Wirtschaft

Weltgewerkschaft in Wien gegründet

Am Mittwoch wurde in Wien der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) gegründet. Die Vorsitzenden des IGB werden am Freitag gewählt.

Guy Ryder, der Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) versprach neue Ansätze in der internationalen Arbeit. Als Ryders Stellvertreter kommt der ehemalige Generalsekretär des Weltverbandes der Arbeitnehmer (WVA), Willy Thys, în Frage. Nach Informationen aus Teilnehmerkreisen könnte eine Frau zur neuen Vorsitzenden des IGB gewählt werden.

"Noch nie hat es in der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung eine so große Versammlung gegeben", erinnerte der frühere Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB), Emilio Gabaglio, der bei der Neugründung federführend war. Bisher sei die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung von Spaltung geprägt gewesen, nun könne man ein neues Kapitel aufschlagen.

Hochgesteckte Ziele
"Ich kann nicht garantieren, dass alle unsere Pläne aufgehen", äußerte sich Ryder am Mittwoch weiter vorsichtig. Die Gründung des IGB sei aber in jedem Fall "ein Schritt nach vorne". Vor allem könne man nun mit einer Stimme zu sämtlichen internationalen Organisationen wie der WTO, Weltbank oder UNO sprechen.

Ein Hauptziel der neuen Weltgewerkschaft: Die Mobilisierung der Gewerkschaften weltweit. Ryder sprach von einem neuen Internationalismus in der Arbeitnehmervertretung.

Kraft für soziale Veränderung
Thys die neue Organisation, etwas, dass es "zum ersten Mal in der Gewerkschaftsbewegung überhaupt gebe". Er kündigte einen weltweiten "day of action" an, lediglich in Lobbying und Gesprächen solle sich die Arbeit des IGB nicht erschöpfen. Weiteres Schlagwort, das die neue Euphorie beschreibt: Kraft für soziale Veränderung.

Fusion von acht Gewerkschaften
Acht Gewerkschaftsorganisationen, die mit den zwei Vorgängerorganisationen lediglich als " Kontaktgruppen" kommuniziert hatten, sind beim Gründungskongress nun vollwertige Mitglieder geworden.

Dabei handelt es sich um CUT (Kolumbien), UWTA-CS (Angola), CTA (Argentinien), FISEMA (Madagaskar), CGT (Frankreich), OPZZ (Polen), TUC-N (Nigeria) und GEFONT (Nepal). Ryder betonte aber, dass die Weltgewerkschaft nie einen Status, wie ihn etwa die Vereinten Nationen haben, anstreben werde.

Vorläuferorganisationen aufgelöst
Willy Thys teilte mit, dass die Auflösung seines Verbandes am Tag zuvor mit 95 Prozent der Stimmen beschlossen worden sei. "Es ist sehr emotionsgeladen, wenn wir diesen Schritt tun", meinte er weiter, "ich bin aber davon überzeugt, dass auch dieses Kapitel ein großartiges wird".

Ebenso optimistisch in die Zukunft blickte Guy Ryder, bisherige. Beim Auflösungskongress sei klargestellt worden, "dass wir weiter hinter einem demokratischen und unabhängigen Gewerkschaftswesen stehen" . Der IGB werde ein "effektives und mächtiges Instrument" sein, "das die Arbeitnehmer brauchen".

Österreichische Unterstützung
Bundespräsident Heinz Fischer begrüßte bei seiner Eröffnungsrede den Einsatz des IGB für den Frieden. "Ich bin ein überzeugter Anhänger der Gewerkschaftsidee ", meinte er außerdem, diese sei ein "wichtiger, unverzichtbarer Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft". Nun gelte es, nach diesem historischen Zusammenschluss "Verbündete zu suchen ".

Zuvor hatte Rudolf Hundstorfer, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), die Gewerkschaftsbewegung ermahnt, sich nicht zur Ruhe zu setzen. Er erinnerte auch daran, dass die Zusammenarbeit von Christ- und Sozialdemokraten in Österreich bereits gepflogen werde. Gerade die jüngsten Ereignisse rund um den ÖGB - "welche Ihnen sicher nicht verborgen geblieben sind" - würden die Einigkeit und Geschlossenheit seiner Organisation auf eine harte Probe stellen.

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