Delcy Rodríguez

Maduros "Tigerin" unter Beobachtung der USA

Nach der Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro durch die USA ist seine Stellvertreterin Delcy Rodríguez die neue starke Frau in Venezuela.

Maduros langjährige Vertraute ist bekannt für ihre scharfe Rhetorik und entschlossene Verteidigung des linksnationalistischen Staatschefs. Dies brachte ihr den Spitznamen "Tigerin" ein. Nun muss sich die 56-Jährige gegenüber den USA behaupten, die für sich in Anspruch nehmen, über die Geschicke Venezuelas zu bestimmen.

Rodríguez wurde am Samstag vom Obersten Gericht Venezuelas zur Interimspräsidentin ernannt, am Sonntag erhielt sie die Rückendeckung der Armee. Die studierte Juristin übernahm ihre ersten Regierungsposten während der Präsidentschaft von Maduros Vorgänger Hugo Chávez (1999-2013). Ihren politischen Aufstieg hat sie auch ihrem Bruder Jorge Rodríguez zu verdanken, der unter Chávez Vizepräsident war.

Seit Maduros erster Amtszeit 2013 gehört Delcy Rodríguez zu dessen wichtigsten Weggefährtinnen. 2018 ernannte er sie zu seiner Stellvertreterin. "Sie war wahrscheinlich eine der engsten Vertrauenspersonen Maduros in all den Jahren", sagt der Politikanalyst Pedro Benítez.

Vor ihrer Zeit als Vizepräsidentin war Rodríguez Außenministerin, später übernahm sie das Wirtschaftsministerium. Unternehmer lobten ihren Pragmatismus und ihre Dialogbereitschaft. Als Ministerin baute sie Brücken zu Venezuelas wichtigstem Wirtschaftsverband Fedecámaras. Zudem leitete Rodríguez seit 2024 das Ölministerium, ein Schlüsselressort in dem südamerikanischen Land, das über die größten bekannten Erdöl-Vorkommen der Welt verfügt.

Die Infografik zeigt die politische und wirtschaftliche Krise in Venezuela. Das Land hat 31 Millionen Einwohner, etwa 8 Millionen sind geflüchtet. Die Armutsquote liegt bei 90 %. 95 % der Exporteinnahmen stammen aus Öl. Eine Karte zeigt die Lage wichtiger Städte wie Caracas und Maracaibo. Wichtige Ereignisse sind der Machtantritt von Nicolas Maduro 2013, die Verschärfung der Wirtschaftskrise seit 2014, Proteste 2017 und eine US-Militärintervention 2026, bei der Maduro festgenommen wird. Quelle: APA.

Fingerspitzengefühl gegenüber den USA nötig

Nachdem Maduro von den USA gefangen genommen und in New York inhaftiert wurde, steht Rodríguez nun unter genauer Beobachtung der US-Regierung, die sich grundsätzlich zur Zusammenarbeit mit ihr bereit erklärte, der Interimspräsidentin aber zugleich drohte. "Wenn sie nicht das Richtige tut, wird sie einen sehr hohen Preis zahlen müssen, wahrscheinlich einen höheren als Maduro", sagte US-Präsident Donald Trump am Sonntag.

Auch sein Außenminister Marco Rubio betonte, die Führung in Caracas müsse "die richtige Entscheidung" treffen. Andernfalls verfügten die USA weiterhin über "mehrere Einflussmöglichkeiten", um ihre Interessen zu wahren.

Pragmatismus nur Fassade?

Wegen des Vorwurfs, die Demokratie untergraben zu haben und für Menschenrechtsverletzungen mitverantwortlich zu sein, steht die 56-Jährige auf Sanktionslisten der USA und der EU. Die "New York Times" porträtierte Rodríguez dennoch als moderates Gesicht eines möglichen Übergangs in Venezuela, obwohl Beobachter sie der Hardliner-Fraktion des Chavismus zuordnen.

Rodríguez bekräftigte nach dem US-Militäreinsatz ihre Loyalität gegenüber Maduro, den sie "als einzigen Präsidenten" Venezuelas bezeichnete. Sie forderte dessen Freilassung und kündigte an, ihre Regierung werde Venezuela und seine "natürlichen Ressourcen verteidigen". Nach ihrer ersten Kabinettssitzung drang sie auf eine "ausgewogene und respektvolle" Beziehung zwischen den USA und Venezuela. "Wir laden die US-Regierung dazu ein, gemeinsam an einem Programm für die Zusammenarbeit zu arbeiten", erklärte Rodríguez.

Kommission für Freilassung Maduros ins Leben gerufen

Wenig später rief sie eine Kommission ins Leben, die sich für die Freilassung von Maduro und dessen Ehefrau Cilia Flores einsetzen soll. Einer der Vorsitzenden des Gremiums: ihr Bruder Jorge. Der ist als Parlamentspräsident ebenfalls eine einflussreiche politische Figur in Venezuela. Ihr Vater, ein marxistischer Politiker, war 1976 im Polizeigewahrsam getötet worden.

Angesichts ihrer Vergangenheit seien Zweifel angebracht, ob Rodríguez sich als gemäßigte Politikerin neu positionieren könne, sagt ein Politikwissenschaftler, der aus Angst vor Repressalien anonym bleiben möchte. "Der emotionale Antrieb, der sie (Rodríguez und ihren Bruder) dorthin gebracht hat, wo sie heute stehen, hat mit Rache zu tun."

Rodríguez' Bruder Jorge ist als Parlamentspräsident ebenfalls eine einflussreiche politische Figur in Venezuela. Ihr Vater, ein marxistischer Politiker, war 1976 im Polizeigewahrsam getötet worden.

Angesichts ihrer Vergangenheit seien Zweifel angebracht, ob Rodríguez sich als gemäßigte Politikerin neu positionieren könne, sagt ein Politikwissenschaftler, der aus Angst vor Repressalien anonym bleiben möchte. "Der emotionale Antrieb, der sie (Rodríguez und ihren Bruder) dorthin gebracht hat, wo sie heute stehen, hat mit Rache zu tun."

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