Waffengegner schöpfen Hoffnung

US-Schulmassaker

Waffengegner schöpfen Hoffnung

Etwa 40 Prozent aller US-Haushalte verfügen über eine Schusswaffe.

Nur wenige Stunden nach dem Blutbad an der Grundschule in Newtown haben sich in der Nacht auf Samstag rund hundert Demonstranten vor dem Weißen Haus in Washington versammelt. Sie verlangten ein strengeres Waffenrecht. "Wir können nicht zulassen, dass es so weitergeht", sagte Demonstrantin Linda Finkel-Talvadkar. Seit dem Amoklauf in einem Kino in Colorado protestiert sie jeden Montag vor dem Amtssitz des US-Präsidenten.

Der Amoklauf in Connecticut werde die Debatte anstoßen, sagte der Pressesprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, am Freitag (Ortszeit). "Aber ich glaube nicht dass heute der Tag dafür ist." Die Demonstranten vor dem Weißen Haus wollen aber nicht mehr warten: Viele hielten Schilder mit der Aufschrift "Heute ist der Tag."

Columbine, Virginia Tech, Tucson, Aurora und nun Newton - wann immer Amokläufe die Nation erschüttern, werden Rufe nach schärferen Waffengesetzen laut. Aber geändert hat sich am Ende nichts. Die Amerikaner scheinen waffenverliebt wie eh und je. Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als 40 Prozent aller US-Haushalte über eine Schusswaffe verfügen.

Schon das allein erklärt, warum auch Politiker, die für Verschärfungen sind, das Thema bisher gescheut haben wie der Teufel das Weihwasser. Wer offen für stärkere Kontrollen plädiert, riskiert eine Quittung an der Wahlurne. So spielte das Thema denn auch im Wahlkampf dieses Jahres praktisch keine Rolle. Nur am Rande erwähnte US-Präsident Barack Obama, dass er im Fall einer Wiederwahl eine Neuauflage eines 2004 ausgelaufenen Gesetzes zum Verbot von bestimmten halbautomatischen Waffen anstreben werde. Im gleichen Atemzug unterstrich der Demokrat das Verfassungsrecht der Bürger auf Waffenbesitz. Waffengegner kritisierten ihn als feige.

Aber diesmal keimt bei ihnen zumindest etwas Hoffnung auf, dass sich endlich wirklich etwas ändert - wenn es auch nur kleine Schritte sein dürften. Genährt wird das vor allem dadurch, dass die meisten Opfer des Todesschützen in Newton kleine Kinder waren. "Wenn das nicht die Menschen und unsere Politiker wachrüttelt, was dann?", sagte etwa die Kongressabgeordnete Carolyn McCarthy, deren Mann bei einer Schießerei 1993 getötet worden war. Und sie kündigte an, dass sie ohne Rücksicht auf Verluste in Washington auf Änderungen pochen wird. "Ich werde nicht mehr zurückweichen", zitierte die "New York Times" die Demokratin.

Einen Silberstreif am Horizont sehen sie und andere Waffengegner auch in Obamas Reaktion auf die Schießerei. Noch nie zuvor, so schildern Mitglieder des Washingtoner Pressekorps, habe man ihn so emotional gesehen wie am Freitag, als er sagte: "Unsere Herzen sind heute gebrochen." Und der Präsident räumte ein, dass "bedeutsame" Schritte nötig seien, man zusammenkommen müsse, jenseits politischen Kalküls. Was er damit meinte, blieb zwar offen, die Regierung wolle die Tragödie nicht "politisieren", sagte Sprecher Jay Carney. "Das hier ist heute nicht der Tag dazu."

Dass die Wahl hinter Obama liegt und er in seiner zweiten Amtszeit befreiter auftreten kann, lässt manche Waffengegner ebenfalls Morgenluft wittern. Die Schießerei in Newtown sei ein "Game Changer", ein Ereignis, das grundsätzliche Änderungen bringt, meinte David Chipman, ein früherer Beamter der Bundespolizei ATF, in der "New York Times".

Andere sind da skeptischer, wie der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, der eine Antiwaffen-Koalition von Bürgermeistern im Land leitet. Er glaube es erst, wenn er es sehe, machte er in einer schriftlichen Erklärung deutlich. "Wir haben alle diese Rhetorik schon früher gehört", sagte er zu den gleichlautenden Bekundungen des Entsetzens bei den Demokraten und Republikanern. "Wir haben bisher keine Führung gesehen - nicht vom Weißen Haus und nicht vom Kongress. Das muss (...) enden."

Wie sehr beim Themen Waffenkontrolle die Emotionen hochkochen, zeigte sich bei einer CNN-Fernsehdiskussion über die nötigen Konsequenzen aus der Tragödie von Newtown. Moderator Piers Morgan rastete aus, als er das Argument hörte, mehr statt weniger Waffen könnten Schützen wie den Schulamokläufer stoppen. "Das ist doch Schwachsinn (...)", rief er aus. "Ich bin so frustriert und wütend."

Diashow: Schießerei in US-Grundschule

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