Unweit der österreichischen Grenze soll schon bald wieder ein neues Atomkraftwerk entstehen. In Temelin baut die britische Firma Rolls-Royce SMR mit dem Energiekonzern CEZ einen neuen Reaktor.
Der tschechische, teilstaatliche Energiekonzern CEZ macht ernst mit der neuen Generation der Kernkraft. Gemeinsam mit der britischen Firma Rolls-Royce SMR wurden nun die Verträge für die Entwicklung und den Bau von sogenannten Mini-Atomkraftwerken (Small Modular Reactors) unterzeichnet.
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Das erste dieser Pilotprojekte soll ausgerechnet am umstrittenen Standort Temelin realisiert werden. Das Kraftwerk liegt nur knapp 50 Kilometer von der oberösterreichischen und rund 60 Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt.
Rolls-Royce liefert U-Boot-Technik
Die Wahl des britischen Partners kommt nicht von ungefähr: Rolls-Royce verfügt über jahrzehntelange Erfahrung mit dem Bau von Nuklearreaktoren und baut unter anderem die Antriebe für britische Atom-U-Boote. Nun soll diese kompakte Technologie für die zivile Stromerzeugung genutzt werden.
CEZ verfolgt dabei ehrgeizige Pläne. Bis zum Jahr 2050 will der Energiekonzern bis zu sechs dieser Mini-Reaktoren bauen. Sie sollen genau dort entstehen, wo heute noch alte Kohlekraftwerke stehen und somit den tschechischen Kohleausstieg absichern.
Tschechien und Großbritannien haben derweil noch größere Pläne. Tschechiens Industrie- und Handelsminister Karel Havlicek kündigte nach einem Treffen mit dem britischen Wirtschaftsminister Peter Kyle in Prag an: Man wolle mit den neuen Mini-Reaktoren gemeinsam den gesamten europäischen Markt erobern.
Reaktor in unmittelbarer Nähe der österreichischen Grenze
Die Nuklearbranche verspricht, dass die neuen kleinen modularen Reaktoren einfacher, sicherer und effizienter sein könnten als konventionelle Großkraftwerke. Atomkraftgegner bezweifeln das und befürchten sogar neue Risiken durch eine Vervielfachung der Anlagenzahl, was Kontrollen erschwere. Der AKW-Standort Temelin liegt weniger als 60 Kilometer von der Grenze zu Österreich entfernt.
Schon vor Jahren sorgte das umstrittene Kernkraftwerk in Temelin für viel Wirbel im Land. Seit 2000 gibt es das "Melker Abkommen", wodurch der Austausch zwischen Österreich und Tschechien stets gegeben sein muss. Dennoch sorgten Sicherheitsausfälle immer wieder für Unruhe auf dem Gebiet in Tschechien.