Bob Dylan: Musiker-Legende wird 70

Happy Birthday

Bob Dylan: Musiker-Legende wird 70

458 Songs, 33 Studioalben, elf Grammys, ein Oscar (Things Have Changed, 2000), sieben Filme, drei Ehrendoktorate, der Pulitzer-Preis, drei Bücher über seine Malerei. Keine Frage: Robert Allen Zimmerman, besser bekannt als Bob Dylan, ist eine der einflussreichsten Persönlichkeiten dieser Generation.

Leise Feier
Heute zelebriert "der größte Poet der Musikgeschichte", so niemand Geringerer als John Lennon, seinen 70er. So wie schon die Jahre zuvor, in absoluter Abgeschiedenheit. "Ich werde ein paar Kerzen kaufen und die Familie einladen." Das Feiern überlässt er anderen. Heute gibt’s im Wiener Reigen das Bob ­Dylan Birthday Concert mit Okemah, Ratzenbeck und Co.

Zeitgeschichte
Geboren am 24. Mai 1941 im St. Mary’s Hospital in Duluth, Minnesota, eroberte er mit seinen Protest-Folk-Songs vom New Yorker Stadtteil Greenwich Village aus die Welt. Sein Debütalbum Bob Dylan verkaufte 1962 noch keine 5.000 Stück, doch schon The Freewheelin’ Bob Dylan (1963) erklärte ihn zum Sprachrohr einer Generation: Die 13 Songs, allen voran Blowin’ in the Wind, gelten noch heute als Legenden und werden neben der Hindenburg-Reportage oder Luther Kings I Have a Dream-Rede im U.S. National Archive als eine der 50 wichtigsten Aufnahmen der Zeitgeschichte geführt.

Platz eins
1965 wechselte Dylan, unter dem Aufschrei der Welt, zur E-Gitarre und heiratete das Fotomodell Sara Lowndes. 1966 hatte er einen Motorradunfall und zog sich ins Privatleben zurück. 1969 kam Sohn Jakob (Sänger der Band The Wallflowers), das erste von vier Kindern, zur Welt. 1975 tourte er mit der Zirkusshow Rolling Thunder Revue, und seit 1988 ist er auf Never Ending Tour ("So ein blöder Titel, denn im Leben hat alles ein Ende."). Erst mit seinem bislang letzen Album Together Through Life (2009) eroberte er in Österreich zum allerersten Mal die Chartspitze.

Tour
Interviews sind ­Dylan ein Gräuel: Seit 1986 gab er genau ein einziges Interview für Österreich. Dafür spielt er noch immer 150 Konzerte pro Jahr – das nächste am 16. Juni in Cork, Irland.
 

Dylan über Dylan, Internet & den Kult

Interviews mit Bob Dylan sind eine absolute Rarität. 23. Juli 2001, Rom: Bob Dylan bricht nach 15 Jahren sein Schweigen und gibt sein letztes Austro-Interview. ÖSTERREICH war dabei:

ÖSTERREICH-Reporter Thomas Zeidler sprach mit Bob Dylan © TZ ÖSTERREICH/Zeidler
Thomas Zeidler sprach mit Bob Dylan.            © TZ ÖSTERREICH/Zeidler

ÖSTERREICH: Wer ist Bob Dylan?
Bob Dylan: Da fragen Sie den Falschen, denn das ist eine rein philosophische Frage, und mit Philosophie habe ich nichts am Hut.

ÖSTERREICH: Sie genießen fast göttliche Verehrung …
Dylan: Das habe ich nie verstanden. Ich finde es absurd, mich zu analysieren. Und wenn, dann bitte wie? Freudianisch? Marxistisch? Idealistisch? Ich bin doch bloß Sänger.

ÖSTERREICH: Doch Ihre Hits sind nun bei Konzerten kaum wiederzuerkennen …
Dylan: Das gehört genau so gesungen. Früher habe ich das alles nur falsch aufgenommen. Doch jetzt ist es endlich richtig!

ÖSTERREICH: Erkennen Sie in der heutigen Musikszenen einen Nachfolger?
Dylan: Ich höre keine Musik. Man sagt mir, Rap soll textlich gut sein, doch ich weiß nicht, was das ist.

ÖSTERREICH: Was halten Sie vom Internet?
Dylan: TV und Internet haben die Poesie gekillt. Die Nachrichten sind heute so schlimm, dass man gar nicht mehr darüber singen mag. Dazu leben wir ein einer Fantasiewelt, wo Disney längst gewonnen hat. Traurig.

ÖSTERREICH: Auf welche Ihrer 498 Songs sind Sie stolz?
Dylan: Ich höre mir meine eigene Musik niemals an. All meine Songs waren wohl Erfolge, genauso wie sie wohl Fehler waren.

Autor: Thomas Zeidler
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