Deutschland

Rechte Döner-Morde vor Aufklärung

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Die Polizistenmörder von Heilbronn stecken auch hinter der Döner-Mordserie.

Hinter dem Polizistenmord von Heilbronn und der sogenannten Döner-Mordserie stehen nach Auffassung der deutschen Bundesanwaltschaft wohl die gleichen rechtsextremen Täter. Die Behörde übernahm deshalb am Freitag die Ermittlungen. "Es liegen zureichende Anhaltspunkte dafür vor, dass die Mordtaten einer rechtsextremistischen Gruppierung zuzurechnen sind", teilte die Bundesanwaltschaft mit. Die Täter sollen auch für eine schwere Brandstiftung im sächsischen Zwickau im November verantwortlich sein.

Mordserie
Der Polizistenmord von Heilbronn und die Döner-Morde zwischen 2000 und 2006 folgten demnach stets dem gleichen Muster: Der oder die Mörder kamen am helllichten Tag, schossen ihren Opfern - acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer - aus nächster Nähe in den Kopf und verschwanden, ohne große Spuren zu hinterlassen. Ganz ähnlich war es am 25. April 2007 in Heilbronn, wo die 22-jährige Polizistin Michele K. mitten am Tag auf einer Festwiese mit einem Kopfschuss getötet wurde. Ihr damals 24 Jahre alter Streifen-Kollege wurde schwer verletzt und lag mehrere Wochen im Koma.

Männer begingen Selbstmord
Die Dienstwaffen der Heilbronner Polizisten wurden vor einer Woche in einem Wohnmobil bei Eisenach in Thüringen sichergestellt. Dort fanden sich auch weitere Gegenstände der Beamten. In der Wohnung der mutmaßlichen Täter in Zwickau wurde zudem die Pistole gefunden, mit der die Döner-Morde verübt worden waren. Die beiden Männer, denen auch mehrere Banküberfälle angelastet werden, begingen nach Polizeiangaben in dem Wohnmobil Selbstmord.

Nach den bisherigen Erkenntnissen hatten die Männer und deren mittlerweile verhaftete 36-jährige Gefährtin Beate Z. bereits Ende der 1990er Jahre Verbindungen zu rechtsextremistischen Kreisen. In der Zwickauer Wohnung wurden außerdem Beweise sichergestellt, die auf ein rechtsextremes Motiv für die Morde hindeuten.

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau Mitglied in einer terroristischen Vereinigung war. Sie wirft ihr Mord, versuchten Mord sowie schwere Brandstiftung vor. Auch weitere Verdächtige aus rechtsextremistischen Kreisen sollen in die Taten verstrickt sein.

Blutige Spur
Zwischen September 2000 und April 2006 waren acht türkische und ein griechischer Unternehmer erschossen worden. Die blutige Spur zog sich quer durch Deutschland: Drei Morde ereigneten sich in Nürnberg, zwei weitere in München, jeweils ein Mord geschah in Hamburg, Rostock, Dortmund und Kassel. Benutzt wurde immer die selbe Waffe, eine tschechische Pistole der Marke Ceska, Kaliber 7,65.

Im Heilbronner Polizistenmord tappten die Ermittler rund viereinhalb Jahre lang im Dunkeln. Monatelang suchten sie nach einem Phantom, das demnach auch in Österreich aktiv gewesen wäre. Im März 2009 stellte sich heraus, dass eine vermutete heiße DNA-Spur von verunreinigten Wattestäbchen stammte. Erst mit dem Selbstmord der 34 und 38 Jahre alten Männer in Eisenach gelang den Beamten der erste Ermittlungserfolg.

Frau in U-Haft
Nach Informationen des SWR geht die Polizei inzwischen davon aus, dass einer der beiden mutmaßlichen Bankräuber seinen Komplizen erschossen und sich dann selbst getötet hat - weil Polizisten im Anmarsch waren. Beate Z. habe unmittelbar nach dem Tod der beiden Männer deren Familie telefonisch informiert.

Beate Z. sitzt bereits in Untersuchungshaft. Bisher schweigt sie zu den Vorwürfen. Sie wohnte zusammen mit den mutmaßlichen Bankräubern. Die Polizei vermutet, dass sie die gemeinsame Wohnung in Brand gesteckt hat, um Beweise zu vernichten.

Sie und ihre mittlerweile toten Kumpanen hatten Kontakte in die Neonazi-Szene. In den 1990er Jahren sollen sie beim rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz" aktiv gewesen sein - danach jedoch nicht mehr. Nach dem thüringischen Verfassungsschutz erklärte auch das sächsische Landesamt, dass die drei keine V-Leute gewesen seien. Zu ihren Aufenthaltsorten seit ihrem Abtauchen 1998 habe man keine Kenntnis gehabt.

Polizei und Staatsanwaltschaft in Zwickau hatten bereits am Mittwoch gesagt, ihnen sei das Trio, das unter verschiedenen Namen auftrat, bis zum vergangenen Freitag gar nicht bekanntgewesen. Auch das sächsische Landeskriminalamt hat bisher noch nie etwas mit dem Trio zu tun gehabt.

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