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Kissinger: "Wir stehen am Rande eines Krieges mit Russland und China"

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Der ehemalige amerikanische Außenminister rechnet mit der gegenwärtigen US-Außenpolitik ab.

Der frühere US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger übt scharfe Kritik an der derzeitigen US-Außenpolitik. Der 99-Jährige wirft der Regierung in Washington strategische Ziellosigkeit vor und sieht das Land sogar am Rande eines Krieges mit Russland und China.

Im Interview mit dem „Wall Street Journal“ rechnet Kissinger mit der US-Politik der letzten Jahre ab. Washington fehle es nicht nur an großen Staatsmännern, sondern auch an einer strategischen Außenpolitik, so der Experte. Zudem sei in nach dem Ende des Kalten Krieges zu einem „gefährlichen Ungleichgewicht“ in der Weltpolitik gekommen. „Wir stehen am Rande eines Krieges mit Russland und China“, so Kissinger weiter. „Die USA haben Probleme teils verursacht, ohne eine Vorstellung zu haben, wie diese gelöst werden sollen“.

"Durchsetzung westlicher Werte"

Kissinger führt dabei das Beispiel Ukraine an. Der 99-Jährige ist der Meinung, dass eine unvorsichtige Politik der USA und der NATO den Konflikt habe eskalieren lassen. Für die Stabilität der Region wäre es besser, wenn die Ukraine als Buffer zwischen Russland und dem Westen dienen würde. „Ich war für die volle Unabhängigkeit der Ukraine, aber ich dachte, die beste Rolle wäre so etwas wie diejenige Finnlands im Kalten Krieg.“ Statt ein machtpolitisches Gleichgewicht anzustreben, habe man westliche Werte durchgesetzt, so Kissinger weiter. Dies spiele nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Taiwan-Konflikt eine Rolle.

In der Ukraine fordert Kissinger die Rückkehr zum „Status quo ante“. Die Ukraine müsse also auf jene Gebiete verzichten, die Russland bereits vor der Invasion kontrolliert hatte (Krim und Teile des Donbass).

  

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