01. September 2010 18:51
© http://www.moschee-baba.at/
Jetzt wird es richtig brutal im steirischen Wahlkampf. Ein Online-Spiel
sorgt derzeit für Aufregung in Österreich: Die FPÖ-Landespartei Steiermark
wirbt auf ihrer Website mit einem Abknall-Spiel, bei dem es darum geht, auf
Moscheen, Minarette und sogar Muezzins zu schießen.
Das FPÖ-Game: Im Hintergrund Berge, die Skyline von Graz, der Uhrturm.
Plötzlich tauchen islamische Symbole auf. Davor eine Art Fadenkreuz. Für
jeden Volltreffer sammelt der Schütze Punkte. Das Anti-Minarett-Spiel mit
dem Titel "Moschee-Baba“, ähnelt dem Moorhuhn-Game.
Jeder abgeknallte Muezzin ist 1.000 Punkte wert
Für jeden
verhinderten Moschee-Bau gibt es 2.000 Punkte, für jeden abgeknallten
Muezzin 1.000. Ein verhindertes Minarett ist 500 Punkte wert. Daneben tickt
ein Zeitkonto.
Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Verhetzung und
Herabwürdigung religiöser Lehren. Delikte, die mit einer Freiheitsstrafe von
bis zu zwei Jahren bzw. sechs Monaten bedroht sind.
Ein grüner Abgeordneter sowie die Islamische Glaubensgemeinschaft in
Österreich (IGGiÖ) hatten Anzeige erstattet. IGGiÖ-Präsident Anas Schakfeh
bezeichnet das Spiel als "geschmacklos und religionsfeindlich“.
Gegenstand der Ermittlungen ist nun, "herauszufinden, wer von der
Freiheitlichen Partei für das Spiel verantwortlich ist“, so der zuständige
Staatsanwalt Hansjörg Bacher gegenüber ÖSTERREICH.
"Moschee-Baba“ ist "demokratische Willensbildung"
Die
Antwort gibt der blaue Spitzenkandidat Gerhard Kurzmann,
Nationalratsabgeordneter und Magistratsbeamter in Graz. Im Interview mit
ÖSTERREICH sagt er, dass "die Landespartei über das Spiel
abgestimmt“ habe. Für ihn stellt "Moschee-Baba“ kein
Gewalt-Game dar, sondern vielmehr ein "Signal, dass die steirische FPÖ
religiöse Machtsymbole wie Moscheen nicht will“.
Weiters interpretiert Kurzmann das Spiel als „demokratische Willensbildung“.
Denn bei „Game over“ werden dem Spieler drei Fragen zum Islam gestellt.
Anhand der Antworten will die Landespartei die Meinung der Österreicher
ermitteln. In den ersten beiden Fragen geht es um die Einstellung zum Bau
von Moscheen und Minaretten bzw. um Kopftuch und Burka. Die dritte Frage
lautet: „Sollen Muslime eine Erklärung unterschreiben, in welcher sie die
österreichische Rechtsordnung als über dem Koran stehend akzeptieren?“ Die
FPÖ Steiermark verzeichnete in den ersten drei Tagen bereits fast 60.000
Klicks. 56 Prozent hätten die Fragen im Sinne der FPÖ beantwortet.
FPÖ-Spitze distanziert sich von dem Online-Game
Innerhalb
der FPÖ distanziert man sich auf höchster Parteiebene von dem Spiel.
Parteiobmann H.-C. Strache im Gespräch mit ÖSTERREICH: "Uns
von der Bundespartei wurde das Spiel ebenfalls angeboten. Wir lehnten ab.“
Auch FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl will mit dem Spiel nichts zu tun
haben: "Dieses Spiel wird im Wiener Wahlkampf sicher nicht eingesetzt“.
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ÖSTERREICH: Heute starten Sie Ihren Wahlkampf – Ihre
Ansage? Heinz-Christian Strache: Dass die SPÖ
abgewirtschaftet hat. Dass es in Wien ein Sicherheitsproblem mit 550
Wohnungseinbrüchen täglich gibt. Dass eine Zuwanderungswelle droht,
die zu einem Verdrängungswettkampf auf dem Arbeitsmarkt führen wird.
ÖSTERREICH: Also Sie setzen ebenfalls wie die Steirer
nur auf das Ausländerthema? Strache: Nein
natürlich nicht, wir haben viele andere Themen. ÖSTERREICH:
Das Moschee-Spiel der steirischen FPÖ sorgt für Aufregung. Sind Sie
darüber glücklich? Strache: Es ist
alleinige Sache der steirischen Landespartei, die ihren Wahlkampf
eigenständig führt und konzipiert. Uns in Wien wurde das Spiel
übrigens ebenfalls angeboten – es hat aber nicht zu unserer
Wahlkampflinie gepasst. Ich finde im Wahlkampf Spiele nicht
angebracht. ÖSTERREICH: Rufen Sie Ihren
Parteifreund Kurzmann jetzt zur Ordnung? Strache:
Nein, ich bin ja nicht das Kindermädchen von Herrn Kurzmann. Ich
halte SPÖ-nahe Terror-Rapper oder den Herrn Al-Rawi, der
anti-israelische Demos anführt, für skandalös. Und nicht dieses
Spiel, bei dem ja nicht geschossen, sondern nur eine Stopptaste
gedrückt wird. (gü)
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Ich glaube, sonst wäre ich bei dem Versuch, einen jeden Fehltritt der FPÖ pressemässig zu korrigieren irgendwann geplatzt.
Ich frage mich nur, wie eine Partei mit solcher Regelmässigkeit genau vor der Wahl immer wieder eine Radikalität herauslässt.
Oder: Kann man die FPÖ denn überhaupt noch eine Partei nennen?