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Nach Anschlägen

Iraks Regierung vor Zerreißprobe

Die außer Kontrolle geratene Gewalt im Irak stellt die Regierung in Bagdad immer mehr vor eine Zerreißprobe.

Die Abgeordneten und Minister der Bewegung des radikalen Schiitenpredigers Muqtada (Moktada) al-Sadr drohten am Freitag ihren Rückzug aus Regierung und Parlament an, falls sich Ministerpräsident Nuri al-Maliki wie geplant am kommenden Mittwoch in Amman mit US-Präsident George W. Bush treffen sollte. Am Vortag waren bei Bombenanschlägen in der Bagdader Vorstadt Sadr-City, einer Hochburg der Schiitenbewegung, bis zu 200 Menschen getötet worden.

Mit einer diplomatischen Offensive bemüht sich unterdessen die US-Regierung um eine Stabilisierung der Lage. Vizepräsident Richard Cheney kommt am Samstag zu Gesprächen nach Saudi-Arabien. Nach Informationen der " Washington Post" will Cheney bei seinem Gespräch mit König Abdullah in Riad darauf dringen, dass Saudi-Arabien mäßigend auf die Sunniten im Irak einwirkt.

Bush wird Al-Maliki besuchen
Präsident Bush wolle bei seinem Besuch in Amman auch König Abdullah II. von Jordanien treffen. Jordanien ist wie Saudi-Arabien ein wichtiger Verbündeter der USA im Nahen Osten. Mit Blick auf die Drohung der Sadr-Bewegung sagte ein Sprecher des Weißen Hauses, Bush halte an seiner geplanten Begegnung mit Ministerpräsident Al-Maliki fest.

Blutige Racheakte
Nach der verheerenden Anschlagserie in Sadr-City erschütterte am Freitag eine Reihe blutiger Racheakte die sunnitischen Viertel Bagdads. Ein Korrespondent des Nachrichtensenders Al-Arabija berichtete von schweren Zusammenstößen im nördlichen Stadtteil Hurrija, nachdem Bewaffnete dort vier Moscheen in Brand gesteckt hätten. Es habe mehr als 30 Tote gegeben, meldeten arabische Medien unter Berufung auf Augenzeugen.

Angespannte Lage
Die Vereinten Nationen warnten vor einem " Kreislauf unkontrollierbarer Gewalt". UN-Generalsekretär Kofi Annan verurteilte die "abscheulichen Verbrechen". Er drängte die Iraker, dem Ruf ihrer politischen und religiösen Führer zu folgen, Ruhe zu bewahren und einen nationalen Dialog zu beginnen. Die Regierung bemühe sich um ein Treffen der politischen Führer im Land, um die angespannte Lage unter Kontrolle zu bringen, sagte Vize-Ministerpräsident Salam al-Subai dem Sender Al-Arabija.

Schiiten-Prediger Al-Sadr kämpferisch
Einzig der Schiiten-Prediger Al-Sadr gab sich kämpferisch. Bei seiner Freitagspredigt in der mittelirakischen Stadt Kufa forderte er vom Vorsitzenden des sunnitischen Rates der Religionsgelehrten, Harith al-Dhari, eine "Fatwa" (islamisches Rechtsgutachten), welche die Tötung von Schiiten verbiete. Augenzeugen berichteten am Abend von neuen Zusammenstößen zwischen Milizionären der Sadr-Bewegung und US-Soldaten in Sadr-City. Der zum Lager Al-Sadrs gehörende Parlamentsabgeordnete Nosab al-Rubai sagte Al-Jazeera, die sunnitischen Extremisten und die US-Besatzer seien zwei Seiten derselben Medaille.

Die Sadr-Bewegung kontrolliert 30 der 275 Sitze im Parlament und ist eine wichtige Stütze des schiitischen Ministerpräsidenten Al-Maliki. Ende Oktober hatte der Regierungschef von der US-Armee den Abbruch einer Blockade von Sadr-City erzwungen und war damit einer Forderung der radikalen Schiiten nachgekommen. Die US-Truppen hatten mit Hilfe der Straßensperren versucht, einen entführten US-Soldaten und den irakischen Kommandant einer Todesschwadron zu finden.

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