte Sirte nach Angaben des libyschen Staatsfernsehens am Sonntag erstmals bombardiert. Auch Ziele in der Hauptstadt Tripolis seien angegriffen worden. Ein Einwohner aus der Rebellen-Stadt Misrata (Misurata) im Westen berichtete von massiven Kämpfen zwischen Aufständischen und Gaddafi-Getreuen. Die Regierungstruppen hätten bei ihrem Versuch, die Innenstadt zu erreichen, acht Menschen getötet und 24 verletzt.

    Es sei möglich, dass sich Gefolgsleute Gaddafis, aber auch das Militär, gegen den autokratischen Herrscher wenden würden, sagte US-Außenministerin Clinton. Es gebe zahlreiche Hinweise, dass Menschen aus seinem Umfeld die Hand nach der internationalen Gemeinschaft ausstreckten. US-Verteidigungsminister Robert Gates betonte, die Möglichkeit, dass das Regime zusammenbreche, dürfe nicht unterschätzt werden.

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      NATO will Kommando
      Nachdem die NATO angekündigt hat, das komplette Kommando über den internationalen Militäreinsatz in Libyen zu übernehmen, wollen die USA ihre militärische Rolle zurückfahren. Gates sagte, die USA würden durch nachrichtendienstliche Tätigkeiten, Überwachung und Aufklärung eine unterstützende Funktion einnehmen. Gates betonte, dass US-Präsident Barack Obama den Einsatz von Bodentruppen ausgeschlossen habe.

      Gates und Clinton traten am Sonntag in verschiedenen US-Talkshows auf, um den Einsatz vor der kriegsmüden US-Bevölkerung zu rechtfertigen. Am Montagabend will US-Präsident Obama sich öffentlich äußern. Gates begründete den Einsatz im Sender ABC unter anderem damit, dass es eine Massenflucht von Flüchtlingen nach Tunesien und Ägypten hätte geben können, was beide Länder destabilisiert und die Entwicklungen nach den Revolutionen dort gefährdet hätte. Clinton erklärte, die Kritiker des Einsatzes müssten sich fragen, wie die Dinge jetzt lägen, wenn die USA nicht eingeschritten wären.

      Die USA flogen bisher die meisten Einsätze in Libyen. Nach Pentagon-Angaben wurden allein zwischen Samstagabend und Sonntagnachmittag von 167 Lufteinsätzen 97 von der US-Luftwaffe ausgeführt. Die USA, Frankreich und Großbritannien fliegen seit mehr als einer Woche Luftangriffe gegen Libyen. Vor allem Washington hatte sich für eine schnelle Kommandoübernahme durch die NATO ausgesprochen.

      Keine Abstimmung zwischen Rebellen und Alliierten
      Angesichts des weiteren Vorrückens der Rebellen in von Gaddafi-Truppen kontrollierte Städte sagte ein ranghoher US-Beamter am Sonntag, es gebe keine Abstimmung der internationalen Truppen mit den Aufständischen. Es gehe nicht um die Rebellen, sondern darum, Zivilisten und von Zivilisten besiedelte Gebiete vor Angriffen zu schützen. Die Luftangriffe auf Tripolis und Sirte ließen Vorwürfe laut werden, das Bündnis gehe damit über die Vorgaben der UNO-Resolution 1973 hinaus, die die nötigen Maßnahmen zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung erlaubt.

      Die Truppen, die Zivilisten bedrohten oder angriffen, würden genauso Ziel der NATO-Truppen werden wie zuvor der Truppen der internationalen Militärkoalition, sagte der Beamte nach der Entscheidung der NATO, das Kommando über alle Aspekte des Einsatzes zu übernehmen. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte erklärt, es gehe um die Umsetzung der UNO-Resolution zu Libyen: "Nichts mehr, nichts weniger." NATO-Vertretern zufolge wird die Kommandoübergabe 48 bis 72 Stunden dauern.

      Türkei will vermitteln
      Das NATO-Land Türkei will eine Waffenruhe in Libyen vermitteln: Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warnte weiters gegenüber der britischen Zeitung "The Guardian" davor, dass ein langwieriger Konflikte das Land in einen "zweiten Irak" oder "ein weiteres Afghanistan" verwandeln könnte. Dies könnte verheerende Auswirkungen auf Libyen und die NATO-Länder haben, die die Militärintervention gegen Machthaber Gaddafi anführten. Erdogan sagte, dass Gespräche mit der Gaddafi-Regierung und mit dem Nationalen Übergangsrat der Aufständischen weiter liefen. Die türkische Regierung hatte am Donnerstag nach tagelangem Widerstand einer NATO-Führung des Libyen-Militäreinsatzes zugestimmt.

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