Ein Ort des Grauens wird zum Ort der Erinnerung. Tausende Menschen aus aller Welt sind in Auschwitz zusammengekommen, um der Opfer des Holocaust zu gedenken, viele von ihnen mit ganz persönlichen Schicksalen im Gepäck.
Beim sogenannten „Marsch der Lebenden“ gehen die Teilnehmer den rund drei Kilometer langen Weg vom ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz bis nach Birkenau. Genau jener Weg, der für unzählige Menschen einst in den Tod führte.
80 Jahre nach der Befreiung der Lager steht die Veranstaltung ganz im Zeichen des Erinnerns und des Mahnens gegen Hass.
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Überlebende gehen den Weg noch einmal
Besonders bewegend: Auch rund 50 Holocaust-Überlebende nahmen an dem Marsch teil, viele begleitet von ihren Familien. Für sie ist es eine Reise zurück an den Ort ihres größten Leids und gleichzeitig ein Zeichen dafür, dass sie überlebt haben.
Politik und Geschichte treffen auf Gegenwart
Die Botschaft der Verantwortlichen ist klar und richtet sich längst nicht mehr nur an die Vergangenheit. Laut den Organisatoren hat der Antisemitismus seit dem 7. Oktober stark zugenommen und verbreitet sich mittlerweile überall. Die Organisatorin Revital Yakin Krakovsky findet hierfür deutliche Worte: „Das Ausmaß und die Normalisierung dieses Hasses erinnern an dunkle Zeiten, die wir schon einmal erlebt haben.“
Unter den Anwesenden befanden sich auch Personen, die jüngst Opfer antisemitischer Gewalt wurden. So erinnerte Hannah Abesidon an ihren 78-jährigen Vater, der im vergangenen Dezember bei einer Chanukka-Feier am Bondi Beach in Sydney ums Leben kam. Bei diesem Anschlag wurden insgesamt 15 Menschen getötet. Hannah Abesidon war selbst vor Ort, als sich die Tat ereignete.
In einem emotionalen Statement verdeutlichte sie die Tragweite der Tat und die damit verbundene Ideologie. „Mein Vater starb, weil er Jude war. Es beginnt mit den Juden, aber es endet nicht mit den Juden“, sagte sie. Damit warnt sie eindringlich davor, dass sich dieser Hass, wenn er einmal normalisiert ist, gegen die gesamte Gesellschaft richten kann.
Erinnerung als Warnung
Der „Marsch der Lebenden“ steht jedes Jahr für ein klares Ziel: Die Erinnerung an die rund sechs Millionen ermordeten Juden wachzuhalten und ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Ein stiller Marsch, mit einer lauten Botschaft an die Welt.