Die rechtspopulistische Partei Lega Nord aus Italien trauert um ihren Gründer Umberto Bossi.
Einer der Wegbereiter des europäischen Rechtspopulismus ist tot: Der Gründer der italienischen Regierungspartei Lega, Umberto Bossi, ist am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in einem Spital in Varese gestorben. Nach einem Hirnschlag im Jahr 2004 war er teilweise gelähmt gewesen. Bis zu seinem Tode hatte er einen Senatorenposten inne. Sein politischer Aufstieg begann in den 1980er Jahren mit der autonomistischen "Lega Lombarda", 1994 kam der Durchbruch als Regierungspartei.
Fünf Jahre nach der Gründung der "Lega Lombarda" zog Bossi als Senator ins römische Parlament ein. Von da an wurde er immer mehr zum Symbol des Protests der Norditaliener gegen die angeblich "korrupte" Politik Roms und deren Zentralismus. Dies gipfelte in der Forderung, Italien dreizuteilen. Bei den Parlamentswahlen im Frühjahr 1992 erfolgte der große Durchbruch der mittlerweile in "Lega Nord" umbenannten Partei - sie eroberte insgesamt 80 Sitze in den beiden Parlamentskammer, zwei Jahre später schaffte sie es als eine der ersten rechtspopulistischen Parteien in Europa in die Regierung. Bossi wurde Juniorpartner im kurzlebigen ersten Kabinett des mehrmaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.
Bossis separatistisches Vorhaben - er wollte einen Staat namens "Padanien" gründen - blieb freilich pure Theorie. Infolge eines Skandals um veruntreute Parteigelder musste er die Lega-Führung im Jahr 2011 abgeben. Wegen Veruntreuung von Parteigeldern war Bossi im November zweitinstanzlich zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt worden. 2013 übernahm Matteo Salvini die Führung der Partei, die unter ihm zu einer landesweit agierenden Kraft wurde. Vor allem infolge der Migrationskrise der Jahre 2015/16 konnte die Lega auch in Süditalien punkten und wurde bei der Parlamentswahl 2018 zur stärksten Kraft im rechten Lager, ehe ihr fünf Jahre später die Partei "Brüder Italiens" (Fratelli d'Italia) der aktuellen Regierungschefin Giorgia Meloni den Rang ablief.